Helden.

Kaiserwetter. Ein Tag, um Helden zu zeugen, und gleichzeitig der Tag, der bestimmt ist von dem Schatten der Trauer um die beiden in Misurata getöteten Fotografen Tim Hetherington und Chris Hondros.
Ich habe nun den ganzen Tag über immer wieder über die beiden gelesen oder Nachrichten im Radio gehört, und ich muss sagen, ihre Geschichte macht mich doppelt traurig. Ich könnte keinen größeren Respekt haben als vor Kollegen, die unter gefährlichen Umständen der nobelsten Aufgabe unseres Berufes nachgehen: Der Welt zu zeigen, wie es wirklich ist.

Und ich finde, es muss Journalisten auch erlaubt sein, als Gruppe besonders um die eigenen Kollegen zu trauern und mit ihren Familien zu fühlen. Mir geht es genau so.

Aber ich finde, wer das Eine tut, muss das andere nicht lassen: Die ausführliche, respektvolle und wichtige Berichterstattung über den Tod der beiden Kollegen zeigt aus meiner Sicht einmal mehr auf, wie wenig wir eigentlich über diejenigen berichten, die in unserem Auftrag den wohl noch gefährlicheren Dienst tun, irgendwo am Ende der Welt.

Ich war und bin gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, aber gerade deshalb finde ich es wichtig, es immer wieder zu sagen: Als Bürger dieses Landes, als Nachbar, als Freund, gelten meine Gedanken, meine Solidarität und mein Respekt nicht nur den Kollegen, die über kriegerische Auseinandersetzungen überall auf der Welt berichten, sondern auch den Frauen und Männern in Uniform, die nicht mit ihren Familien Ostern feiern können, weil wir sie in solche Auseinandersetzungen schicken. Ich hoffe, sie kommen bald nach Hause. Aber wichtiger noch als bald: Ich hoffe, sie kommen gesund und sicher nach Hause.

Ich weiß, ich neige zum Pathos. Aber manchmal muss man Dinge einfach sagen. Frohe Ostern!

7 Antworten auf „Helden.“

  1. Hetherington zusammen mit Junger im Booklet der britischen RESTREPO-DVD:

    „Their lives were our lives: we did not sit down with their families, we did not interview Afghans, we did not explore geopolitical debates. Soldiers are living and fighting and dying at remote outposts in Afghanistan in conditions that few back home can imagine. Their experiences are important to understand, regardless of one’s political beliefs. Beliefs are a way to avoid looking at reality. This is reality.“

    R.I.P.

  2. Die Männer und wenigen Frauen in Uniform sind nur dort, weil sie sich vom großen Geld haben locken lassen.

    Einfach nur angemerkt, um es nicht ganz unkommentiert stehen zu lassen.

    Frohe Ostern!

  3. Wie kannst du sowas schreiben? Es gibt keine Mehrheit für diese Kriege, also habe auch nicht wir die Soldaten dorthin geschickt. Die sind aus eigenem Antrieb dort oder weil die Politik des Landes das will. Aber nicht „wir“.

  4. Unser beider Regierung hat sie mit überwältigender Mehrheit entsandt und das Mandat mehrfach bestätigt. Man muss die Realität nicht mögen. Aber sie bleibt trotzdem Realität.

  5. Bei so viel Leid geht ein wenig Pathos immer. Ich weiß, ich neige zu Wortspielen … Gleichfalls frohe Ostern.

  6. @karl: Wer als deutscher Soldat in Afghanistan ist, hat sich „vom großen Geld“ locken lassen?
    @onli: Wer als deutscher Soldat in Afghanistan ist, ist „aus eigenem Antrieb“ dort?
    Ja, wenn es so einfach wäre, könnte man das abhaken. Es ist aber nicht so einfach. Die Bundeswehrsoldaten mit Afghanistan-Erfahrung, die ich kenne, sind aus anderen Gründen dort. Zum Beispiel, weil sie sich zu einer Zeit für eine berufliche Laufbahn in der BW entschieden und auf lange Jahre verpflichtet haben, als nicht absehbar war, dass man als deutscher Soldat eines Tages in einen Krieg geschickt werden würde. Oder, weil sie als BW-Ärzte ohne Uniform und an Zivilisten in deutschen BW-Krankenhäusern Dienst verrichten, aber verpflichtet sind, alle ein bis zwei Jahre in Uniform für zwei Monate Dienst in Afghanistan zu tun. Selber schuld? Dumm gelaufen? Warum sind sie auch Soldaten geworden? Das kann sagen, wer selber immer perfekte Entscheidungen im Job getrofffen hat; ich könnte es nicht. Oder es kann sagen, wer grundsätzlich findet, Deutschland brauche keine Armee. Das kann man sich wünschen, aber es ist eine komplett unrealistische Vorstellung. Und so lange diese Vorstellung komplett unrealistisch ist, profitieren wir alle davon, dass es Menschen gibt, die diesen Berufsweg einschlagen. Sie dann dafür zu verurteilen und nichts mit ihnen zu tun haben zu wollen: Das ist absurd. Egal, wie man zum Afghanistan-Einsatz der BW steht (ich lehne ihn ab). In diesem Sinne danke für den Blog-Eintrag, und gleichfalls frohe Ostern.

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