Das ist der GAU: Nicht so schlimm

Während ich gestern darüber geschrieben habe, dass Journalisten heute durch die Plattform Internet anfassbarer, nahbarer und stärker verantwortlich für ihre Texte sind als noch vor wenigen Jahren, hat der Kollege Hajo Schumacher in Berlin gesessen und eine Polemik über Horst Schlämmer geschrieben. Die Polemik, die heute in der Welt und der Berliner Morgenpost gedruckt wurde (was praktisch das Gleiche ist, weil sich beide eine Redaktion teilen), war richtig schlecht – nicht sauber gedacht, in der Formulierung überzogen und insgesamt nicht besonders spannend. Und das steht heute in vielen Blogs, unter anderem bei Stefan Niggemeier, was Hajo Schumacher besonders weh tun muss, weil Niggemeiers Blog wahrscheinlich mehr Menschen lesen als Polemiken in Welt und BM.

 


Nun stand Schumacher unter Rechtfertigungsdruck, und er hat die Diskussion angenommen und sich bei Niggemeier unter die Kommentatoren gemischt, Fehler zugegeben und seine These verteidigt (wobei die These aus seinem Text für mich nicht ersichtlich war). Und es ging ihm, wie es fast jedem geht, der sich einem Kommentar-Mob stellt: Er hat in der Diskussion praktisch keinen Stich gesehen. Wie Niggemeier selbst sind die lautesten Kommentatoren auf seinem Blog ausdauernde Rechthaber, die nicht aufhören, zu beißen, nur weil Schumacher Fehler zugibt. Das ist ihr gutes Recht, es macht auch – ganz ehrlich – mehr Spaß das zu lesen, als wenn nach einem gemurmelten halben Schuldeingeständnis sofort wieder Frieden wäre und alle Fehler vergessen. Natürlich ist das alles für Hajo Schumacher sicher nicht angenehm.

 

Aber das war es auch schon. Es war unangenehm. Er ist beleidigt worden (Schumacher hat eine aus meiner Sicht unglückliche Frisur, und Niggemeier hat es sich nicht nehmen lassen, ein Foto auszusuchen, auf dem man das sieht), unfair angegangen, veräppelt und beschimpft. Nichts, was man nicht überleben würde – und nichts, was er mit Horst Schlämmer und anderen vorher nicht auch getan hätte. Schumacher kann das, denke ich, ganz gut ab.Das passiert also im schlimmsten Fall: Man schießt eine schlechte Geschichte aus der Hüfte, wird dafür zu recht kritisiert und zu unrecht beleidigt, muss sich ein paar völlig irrelevante Kommentare zum eigenen Haarschnitt abholen und geht dann wieder seiner Arbeit nach. Meiner Meinung nach ein geringer Preis dafür, dass jeder Mensch mit einem Online-Zugang in der Lage ist, seinen wie auch immer gearteten Beitrag zum allgemeinen Diskurs zu leisten.

Nennt mich eine fette Sau, aber ich bin dafür.

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