Endlich reden wir mal über Sex: fickt euch!

8. September 2012

Es ist eine Liste von Ekligkeiten: CDU-Partei … ähem, “freunde” von Christian Wulff setzen das Gerücht in die Welt, seine neue Frau hätte eine “Rotlichtvergangenheit”, und bei passender Gelegenheit drucksen deutsche Medien so lange um die Tatsache herum, dass es vollkommen indizienfreie Gerüchte gibt, bis irgendwann zumindest alle mal darüber schreiben können, dass wieder andere möglicherweise irgendetwas hätten, dass sie berichten könnten. Diese Geschichte ist letztlich in die Öffentlichkeit gelangt, weil Günther Jauch in seiner Sendung den BILD-Vize damit konfrontierte, dass die Berliner Zeitung schrieb, die BILD hätte möglicherweise irgendwelche Informationen? Der Schwager einer Freundin der Arbeitskollegin des Bekannten von Dingenskirchen sicher auch, aber den fragt ja keiner.

In meiner persönlichen Liste der Ekelpriorität stehen die Parteifreunde noch ein bisschen höher – also in der realen Welt niedriger, Prioritäten sind ja nur eine Ableitung der Wirklichkeit –, aber ich schaffe es kaum, mich über diese niedersächsischen Provinzpusteln aufzuregen, weil ich ein noch viel grundlegenderes Problem mit dieser Geschichte habe. Und zwar dieses: Leben wir wirklich immer noch in Zeiten, in denen wir Hexenjagden veranstalten auf Frauen, weil sie (in diesem Fall: angeblich) einmal Prostituierte waren? Verstehe ich das richtig, dass ein deutscher Ministerpräsident sich nicht in eine/n Prostituierte/n verlieben und sie/ihn heiraten darf?

Ich habe hier ein ernstes Problem, und ich rege mich seit Tagen mehr und mehr darüber auf, mit welcher Scheinheiligkeit wir pausenlos Menschen sowohl nach ihrem Sexualleben als auch nach ihrer Sexualität bewerten und dabei im- und explizit mit Werten und Begriffen um uns werfen, die in der Debatte nichts verloren haben. Ich will das gerne begründen.

Um eins vorweg zu nehmen: Ich werde im Folgenden beschreiben, dass ich die Vorwürfe gegen Bettina Wulff schon deshalb für eklig halte, weil sie implizieren, eine “Rotlichtvergangenheit” würde sie als First Lady disqualifizieren. Dabei ist mir vollkommen bewusst, dass Bettina Wulff keine solche Vergangenheit hat und die ganze Diskussion nur auf niederträchtigen Gerüchten basiert. Ich möchte nicht implizieren, ich hielte es für möglich, dass sie eine solche Vergangenheit hat. Ich bin völlig davon überzeugt, dass sie sie nicht hat. Mein Punkt ist, dass ich glaube, es könnte durchaus eine First Lady geben, die ähnlich gut geeignet für diese Funktion ist wie Bettina Wulff (vor deren Haltung in der Krise rund um den Rücktritt ihres Mannes ich einen unendlichen Respekt habe) und die eine Vergangenheit als Wasauchimmer hat.

Aber zum Punkt: Es gibt offenbar kein valides Datenmaterial zur Prostitution in Deutschland, erst recht nicht zu den Freiern. Die Daten bei Umfragen variieren derart, dass sie völlig sinnlos sind. Aber ich wohne wenige Minuten von der Reeperbahn entfernt. Ich persönlich halte die Umfragen, die sagen, etwa die Hälfte aller Männer in Deutschland hat schon für Sex bezahlt für nicht weit hergeholt. Rein von den Zahlen her muss man sagen, Prostitution ist in dieser unserer Gesellschaft fest verankert. Ich weiß, dass Sexarbeit mit besonderen vor allem psychischen Belastungen einhergeht, ich meine es absolut nicht respektlos wenn ich sage: Es ist ein ganz normales Gewerbe. Aber das ist es. Prostituierte zahlen Steuern und erfüllen offensichtlich eine gesellschaftliche Funktion. Und wenn es eine Ehe zwischen einer Hure und einem Spitzenpolitiker gibt, dann würde ich jederzeit darauf wetten, dass die Hure im ehrlicheren Gewerbe beheimatet ist. Wenn es eine Vergangenheit gibt, die einen Menschen als Bundespräsidenten (oder dessen bessere Hälfte) disqualifiziert, dann aus meiner Sicht jeder Posten in der niedersächsischen CDU zehnmal eher als Sex in unzähligen Positionen in einem Hannoveraner Puff.

Noch einmal: Bettina Wulff hat keine Rotlichtvergangenheit. Sie ist nur sexier als es in der niedersächsischen CDU ertragen wird. Wahrscheinlich ist da was dran, dass wenn man geil aussieht oder keine Probleme damit hat, hübsche Frauen abzuschleppen, man gar nicht erst in die Gefahr gerät in die Junge Union einzutreten. Aber Gerüchte über eine junge Frau verbreiten, um ihrem Mann zu schaden? Buäh, seid Ihr eklig!

Jedenfalls: Der falsche Anwurf, der da kam um dem damaligen Ministerpräsidenten Wulff zu schaden hatte die Stoßrichtung, seine Urteilsfähigkeit in Zweifel zu ziehen. Wer sich in eine Nutte verliebt, das soll man wohl denken, der hat sich auch sonst nicht unter Kontrolle (und ist möglicherweise sogar erpressbar). Anders kann ich die mutwillig platzierten Gerüchte nicht verstehen. Was zu Ende gedacht bedeutet: Eine Nutte kann keine Frau sein, in die ein ernsthafter Mann sich verlieben kann. Schließlich ist sie eine Nutte. Und der Mann kann deshalb nur auf sie hereingefallen sein, wahrscheinlich deshalb, weil in ihrer Gegenwart zu viel von seinem Blut nicht in seinem Gehirn ist. Der Sex hat in willenlos gemacht.

Als ernsthafte Ehefrauen für Spitzenpolitiker kommen also nur solche infrage, die zumindest aus Sicht ihrer eigenen Männer nicht so geil sind. Da ist dann die Junge Union natürlich wieder weit im Vorteil.

Nur halb unabhängig davon führen wir gerade wieder eine Debatte darüber, was eigentlich eine Ehe ist, warum sie heilig und unter der besonderen Schutz des Grundgesetzes ist und warum sie nur zwischen Mann und Frau möglich sein soll. Und hier erreicht mein persönlicher Ärger seinen Höhepunkt.

Als heterosexueller, verheirateter Christ mit zwei Kindern möchte ich bitte einmal explizit darauf hinweisen, dass ich die quasi synonyme Nutzung der Begriffe “Ehe” und “Familie” für offensichtlich überholt und deshalb unredlich halte. Ich kann auch nicht den Hauch eines Hinweises erkennen, warum nicht zwei Männer, zwei Frauen, jede Kombination von und mit Transsexuellen oder eben ein Mann und eine Frau egal welcher sexueller Ausrichtung heiraten können sollen. Als Bürger glaube ich, die Ehe ist die freiwillige Übernahme von Verantwortung für einen Partner. Als Christ glaube ich, die Ehe ist das Sakrament der Uneigennützigkeit, der Liebe, der Hingabe. Ich glaube, die Geschichte hat gezeigt, dass Familien auf tausende Arten entstehen, und weder die Ehe noch die Tatsache, wer nun gerade am Zeugungsakt eines bestimmten Menschen beteiligt war haben nachhaltig viel Einfluss darauf, ob und wie eine Familie funktioniert. Sie ist mehr als das. Jesus Christus hatte zwei Väter, und er ist meiner Meinung nach ein guter Typ geworden.

Das alles gehört nur bedingt zusammen, aber eben doch auf eine Art. Ich beobachte, dass wir in ein Denken zurückfallen, das so lange überholt ist, dass es schon wieder frisch wirken könnte. Ist es aber nicht: Bettina Wulff ist eine derart beeindruckende Frau (wenn ich an ihr Lächeln während seiner Rücktrittsrede denke, salutiere ich ihr in Gedanken), dass es schon total egal sein müsste, was auch immer sie mit 18 oder 28 gemacht hat – wenn sie hätte, was sie nicht hat. Und wenn wir es verwerflich finden, dass Frauen und Männer anderen sexuelle Dienstleistungen verkaufen, dann sollen wir bitte alle damit aufhören, solche in Anspruch zu nehmen, und nicht diejenigen verurteilen, die offensichtlich vorhandene Bedürfnisse befriedigen.

Wir glauben an die Liebe, sogar an die besondere, die eine, die zur Ehe wird. Meine erste Bitte wäre, dass selbst CDU-Mitglieder auch dann daran glauben, wenn eine Frau daran beteiligt ist, die geil ist. Ich versuche ja, mich in diese Welt hineinzudenken. Und klar der Christian war einer von euch Politik-Nerds, und er hat entgegen aller Regeln und Wahrscheinlichkeiten eine Bombe abgekriegt. Da kann man schonmal misstrauisch werden. Aber deshalb gleich Gerüchte streuen? Ich würde sagen: Behaltet das in Zukunft für euch, Ihr verklemmten Wichser.

Wir haben eine Übereinkunft: Das Sexualleben eines Menschen geht niemanden etwas an, so lange erwachsene Menschen freiwillig miteinander umgehen. “Das geht niemanden etwas an” bedeutet nicht, dass wir nicht darüber reden können. Wahrscheinlich reden wir viel zu selten darüber, so selten, dass Bundespräsidenten schon von Haus aus wirken müssen, als würden sie sich nicht gerne das Gehirn rausvögeln lassen. Und wenn wir nicht jungen Heteropaaren vorschreiben wollen, dass sie zumindest einen Kinderwunsch haben müssen, um heiraten zu können, hat sich das Argument der “Keimzelle der Familie” zur Ablehnung der Homo-Ehe aus meiner Sicht erledigt. Es ist einfach nicht mehr wahr: Familien entstehen dauernd und überall. Es werden Kinder nach besoffenen One-Night-Stands geboren, ohne dass wir diese Form des Sexualkontakts deshalb als Keimzelle von irgendwas unter einen besonderen Schutz des Grundgesetzes stellen müssten oder wollten.

Ehe und Familie sind nicht das gleiche, wie es die Rechtsprechung in Deutschland immer noch impliziert und wie es konservative Politiker explizit behaupten. Ich finde meine Töchter ganz toll und möchte nicht ohne sie sein, aber sie sind nicht der Grund, warum ich meine Frau geheiratet habe. Der Grund, warum ich meine Frau geheiratet habe, ist meine Frau. Und ich kann nicht erkennen, warum eine lesbische Frau nicht denselben Grund haben sollte, ihre Frau zu heiraten. Ich bin nicht besser als sie. Und jedem, der gegen die Homo-Ehe mit “der Familie” argumentiert möchte ich sagen: nicht mit meiner. Wir fühlen uns kein bisschen schlechter geschützt nur deshalb, weil anderer Leute Liebe vor dem Gesetz genau so viel Wert ist wie unsere.

83 Kommentare

Nachtrag:
Ooops, stimmt, RTL2 war mit der anderen Sympathieträgerin. Aber mal ehrlich: Bettina Wulff hätte ich das ebenso zugetraut.

by A. Hopfenschauer on 10. September 2012 at 10:05. #

»Jesus Christus hatte zwei Väter, und er ist meiner Meinung nach ein guter Typ geworden.«

Bestes. Argument. Aller. Zeiten.

Interessant wäre gewesen, ob Sie ansonsten der CDU nahestehen. Die Position ist ja zumindest für Grüne und (viele) in der SPD keine besondere.

Danke für den schönen Kommentar!

by BAE on 10. September 2012 at 10:09. #

Danke für diesen Text!

by Crazee on 10. September 2012 at 10:12. #

Mir persönlich ist das vollkommen schnuppe.nichts könnte mir egaler sein als der frühere Beruf der Gattin des ex-bundespräsidenten.ich finde es nur amüsant,dass Sie Google natürlich nur ganz zufällig dann verklagen möchte wenn gerade ihr Buch rauskommt.mal ganz davon abgesehen,dass der klagegrund mehr als lächerlich ist.

by Baal on 10. September 2012 at 10:12. #

Nachdenkenswert für die Burschis von der Union finde ich besonders diesen letzten Gedanken über Ehe und Familie. Gibt es auch nur einen vernünftigen Grund, anzunehmen, E & F seien weniger geschützt, wenn Männer Männer und Frauen Frauen heiraten? Solche Gründe findet man nur dann,, wenn man annimmt, dass gleichgeschlechtliche Liebe eine Art mutwillige Laune ist, die sich früher durch Rute oder Zuchthaus, heute durch steuerliches und rechtliches Schlechterstellen austreiben ließe. Dass das nicht so ist, sollte doch inzwischen eigentlich klar sein.

by Friedrich on 10. September 2012 at 10:22. #

Kann man so unterschreiben. Allerdings gehe auch ich bzgl. der Ehrbarkeit von Frau Wulff nicht ganz mit. Das sie sich zu Wehr setzt, ist ihr gutes Recht und ein Vorbild für alle, die ebenfalls öffentlich diffamiert werden.
Jedoch ist der Zusammenhang mit der Buchveröffentlichung so offentsichtlich, dass keiner behaupten brauch das würde nicht zusammenhängen bzw. hätte nicht den Nutzen Aufmerksamkeit zu generieren.
Ich gebe aber auch zu, dass ich dem Ehepaar Wulff allgemein eher kritisch gegenüber stehe – Aber das ist ein anderes Thema.
Was die Ehe, Liebe, verklemmte CDU-Hinterbänkler und Familie angeht – WORD!

by Clemens on 10. September 2012 at 10:32. #

Herzlichen Dank für diesen fundierten Artikel!

by Inga on 10. September 2012 at 10:57. #

@Deus Figendi: Das mit der Kinderschänderjagd auf RTL2 war nicht Frau Wulff, sondern Frau zu Guttenberg. Ich gebe aber zu: Die kann man schon mal verwechseln.

by Dr. No on 10. September 2012 at 10:58. #

Und als Christ solltest Du wissen, dass nach biblischer Überlieferung der Beischlaf zwischen “zwei Männern” nicht vollzogen werden darf. Was sich zwar in der heutigen Zeit nicht mehr aufrecht halten lässt, aber dennoch einen Widerspruch zum Sakrament Ehe bildet.

by Vasilios Chatziioannis on 10. September 2012 at 11:05. #

Ha! Ich wusste, dass das irgendwann irgendjemandem als Argument nicht zu albern sein würde! Danke. Und wo wir dabei sind: Lasst uns Ehebrecher steinigen!

by mikis on 10. September 2012 at 11:12. #

100% Zustimmung zu dem Text.
Allerdings hat die zeitliche Übereinstimmung zwischen dem Hochkochen dieser Geschichte und dem Veröffentlichungstermin des neuesten Druckerzeugnisses von Bettina W. schon ein gewisses “Geschmäckle”…

by Frank Bürkle on 10. September 2012 at 12:10. #

Mal ganz ehrlich? wer hätte denn für so eine Allerweltsfrau wie die Wulff für ne Nummer Geld hingelegt? nichtmal Pfand hätt ich da mitgebracht.

Man kann sich aber auch mit allem möglichen versuchen interessant zu machen!

by volkes Stimme on 10. September 2012 at 12:39. #

Hab da mal eine Frage an Mikis. Wenn an Prostitution nix Verwerfliches oder Anrüchiges ist, wie würdest Du reagieren, wenn Deine Töchter auf den Strich gehen würden? Ich würde kotzen, es würde mir das herzzerreißen. Dir wäre es egal bzw. Du wärest stolz?

Viele Grüße

Timmy

by Timmy on 10. September 2012 at 12:58. #

Nummer zwei in meinem Alberne-Argumente-Bingo!

by mikis on 10. September 2012 at 13:00. #

“Und wenn es eine Ehe zwischen einer Hure und einem Spitzenpolitiker gibt, dann würde ich jederzeit darauf wetten, dass die Hure im ehrlicheren Gewerbe beheimatet ist.”
HERRLICH!

by EM-Kugel on 10. September 2012 at 13:08. #

[...] Von Michalis Pantelouris [...]

by Endlich reden wir mal über Sex: Fickt euch! — Antifa Netzwerk on 10. September 2012 at 13:30. #

tja, das sind halt die berühmt/berüchtigten und im besonderen gerade auch von den Mainstream-manipulations-medien so gerne aus den von Zwietracht und Gehässigkeit faulig stinkendem Mitte-rechts-bürgertum-mündern übernommenen (und teils bis zum erbrechen) zitierten

CHRISTLICH/JÜDISCHEN WERTE!!!!

by knallbonbon on 10. September 2012 at 13:30. #

Du vermengst gerade eine Glaubensfrage mit Strafrecht und versuchst den Gedanken, der dahintersteckt mit Platitüden zu widerlegen. Klappt aber so nicht, erst einmal muss klar werden, was Sinn und Zweck der (kirchl.) Ehe ist und weshalb eine Erweiterung aus dieser Sicht nicht möglich sein soll. Ergo: fundierte Analyse des Status quo, dann gerne Gegenargumente. Bin da völlig ergebnisoffen.

Weil #mimimi, Diskriminierung und Recht auf Liebe grundsätzlich keine Argumente sind. Diskriminierungen können z.B. Gerechtfertigt sein und das Recht auf Liebe wird die Untersagung einer Zeremonie nicht verwehrt.

by Vasilios Chatziioannis on 10. September 2012 at 13:55. #

Kirchliche Ehe und Zivilehe sind zwei unterschiedl. Dinge, die nicht miteinander vermengt werden sollten. Was Religiöse in ihren Religionsvereinen tun, ist deren Sache. Wer sich an diese Vereinsvorschriften nicht gebunden fühlt, sollte auf dem Standesamt heiraten dürfen, wen er will, denn Staat und Religion sollten getrennt sein, religiöse Argumente haben in staatlichen Regelungen keine Platz. Aber diese Trennung von Kirche und Staat zu verhindern, ist ja eines der zugrundeliegenden Ziele der Gegner der Homosexuellen-Ehe.

by Lars on 10. September 2012 at 14:53. #

@Timmy

Die Frage war zwar nicht an mich gerichtet…aber:

wie würdest Du reagieren, wenn deine Töchter einen ‘Neger’ heiraten?
Wie, wenn sie unverheiratet Mutter werden?
Wie, wenn sie vom Vater schwanger werden?
Das waren – noch vor gar nicht allzu vielen Jahren, echte Probleme, für die die Tochter auch gerne mal zur Unperson erklärt wurde.

Was ich damit sagen will: Moral ist zeit- und personenabhängig. Für dich mag eine sich prostituierende Tochter schlimm sein. Für mich wäre es eine, die Tierversuche für Kosmetika unternimmt. Was sagt das über die gesellschaftliche Bedeutung? Nix.

Du möchtest, denke ich, auf eine ‘umgekehrte Bigotterie’ hinweisen: dass Menschen Prostitution als ‘nicht so schlimm’ hinstellen, sie aber nicht um sich haben wollen. Aber selbst wenn es so wäre, so wäre dies doch nur eine Wirkung der Erziehung, der wir unterworfen waren und in der Prostitution ‘böse’ war (das wirft man nicht so leicht über Bord).
Wenn jemand ein Problem mit seinen/ ihren Töchtern hätte, aber dennoch Prostitution befürwortet (zumindest nicht ächtet), dann wäre das höchstens ein Beispiel für echte Toleranz. Die macht sich nämlich nicht bei den Dingen bemerkbar, die wir ohnehin toll finden…

by Earonn on 10. September 2012 at 16:04. #

@KT & Dr. No:
Ääääh “ups” naja alles eine Sauce ;D
Janee dann hab ich diesbezüglich nichts gesagt, dann ist die Tina bestimmt ne ganz Tolle (vermutlich gingen dann alle anderen Zuschreibungen/Fehlleistungen, die ich so im Kopf hatte auch aufs Konto von Frau Guttenberg).

by Deus Figendi on 10. September 2012 at 16:46. #

Ja, im Jahr 2012 in Deutschland ist es immer noch ehrabschneidend, als Prostituierte bezeichnet zu werden. Wobei Stefan Niggemeier in seinem Blog von einem Gerücht spricht, bei dem Frau Wulff Model im Rotlichtmilieu gewesen sein soll, was nochmal etwas anderes ist. So oder so darf man sich aber nichts vormachen. Auch wenn die Hälfte aller Männer schon mal für Sex Geld gezahlt hat. Die Heuchelei erstaunt doch vermutlich keinen. Es ist ja nett, wenn viele hier in den Kommentaren das Problem nicht sehen, weil an einer Rotlichtmilieukarriere nichts Schlimmes wäre. Aber wir als Gesellschaft sind (noch) nicht so weit, dass das normal und auch nur ansatzweise gesellschaftlich akzeptiert wäre.

by Thomas F. on 10. September 2012 at 18:06. #

wenn wir schon christen sind, dann lasst uns das management von betti preisen: die mussten nur dieses gerücht streuen und schon redet die republik tagelang über dieses bescheuerte buch (mich eingeschlossen). 1) kaum geld für werbung ausgegeben, 2) trotzdem ein paar hunderttausend bücher extra verkauft.
Das nenn ich strategie. und betti hat auch was davon.

Und unser Gutmensch hier oben kann mal richtig vom leder lassen. Du hast nur den regenwald und afrika vergessen.

by Andreas D. on 11. September 2012 at 13:32. #

” Bettina Wulff ist eine derart beeindruckende Frau (wenn ich an ihr Lächeln während seiner Rücktrittsrede denke, salutiere ich ihr in Gedanken)…”

Bettina Wulff geht nun erst einmal mit ihren privaten Problemen hausieren (Eheprobleme, Brigitte). Sie fühlte sich vernachlässigt von ihrem Mann während der Krise. Sie fand es laut eigener Biographie auch ganz schlimm, die First Lady zu spielen – ohne dafür Geld zu bekommen (über das Gehalt, über den Ehrensold ihres Mannes hat sie sich nicht beschwert).

Kurz vor der Amtsaufgabe kreisten ihre Gedanken vor allem darum, welches Kleid sie zur Pressekonferenz tragen sollte. Ihre Gedanken kreisetn danach besonders darum, nach außen hin zu dokumentieren, dass sie auf räumliche Distanz zum eigenen Mann stehe.

Ihren Flirt mit der Bild-Zeitung die Jahre zuvor, all die vielen Homestorys hat sie damit erklärt, dass man das nun einmal so machen müsse.

Meine Meinung: die Dame salutiert sich selber schon zur Genüge.

by theo on 11. September 2012 at 14:39. #

Cooler Text. Hat nur einen Fehler: in der Jungen Union sind zwar nicht viele Mädels, aber im Durchschnitt die deutlich schärferen als bei Jusos und den anderen ;-)

by Bernie on 12. September 2012 at 10:27. #

Wow, was für ein Beitrag! Michalis, Du hast Dich selbst übertroffen. Wenn jetzt Miss Wulff noch aufhören könnte, ihre Eheprobleme und Verletztheiten in mehreren Illustrierten gleichzeitig auszubreiten und via Buch zu Geld zu machen zu wollen…

by royse on 12. September 2012 at 17:47. #

Wunderbare, geschickte Wortgewalt! Das musste mal gesagt werden. Ich fühle mich erleichtert nach diesem Artikel. Vielleicht sollte ich ihn ausdrucken und in den Flur hängen. Um mich ab und zu daran zu erinnern, für was man noch mal Worte verwendet.

by Hanna on 14. September 2012 at 18:51. #

[...] Endlich reden wir mal über Sex: fickt euch! (Hervorhebung von mir) …weil ich ein noch viel grundlegenderes Problem mit dieser Geschichte habe. Und zwar dieses: Leben wir wirklich immer noch in Zeiten, in denen wir Hexenjagden veranstalten auf Frauen, weil sie (in diesem Fall: angeblich) einmal Prostituierte waren? Verstehe ich das richtig, dass ein deutscher Ministerpräsident sich nicht in eine/n Prostituierte/n verlieben und sie/ihn heiraten darf? [...]

by Spotlight (85) | Das rote Blog on 15. September 2012 at 19:47. #

[...] Endlich reden wir mal über Sex: fickt euch! Michael Pantelouris nimmt das Möchtegernskandälchen um Bettina Wulff zum Anlass, mit einer heuchlerischen Sexualmoral in Teilen der deutschen Politik abzurechnen: “Wenn es eine Vergangenheit gibt, die einen Menschen als Bundespräsidenten (oder dessen bessere Hälfte) disqualifiziert, dann aus meiner Sicht jeder Posten in der niedersächsischen CDU zehnmal eher als Sex in unzähligen Positionen in einem Hannoveraner Puff.“ [...]

by [wöchentlich] 37.2012 « Sharks, Pencils and Ben Affleck on 16. September 2012 at 11:25. #

[...] Endlich reden wir mal über Sex: fickt euch! « Michalis Pantelouris – [...]

by Links vom 13.09.2012 bis 18.09.2012 | endorphenium Links vom 13.09.2012 bis 18.09.2012 | photography & other stuff on 18. September 2012 at 22:22. #

Sorry, hat ein bisschen gedauert, war kurz kacken. Trotzdem eine kurze Replik auf Michalis Antwort. Du schreibst meine Frage sei Alberne-Argumente-Bingo. Sorry, aber damit hast du dich sowas von verbal disqualifiziert. Wenn du hier groß rumlabberst und einen auf Prostitution ist voll cool und normal machst, aber auf eine einfache, ernst gemeinte frage keine halbwegs intelligente Antwort hast, bist du für mich der franz Josef Wagner des blogosphäre. Viel heiße Luft nichts dahinter. Schade eigentlich hiel ich dich bislang für klug, gewitzt und reflektiert. Nun wirkst du eher tumb auf mich. Aber vielleicht haste ja auch nur einen schlechten. Tag gehabt. Gruß Tommy.

by Timmy on 21. September 2012 at 22:53. #

@earonn. Geld für Sex hat für mich immer etwas erbärmliches. Wobei das beide Seiten betrifft. Nenn mich altmodisch, verklemmt oder sonst was. Ist mir egal. Ps. Hab während meiner Schulzeit mal als helferlein aufm Kiez gearbeitet. Alle Huren, die ich damals kennengelernt hab, waren nicht gerade gerne in ihrem Beruf- um es mal milde auszudrücken. Mag aber auch nur ein subjektiver Eindruck gewesen sein.

by Timmy on 21. September 2012 at 22:59. #

Leave your comment

Required.

Required. Not published.

If you have one.



%d Bloggern gefällt das: