Endlich reden wir mal über Sex: fickt euch!

Es ist eine Liste von Ekligkeiten: CDU-Partei … ähem, „freunde“ von Christian Wulff setzen das Gerücht in die Welt, seine neue Frau hätte eine „Rotlichtvergangenheit“, und bei passender Gelegenheit drucksen deutsche Medien so lange um die Tatsache herum, dass es vollkommen indizienfreie Gerüchte gibt, bis irgendwann zumindest alle mal darüber schreiben können, dass wieder andere möglicherweise irgendetwas hätten, dass sie berichten könnten. Diese Geschichte ist letztlich in die Öffentlichkeit gelangt, weil Günther Jauch in seiner Sendung den BILD-Vize damit konfrontierte, dass die Berliner Zeitung schrieb, die BILD hätte möglicherweise irgendwelche Informationen? Der Schwager einer Freundin der Arbeitskollegin des Bekannten von Dingenskirchen sicher auch, aber den fragt ja keiner.

In meiner persönlichen Liste der Ekelpriorität stehen die Parteifreunde noch ein bisschen höher – also in der realen Welt niedriger, Prioritäten sind ja nur eine Ableitung der Wirklichkeit –, aber ich schaffe es kaum, mich über diese niedersächsischen Provinzpusteln aufzuregen, weil ich ein noch viel grundlegenderes Problem mit dieser Geschichte habe. Und zwar dieses: Leben wir wirklich immer noch in Zeiten, in denen wir Hexenjagden veranstalten auf Frauen, weil sie (in diesem Fall: angeblich) einmal Prostituierte waren? Verstehe ich das richtig, dass ein deutscher Ministerpräsident sich nicht in eine/n Prostituierte/n verlieben und sie/ihn heiraten darf?

Ich habe hier ein ernstes Problem, und ich rege mich seit Tagen mehr und mehr darüber auf, mit welcher Scheinheiligkeit wir pausenlos Menschen sowohl nach ihrem Sexualleben als auch nach ihrer Sexualität bewerten und dabei im- und explizit mit Werten und Begriffen um uns werfen, die in der Debatte nichts verloren haben. Ich will das gerne begründen.

Um eins vorweg zu nehmen: Ich werde im Folgenden beschreiben, dass ich die Vorwürfe gegen Bettina Wulff schon deshalb für eklig halte, weil sie implizieren, eine „Rotlichtvergangenheit“ würde sie als First Lady disqualifizieren. Dabei ist mir vollkommen bewusst, dass Bettina Wulff keine solche Vergangenheit hat und die ganze Diskussion nur auf niederträchtigen Gerüchten basiert. Ich möchte nicht implizieren, ich hielte es für möglich, dass sie eine solche Vergangenheit hat. Ich bin völlig davon überzeugt, dass sie sie nicht hat. Mein Punkt ist, dass ich glaube, es könnte durchaus eine First Lady geben, die ähnlich gut geeignet für diese Funktion ist wie Bettina Wulff (vor deren Haltung in der Krise rund um den Rücktritt ihres Mannes ich einen unendlichen Respekt habe) und die eine Vergangenheit als Wasauchimmer hat.

Aber zum Punkt: Es gibt offenbar kein valides Datenmaterial zur Prostitution in Deutschland, erst recht nicht zu den Freiern. Die Daten bei Umfragen variieren derart, dass sie völlig sinnlos sind. Aber ich wohne wenige Minuten von der Reeperbahn entfernt. Ich persönlich halte die Umfragen, die sagen, etwa die Hälfte aller Männer in Deutschland hat schon für Sex bezahlt für nicht weit hergeholt. Rein von den Zahlen her muss man sagen, Prostitution ist in dieser unserer Gesellschaft fest verankert. Ich weiß, dass Sexarbeit mit besonderen vor allem psychischen Belastungen einhergeht, ich meine es absolut nicht respektlos wenn ich sage: Es ist ein ganz normales Gewerbe. Aber das ist es. Prostituierte zahlen Steuern und erfüllen offensichtlich eine gesellschaftliche Funktion. Und wenn es eine Ehe zwischen einer Hure und einem Spitzenpolitiker gibt, dann würde ich jederzeit darauf wetten, dass die Hure im ehrlicheren Gewerbe beheimatet ist. Wenn es eine Vergangenheit gibt, die einen Menschen als Bundespräsidenten (oder dessen bessere Hälfte) disqualifiziert, dann aus meiner Sicht jeder Posten in der niedersächsischen CDU zehnmal eher als Sex in unzähligen Positionen in einem Hannoveraner Puff.

Noch einmal: Bettina Wulff hat keine Rotlichtvergangenheit. Sie ist nur sexier als es in der niedersächsischen CDU ertragen wird. Wahrscheinlich ist da was dran, dass wenn man geil aussieht oder keine Probleme damit hat, hübsche Frauen abzuschleppen, man gar nicht erst in die Gefahr gerät in die Junge Union einzutreten. Aber Gerüchte über eine junge Frau verbreiten, um ihrem Mann zu schaden? Buäh, seid Ihr eklig!

Jedenfalls: Der falsche Anwurf, der da kam um dem damaligen Ministerpräsidenten Wulff zu schaden hatte die Stoßrichtung, seine Urteilsfähigkeit in Zweifel zu ziehen. Wer sich in eine Nutte verliebt, das soll man wohl denken, der hat sich auch sonst nicht unter Kontrolle (und ist möglicherweise sogar erpressbar). Anders kann ich die mutwillig platzierten Gerüchte nicht verstehen. Was zu Ende gedacht bedeutet: Eine Nutte kann keine Frau sein, in die ein ernsthafter Mann sich verlieben kann. Schließlich ist sie eine Nutte. Und der Mann kann deshalb nur auf sie hereingefallen sein, wahrscheinlich deshalb, weil in ihrer Gegenwart zu viel von seinem Blut nicht in seinem Gehirn ist. Der Sex hat in willenlos gemacht.

Als ernsthafte Ehefrauen für Spitzenpolitiker kommen also nur solche infrage, die zumindest aus Sicht ihrer eigenen Männer nicht so geil sind. Da ist dann die Junge Union natürlich wieder weit im Vorteil.

Nur halb unabhängig davon führen wir gerade wieder eine Debatte darüber, was eigentlich eine Ehe ist, warum sie heilig und unter der besonderen Schutz des Grundgesetzes ist und warum sie nur zwischen Mann und Frau möglich sein soll. Und hier erreicht mein persönlicher Ärger seinen Höhepunkt.

Als heterosexueller, verheirateter Christ mit zwei Kindern möchte ich bitte einmal explizit darauf hinweisen, dass ich die quasi synonyme Nutzung der Begriffe „Ehe“ und „Familie“ für offensichtlich überholt und deshalb unredlich halte. Ich kann auch nicht den Hauch eines Hinweises erkennen, warum nicht zwei Männer, zwei Frauen, jede Kombination von und mit Transsexuellen oder eben ein Mann und eine Frau egal welcher sexueller Ausrichtung heiraten können sollen. Als Bürger glaube ich, die Ehe ist die freiwillige Übernahme von Verantwortung für einen Partner. Als Christ glaube ich, die Ehe ist das Sakrament der Uneigennützigkeit, der Liebe, der Hingabe. Ich glaube, die Geschichte hat gezeigt, dass Familien auf tausende Arten entstehen, und weder die Ehe noch die Tatsache, wer nun gerade am Zeugungsakt eines bestimmten Menschen beteiligt war haben nachhaltig viel Einfluss darauf, ob und wie eine Familie funktioniert. Sie ist mehr als das. Jesus Christus hatte zwei Väter, und er ist meiner Meinung nach ein guter Typ geworden.

Das alles gehört nur bedingt zusammen, aber eben doch auf eine Art. Ich beobachte, dass wir in ein Denken zurückfallen, das so lange überholt ist, dass es schon wieder frisch wirken könnte. Ist es aber nicht: Bettina Wulff ist eine derart beeindruckende Frau (wenn ich an ihr Lächeln während seiner Rücktrittsrede denke, salutiere ich ihr in Gedanken), dass es schon total egal sein müsste, was auch immer sie mit 18 oder 28 gemacht hat – wenn sie hätte, was sie nicht hat. Und wenn wir es verwerflich finden, dass Frauen und Männer anderen sexuelle Dienstleistungen verkaufen, dann sollen wir bitte alle damit aufhören, solche in Anspruch zu nehmen, und nicht diejenigen verurteilen, die offensichtlich vorhandene Bedürfnisse befriedigen.

Wir glauben an die Liebe, sogar an die besondere, die eine, die zur Ehe wird. Meine erste Bitte wäre, dass selbst CDU-Mitglieder auch dann daran glauben, wenn eine Frau daran beteiligt ist, die geil ist. Ich versuche ja, mich in diese Welt hineinzudenken. Und klar der Christian war einer von euch Politik-Nerds, und er hat entgegen aller Regeln und Wahrscheinlichkeiten eine Bombe abgekriegt. Da kann man schonmal misstrauisch werden. Aber deshalb gleich Gerüchte streuen? Ich würde sagen: Behaltet das in Zukunft für euch, Ihr verklemmten Wichser.

Wir haben eine Übereinkunft: Das Sexualleben eines Menschen geht niemanden etwas an, so lange erwachsene Menschen freiwillig miteinander umgehen. „Das geht niemanden etwas an“ bedeutet nicht, dass wir nicht darüber reden können. Wahrscheinlich reden wir viel zu selten darüber, so selten, dass Bundespräsidenten schon von Haus aus wirken müssen, als würden sie sich nicht gerne das Gehirn rausvögeln lassen. Und wenn wir nicht jungen Heteropaaren vorschreiben wollen, dass sie zumindest einen Kinderwunsch haben müssen, um heiraten zu können, hat sich das Argument der „Keimzelle der Familie“ zur Ablehnung der Homo-Ehe aus meiner Sicht erledigt. Es ist einfach nicht mehr wahr: Familien entstehen dauernd und überall. Es werden Kinder nach besoffenen One-Night-Stands geboren, ohne dass wir diese Form des Sexualkontakts deshalb als Keimzelle von irgendwas unter einen besonderen Schutz des Grundgesetzes stellen müssten oder wollten.

Ehe und Familie sind nicht das gleiche, wie es die Rechtsprechung in Deutschland immer noch impliziert und wie es konservative Politiker explizit behaupten. Ich finde meine Töchter ganz toll und möchte nicht ohne sie sein, aber sie sind nicht der Grund, warum ich meine Frau geheiratet habe. Der Grund, warum ich meine Frau geheiratet habe, ist meine Frau. Und ich kann nicht erkennen, warum eine lesbische Frau nicht denselben Grund haben sollte, ihre Frau zu heiraten. Ich bin nicht besser als sie. Und jedem, der gegen die Homo-Ehe mit „der Familie“ argumentiert möchte ich sagen: nicht mit meiner. Wir fühlen uns kein bisschen schlechter geschützt nur deshalb, weil anderer Leute Liebe vor dem Gesetz genau so viel Wert ist wie unsere.

82 Antworten auf „Endlich reden wir mal über Sex: fickt euch!“

  1. Ja, das habe ich damals auch gedacht: Und wenn sie Hure gewesen wäre (was ich auch nie geglaubt habe) – so what?

  2. Endlich einmal jemand, der bei dieser Geschichte den Nagel auf den Kopf trifft.
    Worüber wird sich in dieser Affäre eigentlich „das Maul zerrissen?“ Lächerlich!
    Prostituierte entehren in der Ehe den Mann?
    Was wäre, wenn auch Ehefrauen entehrt wären, deren Männer ins Bordell gehen?
    Dann gäbe es nur noch wenige ehrbare Frauen…
    Scheinheiliger geht nicht mehr:
    Prostituierte gehören nicht zur ehrbaren Gesellschaft, aber Freier dürfen überallhin ( auch in den Bundestag…)

  3. Eine Stimme der Vernunft? Ich muss das gleich nochmal lesen nur um sicher zu gehen. Und dann linke ich das zu meinem schwulen Teamleiter und unserer lesbischen Entwicklerin. Beide mittlerweile in einer Ehe… ähm eingetragener Partnerschaft.

    Würde es mehr Leute wie dich in der katholischen Kirche geben, hätte ich definitiv bessere Erfahrungen mit ihr gemacht und würde sie heute nicht zutiefst verachten.

  4. Was mich anekelt ist der Fakt, dass die Sache in dem Moment hochgekocht wird, in dem das Buch eben dieses Opfers erscheint. Wulff ist ja nun schon lange kein Ministerpräsident mehr, die Sache liegt also schon ewig zurück. Aber jetzt muss die Ehre der Bettina gerettet werden? Vermutlich, weil nur Bücher von ehrbaren Frauen verkäuflich sind.

  5. Danke!

    @Michael
    Hast Du mal darüber nachgedacht, dass die Frau es vielleicht gerade im Zusammentreffen mit dem Bucherscheinen tut, nicht weil sie etwa für das Buch maximale Aufmerksamkeit erhält sondern wegen dem Buch gerade maximale Aufmerksamkeit erhält? Und damit die beste Plattform, dass zumindest die Journaille, die richtig Scheiße gebaut haben mit Veröffentlichung der Gerüchte – ohne diese überhaupt Ansatzweise zu recherchieren – im Rahmen ihres Vergehens nun vorgeführt wird?

    Es ist ja nicht nur Frau Wulff persönlich sehr geschädigt worden. Der deutsche Journalismus hat sich ja auch in einer Art und Weise selbst beschmutzt, dass man würgen möchte.

    Diese Frau wurde auf widerliche und schmutzige Art und Weise diffamiert und konnte sich damals in ihrer Position überhaupt nicht wehren! Ich ziehe den Hut vor ihr, wie sie das nun tut. Ja, sie tut es clever und zum für sie völlig korrekten Zeitpunkt. Dazu hat sie alles Recht der Welt nachdem so mit ihr umgegangen wurde.

  6. ich weiß nicht, was an einer Rotlichvergangenheit verwerflich ist. Die Frauen zahlen ihre Steuern und werden von der Gesellschaft verurteilt. Sie fallen dem Staat nicht auf die Kasse, sorgen dafür, dass es weniger Vergewaltigungen gibt. Hätte Bettina diese Vergangenheit, dann könnte sie stolz darauf sein. Und Christen sind keine besseren Menschen, eher im Gegenteil!

  7. Ach Gottchen. Ich denke, sie tut es für Geld. Sie kocht diesen Quark jetzt hoch, um ihre Buchverkäufe anzukurbeln. Nicht aus moralischer Entrüstung. Diese Sache ist doch offensichtlich auch ganz abgestanden. Ich hatte davon als mindestens durchschnittlich informierte Bürgerin noch nix gehört von diesen „Gerüchten“ – also bis jetzt. Die gute Frau ist PR-Tussi und kennt mit Sicherheit den Streisand-Effekt, den sie fein für sich einsetzt. Zur Ehrenrettung? Ich wage es zu bezweifeln. Warum konnte sie sich als First Lady nicht wehren? Und warum sollte es keine Prostituierte in der Politik geben? Ich empfinde diesen Beitrag als eher überflüssig, aber er hilft Frau Wulff beim Marketing. Von mir aus.

  8. … und Herr Wulff hat nicht die Eier so was ähnliches wie Sie da gerade schreiben, zu seinen Parteifreunden zu sagen?

  9. PRO BETTINA WULFF
    die präsidenten-sache „wulff“ ist erledigt,
    wobei man aber eine völlig überzogene
    Medien-Hetzjagd veranstaltet mitCDUfreunde,einbegriffen
    Nun der zweite Akt,Hetze/schikane auf Bettina Wulff,!
    Völlig durchgeknallt,die ironische-sticheleien
    einiger Webblogs-über Bettina Wulff.
    Ps;Warum leben die Wulff‘ nicht irgendwo in Europa
    und geniessen das Leben?-danke-
    Beruhigend/und gut das es anderen auch auffällt,
    diese Schikane u.Niedertracht der „FREUNDE“-m.f.g.

  10. Ich habe auch erst gestern von den Gerüchten erfahren und mir ist es völlig schnuppe was Frau Wulff früher getan hat – tendenziell fänd ich es sogar spannender, hätte sie eine Vergangenheit im Rotlichtmillieu. Aber sie selbst möchte damit ja nicht in Verbindung gebracht werden, sonst würde sie ja nicht dagegen vorgehen. Oder doch? Sex sells ja schließlich. Oder klagt sie nur aus Prinzip? Oder vielleicht doch, weil sie einfach nur ihr Buch verkaufen will, das zufällig erscheint kurz nachdem sie medienwirksam gegen Google und Jauch vorgeht, damit noch der letzte Hinterwäldler von diesen Gerüchten erfährt, über die längst niemand mehr gesprochen hat? Dass sie die Aufmerksamkeit eines Buches nutzt, das noch gar nicht erschienen ist, macht für mich jedenfalls keinen Sinn.

    Aber gut, ich hielt Frau Wulff auch nie für beeindruckend und wüsste auch nicht, was sie Tolles gemacht hätte außer schweigend neben ihrem Mann zu stehen. Und im Gegensatz zum Autor empfand ich vor allem ihr süffisantes Lächeln bei der Rücktrittsrede ziemlich daneben. Naja, hier scheiden sich wohl die Geister …

  11. Mein persönlicher Eindruck ist, dass Sex als Angriffsmethode bisher eine Tradition der USA und Großbitanniens gewesen sind. In Frankreich und Deutschland waren es bisher eher finanzielle Angriffpunkte, um Rücktritte zu erzwingen oder Karrieren zu beenden.

    Voraussetzt die Damen und Herren der CDU sind mit Absicht und wohlüberlegt derartig vorgegangen kann man annehmen, dass das mit der Wohlstandsentwicklung in unserem Land zusammen hängt.

    In Ländern, in denen es mit dem Wohlstand immer weiter Bergab geht und gleichzeitig die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht könnten finanzielle Angriffe leicht nach hinten losgehen.

    Das könnte nämlich die Diskussion um die Verteilung des Geldes auslösen. Sexuelle Angriffe führen aber nur zu Diskussionen um Schmuddelthemen. Daher ist die sexuelle Angriffsmethode für (korrupte) Politiker viel ungefährlicher.

  12. Wäre dieser Blogeintrag ein Film, würde er mit leiser Musik untermalt. Am Ende wären alle still, einer würde anfangen zu klatschen und dann ginge alles unter in Applaus.
    Großartiger Artikel!

  13. Ein sehr schöner Artikel, wenngleich ich Frau Wulff nicht als Engelsgestalt sehe. Sie wird schon wissen, warum sie genau jetzt diese Sache öffentlich durchzieht, was – um das mal klarzustellen – ihr gutes Recht ist, was aber wiederum durchaus mit Stirnrunzeln bedacht werden kann.

    Ich habe Frau Wulff über die Jahre hinweg als Menschen gesehen, den es an die Glamour-Front gedrängt hat. Und ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass sie mit Dienstende ihres Mannes dauerhaft den Promi-Status zur Seite legen würde.

    Die Gerüchte-Köche sind fiese Typen. Aber: gerade in der Union ist, wenn es um die angeblich christlichen Werte geht, eine solche Heimtücke nicht selten. Das mag im Fall Wulff auch dadurch genährt worden sein, weil Wulff selbst nie irgendwen geschont hat, um sich einen Vorteil zu verschaffen.

    Kurzum: Ja, sie hat das Recht, sich zu wehren. Nein, ich hatte bei ihrem Lächeln nicht den Eindruck, salutieren zu müssen.

  14. Toller Text, vielen Dank!
    Du hast beide Punkte toll herausgestellt – wie armselig es um unsere vermeintlich aufgeklärte Gesellschaft bestellt ist, wenn man mit „die war mal ’ne Hure“ noch am Ruf von Frauen kratzen kann. Und auch, wie wenig ‚Ehe‘ und ‚Familie‘ miteinander einhergehen müssen – wiewohl sie es natürlich können.
    (Auch als Nicht-Christin teile ich deine Ansicht, dass Jesus trotz seiner Patchworkfamilien-Vergangenheit eine recht dufte Type geworden ist. ^^ ).

    Schade, hätte Bettina Wulff sich doch gegen diesen versuchten Rufmord nicht nur gewehrt, sondern auch gleich auf seine Bigotterie hingewiesen…

  15. Oh gleich drei Themen auf einmal, #Kinderüberraschung

    1. Prostitution und deren Bedeutung: Da stimme ich Michalis vollkommen zu, als diese Gerüchte aufkamen war auch mein Gedanke “äääh und?” Ich habe keine Ahnung was Huren zu schlechteren Politiker-Partnern macht als Dachdecker.
    2. Christina Wulff: Michalis hält sie ziemlich hoch, hält sie für außerordentlich qualifiziert etc. das alles finde ich überhaupt nicht. Die Frau hat – insbesondere während der Präsidentschaft ihres Mannes – zu genüge Mist gebaut (so viel zum Thema “Hexenjagt” Herr Pantelouris, nichts anderes hat sie mit vermeintlich Pädophilen auf RTL2 getan).
    3. Ehe vs. Familie: Muss man darüber 2012 noch diskutieren? XD Ja, ja und ja, vollkommene Zustimmung.

    Und dann war da theoretisch noch ein viertes Thema, nämlich das der Schlammschlacht mittels Gerüchten… eeeh naja, funktioniert hat es ja nicht oder? Aber ja, ich denke nur dass das gar kein Unions-Ding ist (vielleicht aber eines der Konservativen). “Neid” bringt Menschen leider dazu das was sie beneiden schlecht zu reden… auch für sich selbst. Einzig ist “war Prostituierte” irgendwie nicht diskreditierend, also in diesem Sinne nutzlos.

  16. Ein kleiner Einspruch: Gerade in Hannover sind die Verflechtungen zwischen Politik und Organisiertem Verbrechen in Sachen Rotlicht immer wieder thematisiert worden. Ich verkehre weder in Hannover, noch nicht in solchen Party-Kreisen, deshalb bin ich auf Berichte wie den in der FAZ angewiesen:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/netzwerke-in-hannover-ein-nachmittag-im-steintorviertel-1576317.html

    Natürlich wäre eine Verknüpfung zwischen dem Ministerpräsidenten und einer Ex-Angestellten dieser Kreise mehr als nur ein rein moralisches Problem.

    Der in der FAZ thematisierte Begriff der „Maschmeyer-Mafia“ zeigt IMHO, dass es eben nicht um Frau Wulff geht.

  17. Und selbst wenn Merkel sich täglich von siebzehn strammen Matrosen durchnudeln lassen würde hat das niemanden zu interessieren. Albern das Ganze. Die Frau Wulff (weiß nicht einmal wie die aussieht) ist ein Niemand und interessiert mich daher auch rein gar nicht. Die ist doch noch belangloser als die CDU und das ist schon eine Kunst.

  18. @ Deus Figendi
    … sind zwar beide geile Bräute in der falschen Partei, aber die mit Tatort Internet auf RTL2, das war die Stefanie!

  19. Die Dame ist Reklamespezialistin (siehe oben: „PR-Tussi“) und weiß genau, was sie tut, für „ihr“ (*) Buch und den Verlag. Und alle fallen drauf rein und mokieren sich. Sogar FÜR sie, siehe oben.
    So war’s gewollt: viel Presserummel und das Buch verkauft sich anschließend wie geschnittenes Brot (…wobei mir nicht ganz klar ist, welche Deppen denn „geschnittenes“ Brot kaufen)
    (*) Dass da auf dem Buchumschlag noch ein zweiter Name steht heißt in solchen Fällen: Dieser zweite Name hat’s geschrieben und der erste Name hat nur den (noch) prominenten Namen dazu gegeben.

  20. D’accord! – Zwei Anmerkungen:

    Erstens:
    Wenn Prostitution anrüchig sein soll, warum wir der schlechte Ruf dann nur den (zumeist) Frauen zuteil? Sollten nicht eher die Kunden geächtet werden, die durch ihre Nachfrage der Prostitution diese nicht nur ermöglichen, sondern oft gleichzeitig ihre jeweiligen Partner(innen) betrügen? Ganz zu schweigen von den Zuhältern, die am meisten vom Geschäft profitieren und es mit Zwang, Verschleppung, Erpressung, Drogen befördern? Doch halt: Das freie Unternehmertum ist ein hohes Gut, und zu leicht tun sich Parallelen zu besser beleumundeten Branchen auf. Dann doch lieber über Huren die Nase rümpfen…

    Zweitens:
    So sympathisch mir der Widerstand von Frau Wulff gegen Verleumdungen ist, so unangenehm stößt mir der offenkundige Geschäftssinn auf: Der zeitliche Abstand zum Aufkommen der Gerüchte, die zeitliche Nähe zur Veröffentlichung eines eigenen Buches (das sicher der Promotion bedarf, denn wer sollte sich für die spärlichen Erlebnisse einer jungen Ex-Präsidenten-Gattin interessieren?) und die effekthascherisch an die Öffentlichkeit getragenen Klagen gegen Jauch und Google. Die dortigen Suchvorschläge werden ja nicht vom Anbieter vorgegeben, sondern repräsentieren die häufigsten Nutzeranfragen und sind letztlich auch darauf zurückzuführen, dass Frau Wulff diese Gerüchte so lange hat gären lassen. – In schlechtester Erinnerung ist auch ihr anbiederndes Mitwirken am RTL2-Fernsehpranger. Kein Mitleid mit Pädophilen, aber für sie sind Justiz und Psychiatrie zuständig. Wer hier sein eigenes Süppchen kocht, wer fremde Menschen derart vorführt und bloßstellt, sollte nicht ganz so unreflektiert bleiben, wenn sie selber von anderen instrumentalisiert wird.

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