Wie weit sind wir gekommen, wenn BILD nichts mehr vom Pöbeln versteht?

Für manche zart besaitete Seele ist die Arbeit in Redaktionen in den Momenten schwierig, in denen zu entscheiden ist, wie viel Realität der Öffentlichkeit zumutbar ist. Fotos von Verbrechens- oder Unfallopfern zum Beispiel sind oft unzumutbar – aber der arme Redakteur muss sie sich natürlich ansehen, um zu entscheiden, ob sie zur Veröffentlichung taugen. Oder jetzt, wo offenbar griechische Zeitungen gegen UNSERE KANZLERIN PÖBELN, obwohl sie doch nur KLARTEXT GESPROCHEN HAT, als sie feststelltebehauptete, die Südeuropäer würden früher in Rente gehen und mehr Urlaub machen als wir. Selbst, wenn die BILD inzwischen festgestellt hätte, was alle anderen Medien längst vermelden – dass nämlich diese Behauptungen ganz einfach falsch sind, falsch im Sinne von: das Gegenteil ist richtig –, wäre das doch kein Grund zu pöbeln (an dieser Stelle sei als Hommage an den nachahmlichen Stil der BILD-Zeitung einmal ein Ausrufezeichen erlaubt:)!

Aber es ist, wie es ist, und die BILD als journalistisches Medium kann auch nicht einfach die Realität unterdrücken, wenn sie schon mal Kontakt zu ihr hat. Deshalb zitiert sie also DIE PÖBELEI unter der Überschrift „Nach Standpauke: Griechen pöbeln gegen Merkel“:

PRESSE PÖBELT
Die Zeitungen [sic!] protestiert gegen den Ton unserer Kanzlerin.
„Sie betreiben Populismus, Frau Merkel“, hieß es am Donnerstag in einem Kommentar der linksliberalen Athener Zeitung „Eleftherotypia“.
Auch die Athener Zeitung „Ta Nea“ kritisierte die Aussagen und veröffentlichte eine Tabelle, wonach die Griechen weniger Urlaub im Jahr bekommen als die Arbeitnehmer in Deutschland.

„Sie betreiben Populismus, Frau Merkel“! Wenn das kein Pöbeln ist! Und dann auch noch Tabellen veröffentlichen, die UNSERE KANZLERIN widerlegen! Und das nur, weil UNSERE KANZLERIN mit falschen, nur ganz sanft rassistisch gefärbten Stereotypen hantiert?

DIE ARSCHGEIGEN!

3 Antworten auf „Wie weit sind wir gekommen, wenn BILD nichts mehr vom Pöbeln versteht?“

  1. „Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.“

    – Max Goldt: Mein Nachbar und der Zynismus, in: Der Krapfen auf dem Sims, Alexander Fest Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-8286-0156-1, Seite 14

  2. „UNSERE KANZLERIN“ ist kein Bild-Orignalton. Dort heißt das „UNSEREN KANZLERIN“.
    Ich will der Bild jetzt aber keine grammatikalischen Fehler vorwerfen, sonst werde ich sicher des Pöbelns bezichtigt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.