Merkel, die Sau die (durchs Dorf getrieben wird)

Wie viel Prozent seines Gehirns muss man stilllegen, um auf die Idee zu kommen, Angela Merkel würde sich über den Tod eines Menschen freuen? Wir kennen unsere Kanzlerin ja nun alle nicht erst seit heute, und wenn sie in ihrer unnachahmlich verdrögten Art einen unglücklichen Satz raushaut wie „Ich freue mich, dass es gelungen ist, Osama bin Laden zu töten“, dann muss man schon jeden letzten Fitzel Menschenkenntnis vergessen, um das wörtlich zu nehmen. Ich bin ganz sicher kein Fan dieser Kanzlerin, aber um darauf anzuspringen, braucht man den schäbigsten Impuls eines Oppositionspolitikers. Aber die Kritik kam nicht nur von der Opposition.

Ihr Parteifreund Siegfried Kauder stellte in der Passauer Neuen Presse fest: „Ich hätte es so nicht formuliert. Das sind Rachegedanken, die man nicht hegen sollte.“ Und damit hat er weitestgehend recht, aber eben nicht ganz: Glaubt er wirklich, ausgerechnet seine doch eher unemotionale Parteichefin hätte das innere Feuer für Rachegedanken? Er wollte sicher sagen, das WÄREN Rachegedanken, wenn sie sie hegte. Oder? Nein! Er legt noch nach: „Das ist Mittelalter.“

Das ist Mittelalter? Habe ich das richtig verstanden: Der immerhin Vorsitzende des Rechtsausschusses des Bundestages glaubt, seine Regierungs- und Parteichefin hätte mittelalterliche Rechtsvorstellungen? Weil ihr ein doofer Satz rausgerutscht ist? Abgesehen davon: Ich musste feststellen, dass ich nicht ganz so ein guter Christ bin, wie ich mir das wünschen würde – ich habe mich nämlich ehrlich gesagt tatsächlich gefreut, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten. Ich sehe ein, dass das kein Gefühl ist, auf das man stolz sein sollte, vor allem nicht als überzeugter Gegner der Todesstrafe. Aber Mittelalter?

Ich finde, so kleinlich kann man nicht sein. Es muss doch mal einen Weg geben, zu sagen: Das war dämlich formuliert, aber wir alle kennen Merkel gut genug und wissen, dass es so nicht gemeint war. Sie hat sicher nicht vor, uns ins Mittelalter zu führen. Das kann niemand ernsthaft annehmen.

Außer natürlich stern.de.

19 Antworten auf „Merkel, die Sau die (durchs Dorf getrieben wird)“

  1. Ich glaube sie überschätzen die Kanzlerin. Allerdings ist es ebenso vermessen ihr Menschenrechtsfeindlichkeit vorzuwerfen. Sie verknüpft innerlich das Leben dieses Mannes mit der Gefahr terroristischer Anschläge und so freut sie sich natürlich über den Tod bin Ladens. Wie viele es tun.
    Es ist aber etwas anderes, diesen Tod zu feiern bzw. anderen für die Tötung zu gratulieren. Ihr Ausdruck („gelungene Aktion“) klingt wie eine Art Glückwunsch an die Amerikaner. Und das ist nicht nur ein einfacher Fehler, sondern ein übler Fauxpas.

    Wenn man es genau nimmt, war die Aktion als gezielte Tötung menschen- und völkerrechtswidrig oder aber als Festnahmeaktion gerechtfertigt, ist dann aber fehlgeschlagen, da das Zielobjekt starb.

    Beides ist kein Grund für Glückwünsche.

  2. Ich glaube auch, dass sie sich nicht freut. Allerdings bin ich schon enorm entsetzt, dass sie schon eine kurze Bewertung so verkackt.

  3. Ich glaube, sie ist von ihrer Veranlagung her gar nicht fähig, Freude zu empfinden. Da ihr dieses Gefühl fremd ist, hat sie das Wort Freude halt unbedacht benutzt.

  4. Ich finde die Kritik absolut berechtigt. Es geht in meinen Augen in diesem Fall bei ihr wie bei Obama – bei ihm noch stärker, weil in einer feierlichen Rede an die Nation geschehen, nicht auf einer PK nach mehrmaligem Nachfragen – darum, dass beide als akzeptierte Akteure die Botschaft aussenden, eine Tötung eines Menschen sei auch ohne Prozess in Ordnung, wenn er nur böse genug sei.
    Und die Botschaft, die sie aussenden, ist unabhängig davon, was sie vielleicht eigentlich irgendwo tief in ihrem Innersten fühlen. Das weiß keiner, dass spielt keine Rolle (allenfalls, wenn, wie Du es tust, die Rezeption der Aussagen durch diese vermutete Haltung verändert wird); eine Rolle spielen nur diskursive Handlungen, in diesem Fall die Aussagen.
    Obama und Merkel tragen hier beide dazu bei, den herrschenden Diskurs über das unveräußerliche Recht auf Leben und das Rechtsstaatsprinzip zumindest teilweise zu verschieben. Beide sind in einer Position, in der sie einen Diskurs prägen können. Mich macht das Schaudern. Umso mehr freut es mich, dass es sogar unionsintern Kritik gibt.

  5. ich halte es für falsch zu fordern, man dürfe Merkel nur so verstehen, wie sie es angeblich gemeint hat, und nicht so, wie sie es tatsächlich gesagt hat. Und was sie gesagt hat , war schließlich:

    Meine Damen und Herren, unseren amerikanischen Freunden ist heute Nacht mit der Tötung von Osama bin Laden ein wichtiger Schlag gegen den internationalen Terrorismus gelungen. Ich habe dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama meinen und unseren Respekt für diesen Erfolg und für diese gelungene Kommandoaktion mitgeteilt.

    Für mich ist erst einmal das wichtige Zeichen, dass es gelungen ist, den Tod dieses Mannes herbeizuführen.

    Ich bin heute erst einmal hier, um zu sagen: Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten.

    Jemand, der der deutschen Sprache mächtig ist, und das würde ich Frau Merkel nicht absprechen wollen, würde die Interpretation, so wie Steffen Seibert sie dargelegt hat, in andere Worte packen.

  6. @Carsten: Um dem doch noch einmal etwas hinzuzufügen: Es geht nicht um das, was sie angeblich gemeint hat, sondern um das, was sie klargestellt hat, dass sie es gemeint hat. Und darum geht es immer. „Sie hat aber gesagt …“ ist ein Argument für Kinder. Sprache ist ein starkes Symbol, aber es ist an sich noch kein Inhalt, sondern eine Beschreibung eines Inhaltes. Wenn ich weiß, was gemeint ist, dann kann ich mich zwar über die fehlerhafte Beschreibung aufregen, aber wie kleinmütig muss man dafür sein?

  7. So ist das halt, wenn Moral und Gefühl konträr laufen. Man empfindet eine gewisse Genugtuung und irgendwann setzt der Verstand ein und ruft einen moralisch zur Ordnung. So war es jedenfalls bei mir.
    All diejenigen, die gerade den Staub von ihrer Bibel gepustet haben, um der Kanzlerin Belehrungen in christlicher Moral und Ethik zu erteilen, sollten sich im stillen Kämmerlein mal kurz und ehrlich fragen, wie ihre Gefühle waren, als sie vom Tod bin Ladens hörten. Ich meine nicht nach 24 Stunden, sondern in den ersten Augenblicken, in denen die Nachricht noch keine Chance hatte, sich zu setzen und ein bisschen in Richtung Verstand zu sacken.
    Waren da wirklich nur tiefes Bedauern, dass er nicht vor Gericht gestellt werden kann, Zorn, dass die Amerikaner die Pakistaner nicht um Erlaubnis gefragt haben und Empörung, das die Navy Seals den Mann über den Haufen geschossen haben, anstatt ihm seine Rechte vorzulesen?
    Ich denke, jeder hat archaische Gefühle, die von Moral und Zivilisation oft nur mühsam im Zaum gehalten werden, aber nicht immer. Und selbst wenn der Verstand angeschaltet ist, genügen ein paar Sätze und die Gefühle wallen wieder auf. Ich schätze mal, der Kanzlerin ging es ähnlich. Nicht schön das, aber kein Grund, sie mit bin Laden auf eine Stufe zu stellen.
    Eine kleine Anmerkung noch: Darf ich eigentlich die Hitlerattentäter als moralische Vorbilder betrachten, weil sie ihn doch nicht vor Gericht stellen, sondern sozusagen in Privatjustiz ermorden wollten.

  8. Ich habe in meinem Blog meinen Einwand gegen die Aussagen von Frau Merkel geschrieben, bevor Herr Seibert mit seiner Interpretation um die Ecke kam. Ich glaube auch nicht, dass es eine Neuinterpretation gegeben hätte, wenn es keine Kritik an den Sätzen gegeben hätte.

    Und in der Sache ist durch die Darlegung Seiberts auch nichts besser geworden: Selbst wenn Merkel meint, es sei freuenswert, dass bin Laden getötet worden sei, weil nun von ihm keine Gefahr mehr ausginge, ist auch dieses Gutheißen der Tötung mit den Grundsätzen unseres Rechtsstaats unvereinbar.

    Das ist jetzt weder kleinmütig noch Kinderargumentation, was an dieser Stelle ja eh nur Rabulistik ist, sondern stinknormale Sachanalyse.

  9. Da bleibt aber trotzdem die Kernfrage: Glaubt tatsächlich jemand, Frau Merkel wolle die Grundlagen des Rechtsstaates abschaffen? Oder uns ins Mittelalter führen? Oder die Blutrache einführen?

    Wenn nicht, war das, was sie gesagt hat, nur unglücklich formuliert.

  10. Sorry, Jonas, der Kommentar ist im Spam gelandet und ich habe ihn jetzt erst entdeckt.

    zur Sache: Für einen Fall wie diesen gibt es in jedem Rechtsstaat den übergesetzlichen Notstand. Wer sich in eine bewaffnete Auseinandersetzung mit diesem Rechtsstaat begibt, der setzt sich dabei der Gefahr aus, sein Leben zu verlieren, und das hat bin Laden zweifellos getan. Die Frage ist doch nicht, ob der Einsatz angemessen war, angesichts der potenziellen Gefahren für die Soldaten kann das doch niemand ernsthaft bezweifeln. Insofern ist es mit den rechtsstaatlichen Prinzipien auch zu vereinbaren, dass er bei dem Einsatz ums Leben kommt (völkerrechtlich bleibt die Frage, ob man das auf fremdem Territorium machen darf – im Prinzip nicht –, aber da stellt sich die Frage, wer denn genau die Regierung über einen geheimen Einsatz informieren will, die jahrelang zumindest unbewusst diesem Mann einen Aufenthaltsort geboten hat).

    Und zu Merkel: Bitte, hör dir an, was sie gesagt hat. Wenn bin Laden verhaftet worden wäre, dann hätte sie in exakt demselben Ton gesagt: Ich freue mich, dass es gelungen ist, ihn zu verhaften. Wenn die US-Armee so lange auf ihn eingeredet hätte, dass er zur Rechtsstaatlichkeit bekehrt seinem Tun abgeschworen hätte, hätte Merkel in denselben Ton gesagt: Ich freue mich, dass es gelungen ist, ihn vom Rechtsstaatsprinzip zu überzeugen und ihn zu überreden, sich zu stellen. Für sie war wichtig, dass er nicht mehr gefährlich ist. Und damit hat sie absolut recht. Sie hat es nur dämlich ausgedrückt.

  11. Ich halte die Kritik an Merkel ebenfalls für absurd.

    Natürlich ist es nicht schön, wenn ein Mensch stirbt. Und es wäre mir auch lieber gewesen, wenn Osama von sich den Soldaten gestellt hätte und sich einem ordentlichen Gericht ausgeliefert oder gesagt hätte „Jungs, tut mir Leid, ich bereue meine Untaten.“
    Und persönlich habe ich gegen Osama auch nichts, ich fand den mit seinem Ziegenbart immer recht lustig. Aber er war immerhin Vorsitzender einer Terrororganisation, die allen Ernstes die Absicht hat, mich in die Luft zu sprengen, während ich in aller Ruhe im Zug sitze oder mit der U-Bahn fahre und keiner Menschenseele was zuleide tue und so gesehen bin ich froh, dass zumindest er nun daran gehindert wird und seine Organisation nun eine gewisse Abrechnungen erhält. Das hat nichts damit zu tun, dass ich irgendwelche Rachegedanken hegen würde, wenn er mich in Ruhe lassen würde, würde ich ihn ja auch in Ruhe lassen. Hat er aber nicht, er hat bis zum Schluss damit fortgesetzt seine Tiraden gegen den Westen zu wettern.

  12. Erstaunlich, dass sich jemand öffentlich für Frau Merkel einsetzt. Der mediale Trend ist doch eher Mitleid mit dem armen, alten Familienvater, der seinen Bart so liebevoll färbte wie Schröder sein Haupthaar und fröhlich durch die Nachrichtensender zappte. Friedlich lag er in seinem Bett, neben sich seine jüngste Nebenfrau und die Kalaschnikow, als die US-Todesschwadron bei ihm aufkreuzte.

  13. In einem anderen Forum hat einer da Sache so etwa wir folgt formuliert:
    Ich hätte ihn (Osama Bin Laden) auch erschossen.
    Aber ich bin auch nicht die selbsternannte Kämpferin für / und Hüterin der christlich-abendländischen Werte und offizielle Verteidigerin der universellen Menschenrechte.
    Als solche darf sie solchen Quark nicht von sich geben.
    So sehe ich das auch.

  14. Unbestritten (auch von ihr, übrigens): falsche Formulierung. Aber um sich daran aufzuhängen, muss man glauben, dass sie es auch meint. Wenn man das aber nicht glaubt, ist es kleinlich, sich so daran aufzuhängen, dass sie (auf Rückfrage, nicht in einer geschriebenen Rede) falsch formuliert. So sehe ich das.

  15. Ich halte nicht einmal die Formulierung für falsch. Manche freuen sich halt, dass der Herr Usama Bin Laden tot ist. Ich auch.
    Manche freuen sich nicht. Sollen sie doch. Dürfen dürfen sie sowieso. Aber zu behaupten, man dürfe sich nicht freuen, ist anmaßend.

  16. @Christian Benduhn
    Sie dürfen sich freuen. Aber dann bitte nicht gleichzeitig behaupten, Sie hielten etwas von Rechtsstaatlichkeit. Denn für den Rechtstaat USA war das bestimmt kein Tag zur Freude.

    @alle
    Empören braucht man sich indes nicht weiter, die Reaktionen von Obama und auch von Merkel waren absehbar. Obama hat seit Erscheinen auf der nationalen Bühne davon gesprochen bin Laden zu töten – nein, nicht zu fangen und zu verurteilen, zu töten – und Merkel hat ihm zu jedem Zeitpunkt die „unbedingte Solidarität im Kampf gegen den Terror“ versprochen.

    @Mikis
    Die Liste Ihrer Plädoyers wird von Mal zu Mal seltsamer. Man muss doch nicht jeden verteidigen, der gefährlich redet und nachher behauptet, er/sie hätte es so nicht gemeint; also so schon, aber halt nicht so. Wenn Sie mir die Spitze erlauben: Wer ist der nächste beschützenswerte Medienprofi auf der Liste?

  17. die dame merkel ist so bescheuert und dumm,das sie nicht mehr überschaut was sie qutscht.der tod jedes menschen ist bedauerlich

  18. Ich finde es nicht richtig Leute wie Bin Laden einfach zu töten. Wie viel mehr hätte es J.W.Bush verdient und die halbe USA-Regierung? Und Merkel? Die lohnt nicht darüber zu sinnieren. Deutschland kann sich nur schämen, so einen Menschen zum Regierungschef zu wählen. Aber diese blöden deutschen hatten ja sogar schon Schlimmere.

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