Elitz. Würde. Kommentieren.

Man soll keine offenen Türen einrennen, aber zur Klarstellung: Professor Ernst Elitz* ist ein älterer Mann, der von der Bild-Zeitung vornehmlich dazu benutzt wird, Franz-Josef Wagner wie einen gesunden, vernünftigen Zeitgenossen aussehen zu lassen. Stilistisch grenzt er sich von Wagner vor allem dadurch ab, dass Wagner durchaus geniale Momente hat. Das auch im internationalen Vergleich Außergewöhnliche an seinem Werk ist, dass die Redaktion ihn regelmäßig mit Kommentaren beauftragt, ohne ihm zu sagen, worum es bei den Themen, die er zu kommentieren hat, eigentlich genau geht.

Heute hat Professor Ernst Elitz* einen weiteren Höhepunkt seines Schaffens an die Welt übergeben.

Zur Vorgeschichte: Die Bild-Zeitung macht heute auf mit der Geschichte um eine „Liste der Schande“, in der es darum geht, dass 223 libanesische Staatsbürger offenbar nicht in ihre Heimat abgeschoben werden können, obwohl sie in Deutschland Straftaten begangen haben, die so schwer wiegen, dass sie nach dem Ausländerrecht abgeschoben werden müssten – weil der Libanon sie nicht zurücknimmt (ich habe das Strafmaß im Einzelnen nicht nachgeprüft, weil bild.de es in eine, richtig geraten, 223-teilige Klick-Galerie verpackt hat).

Außerdem wird in der Bild-Geschichte darauf hingewiesen:

36 960 Libanesen leben in Deutschland, 90 Prozent von ihnen beziehen Hartz IV. Über die Gewaltbereitschaft libanesischer Clans urteilt Roman Reusch, Leiter der Intensivtäter-Abteilung der Staatsanwaltschaft Berlin in einer Studie: „In libanesischen Familien findet eine konsequente Erziehung zur professionellen Kriminalitätsausübung statt. […].“

Der Zusammenhang dieser beiden absolut erschreckenden Zahlen – der „Liste der Schande“ und dem exorbitant hohen Anteil libanesischer Hartz IV-Bezieher – ist nicht ganz klar, aber immerhin geht es in beiden Geschichten um Libanesen. Im Bild-Rahmen also durchaus eine runde Geschichte. Und dann hat man offenbar Professor Ernst Elitz* gebeten, das Große Ganze auf seine unnachahmliche Art zu kommentieren. Oder irgendwas anderes. Und schon geht es los.

Professor Elitz* beginnt seinen Kommentar mit einer schmissigen, programmatischen Headline:

Schiebt sie ab!

Nun könnte man an dieser Stelle einwenden, dass das ja offensichtlich genau das ist, was versucht wird. Es klappt nur eben nicht. Darum geht es ja! Aber, Professor Elitz*, es gibt ein paar Dinge, um die geht es gerade nicht, vielleicht könnte man da …

Sie werfen ihren Pass schon im Flugzeug nach Deutschland weg.
Sie freuen sich über deutsche Sozialleistungen. Sie wollen am liebsten nie wieder fort. Solche Typen wie die 223 libanesischen Intensivtäter haben das Wort „Asyl“ zum Schimpfwort gemacht.

Ah, das ist doch was: „Asyl“, stimmt genau, kommt bisher in der ganzen Geschichte noch nicht vor. Und Elitz* geht souverän darüber hinweg, wie er gerade auf diesen Zusammenhang kommt. Stattdessen verteidigt er das Asylrecht als hohes Gut, das jetzt von diesen Verbrechern „geschändet“ wird. Virtuos ohne Zusammenhang argumentiert:

Wer hier tötet, vergewaltigt, raubt und dealt ist nicht besser als jene selbst ernannten Kriegsfürsten, die von Deutschland aus per Handy und Mail die Blutorgien afrikanischer Milizen befehligten.

Es ist nicht ganz klar, ob man, um den finsteren Status eines Blutorgien befehligenden Kriegsfürsten zu erlangen, alle angebotenen Verbrechen begehen muss, aber wahrscheinlich reicht fakultativ eins davon, denn zumindest einige der 223 haben „nur“ Verurteilungen wegen Drogenhandels in ihrerm KlickgalerieVorstrafenregister stehen. Was aber konkret ein Drogendealer tun soll, der seine Strafe abgesessen hat, um unter Umgehung der Schändung des Grundgesetzes endlich abgeschoben werden zu können, erwähnt Elitz* nicht.

Dafür endet sein Kommentar mit einem Hinweis an die zuständigen Stellen:

Was immer die Innenminister jetzt tun – es geht um mehr als Knast und Passbetrug. Es geht um die Würde des Grundgesetzes.

Nun steht außer Frage, dass das Asylrecht ein hohes Gut ist. Wie jedes verfassungsmäßige Recht ist es außerdem im Kern ein Schutzrecht des Einzelnen gegenüber dem Staat, insofern ist es für den Einzelnen sehr schwierig, die Würde des Grundgesetzes anzugreifen. Aber es gibt Ausnahmen: Wichs-Kabinen mit verspiegelten Fenstern in Peepshows zum Beispiel sind nicht mehr genehmigungsfähig, weil durch sie die verfassungsmäßig garantierte Menschenwürde der ausgestellten Frauen auch dann angetastet wird, wenn die Frauen es freiwillig tun. Aber das ist juristisch ein ziemliches Monstrum.

Aber man kann die Würde von Grundrechten natürlich auch missbrauchen, indem man sie zusammenhanglos, bösartig und abstoßend in einen völlig falschen Zusammenhang bringt.

*Prof. Elitz ist Gründungsintendant des Deutschlandradios

4 Antworten auf „Elitz. Würde. Kommentieren.“

  1. Ich würde auch gern in so einer überschaubaren Welt leben, wie der Herr Gründungsintendant. Das Ihr diese Spitze auch immer bringen müsst…

  2. Ich weiß genau, wer Elitz war, bezog (und beziehe) ich doch das Programm des DLR seit vielen Jahren. Was ich nicht wußte: wer Elitz jetzt ist. Lese ich doch solche Schmierenblätter nicht, in denen er nun schreibt.

  3. Weil etwas in der Bildzeitung steht, ist es nicht automatisch falsch. Was in der SZ steht, ist nicht automatisch richtig. Gilt auch umgekehrt oder für FAZ und Stern und alle anderen.
    Gilt auch für einzelne Personen, z.B. Herrn Pantelouris oder Herrn Elitz.
    Was die Sache selbst betrifft, nämlich die in diesen sich in Deutschland aufhaltenden libanesischen Großfamilien stark verbreitete Kriminalität, dürfte Herr Elitz nur dass ausdrücken, was die meisten Deutschen wünschen, nämlich die Abschiebung dieser Verbrecher.
    Dieser Wunsch ist nicht typisch deutsch und auch kein Erbe unserer Nazi-Vergangenheit, sondern jedes Volk dieser Welt dürfte mehrheitlich so denken: Jedes Land soll sich um seine eigenen Verbrecher kümmern. Kein Land muss solche Leute importieren. Dafür wurde das Asylrecht nicht erfunden.

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