Das Abendblatt: Jetzt mit ohne Paid Content

Beim Abendblatt 3.0 wagt man jetzt einen ganz großen neuen Schritt, um der Anzeigen- und Auflagenkrise Herr zu werden: Man lässt jetzt zumindest die Idioten unter den Lesern für einige Inhalte bezahlen. Alle anderen können auch an der Paywall den Titel der gewünschten Geschichte (vielleicht noch mit dem Zusatz ‚Abendblatt‘) googlen – dann finden sie die Geschichte auch kostenlos. Ich hoffe, das ist tatsächlich die Rettung der Medienindustrie. Aber sicher bin ich mir da eher nicht.

Nachtrag: Jetzt verstehe ich dann gar nichts mehr. Der Springer-Verlag hat dem Mediendienst dwdl.de bestätigt, dass die Google-Hintertür mit Absicht offen steht. Nur wer „von vorne“ auf die Angebote von Abendblatt und Berliner Morgenpost kommt, muss zahlen – offensichtlich, damit nicht zu viele Klicks verloren gehen. Ich bin nicht einmal in der Lage, mir eine fadenscheinige Begründung dafür auszudenken, schon gar nicht, nachdem der Stellvertretende Chefredakteur Matthias Iken das launig und mit nicht von unverschämter Arroganz zu unterscheidender Ironie als Fanal wider die Freibiermentalität im Netz begründet hatte (und dem damit die Ehre zuteil wurde, ironiefrei aber gewohnt souverän von Stefan Niggemeier geschreddert zu werden). Man soll also für das Abendblatt bezahlen und es wird als Großtat für den Journalismus und wieder die widerliche Mentalität verkauft, aber gleichzeitig so eingeschränkt, dass nur Netzidioten denken, sie müssten tatsächlich bezahlen? Ist das dann eigentlich noch Paid Content oder doch eher Bettelei von einem Typen, der sich eine Parkplatzwächter-Uniform angezogen hat und wenigstens so tut, als stände man auf einem gebührenpflichtigen Platz, damit er nicht ganz schäbig wirkt?

Ich wäre irre dankbar, wenn sich jeder, der für den Online-Auftritt vom Abendblatt tatsächlich Geld bezahlt bei mir melden könnte. Ich würde gegen beide gerne einmal Schach spielen.

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6 Antworten auf „Das Abendblatt: Jetzt mit ohne Paid Content“

  1. Mal ein paar Fakten aus technischer Sicht:

    Die Seite ist kreuz langsam im Seitenaufbau. Das liegt vermutlich an den viel zu vielen Scripten und Grafiken. Usability ist unter aller Sau. Sie ist ohne Java-Script nicht nutzbar. Der Validator findet über 180 Fehler bei einem armesligen Transitonal Header:
    http://validator.w3.org/check?verbose=1&uri=http%3A%2F%2Fwww.abendblatt.de%2Fratgeber%2Farticle1307619%2Fabendblatt-de-gibt-es-seit-heute-im-Abonnement.html

    Für sowas zahlt man nicht, für sowas gehört Schmerzensgeld bezahlt.

    Als Leser würde mich interessieren ob ich nur den Qualitativ schlechteren OnlineKram kriege oder auch die Print Inhalte. Dazu finde ich keine Angaben. Die viele Werbung bleibt auch bestehen nach Zahlung. Das is doch wirklich bescheuert.

  2. Das mit der Hintertür ist keine neue Erfindung, bei vielen US Publikationen findet man das schon seit einiger Zeit. Ein bißchen so wie im Flieger: du hast als Frühbucher 89 Euro bezahlt und der Mensch neben dran 189.
    @ Felix Genau! als zahlender Leser sollte man doch etwas mehr bekommen: Werbefrei, Exklusiv-Content, Print Content, ….

  3. Ich verstehe, dass die Verlage möchten, dass Google auch den Paid-Content-Bereich indexiert – damit man das eben finden kann.

    Was ich nicht verstehe: Warum die Verlage nicht einfach beim Aufruf der Seite prüfen, ob’s ein Google-Bot ist (Content zeigen) oder ein neugieriger und hoffentlich solventer Mensch, der da vorbeischaut (Vorschau auf Content und Bezahl-Option zeigen).

    Natürlich weiß ich auch, dass Google so ein Vorgehen in der Regel nicht gestattet, weil sogenannte „black hat“ Webseiten gerne vor Google ihren wahren Charakter verbergen möchten und ihren Content gezielt ändern, wenn Google vorbeischaut, um das Ranking der Seite zu verbessern.

    Bei Verlagen/Medienhäusern aber liegt der Fall ja völlig anders: Die wollen ja „nur“ ein Business-Modell schützen ohne gleichzeitig in der Versenkung zu verschwinden. Die sollten das mal mit Google besprechen, falls sie es nicht längst tun.

  4. Ich kann kein Schach, das hat mich irgendwie nie interessiert. Ich stelle mir Schachspielen so vor, wie das Hamburger Abendblatt auf lateinisch lesen zu müssen. Also langweilig und schwierig zugleich.

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