Linktipp (2)

Nachdem die so genannten Mainstream-Medien bei der Bewertung der „Griechenland-Krise“ meiner Meinung nach umfassend versagt haben, finden wir uns in einer Situation, wie wir sie in den USA beklagen: die „neuen“ Medien müssen es richten.

Ein wirklich erhellender Text findet sich hier auf Telepolis, schon zwei Wochen alt, aber ich habe ihn erst spät entdeckt.

10 Antworten auf „Linktipp (2)“

  1. Erhellend… Naja. Es ist eine ziemlich ausführliche Analyse, was tatsächlich mehr ist, als man ansonsten oft findet.
    Dass es dann gegen Ende in eher plumpes und realitätsfernes Kapitalismusbashing umschlägt, ist deswegen umso enttäuschender.

  2. Das stimmt und das finde ich zum Teil auch, allerdings ist es kein bisschen weniger plump als die unendliche Marktgläubigkeit, die einem fast überall sonst entgegenschlägt. Die Seite 3 der FAZ beleuchtet heute die sich selbst befeuernden Mechanismen der negativen Bewertung von Staatsanleihen, und sind dabei – ohne die Rhetorik – nicht weit weg von diesem Text. Tatsache ist: Der Markt hat hier nur in dem Sinne funktioniert, als er einigen wenigen exorbitante Gewinne ermöglicht hat. Wie viele auch deutsche Banken mit die Anleihen in den Büchern haben zeigt das ja schon. Die wurden ja nicht aus Solidarität gekauft, sondern weil damit viel Geld verdient wurde.

  3. @Muriel: Von den Mängeln des besagten Textes (da gibt es bessere) mal abgesehen: Ist nicht absolut einleuchtend, dass in diesen ganzen national-, kontinental- und globalwirtschaftlichen Krisenspielchen Banken und Investoren mit Staatsschuldengeld gerettet werden, damit dann weiterhin Banken und Investoren bedient werden können und fraglich ist, wer sonst etwas davon hat?

  4. @jokahl: Dieses Vorgehen sehe ich auch sehr kritisch, aber das ist auch nicht der Punkt, mit dem ich in dem fraglichen Text ein Problem habe.
    Als Protagonist der unendlichen Marktgläubigkeit bin ich durchaus eher gegen solche Rettungsaktionen.

  5. Aber wie man es dreht und wendet: zum zweiten mal innerhalb kürzester zeit müssen Staaten eingreifen, damit nicht Millionen von Menschen ins Elend fallen. Wenn man wie ich davon ausgeht, dass die Dunktion der Märkte ist, Geld für die Wirtschaft zu organisieren, dann haben sie versagt. Selbst wenn man in diesen Fall den Auslöser bei falscher Politik der griechischen Regierung vermutet, muss man sich ansehen, was sie in einem Best-Case-Szenario hätten besser machen können, und da findet man viel. Aber es hätte im besten Fall auch nur dazu geführt, dass ein anderes Land Auslöser dieser Krise geworden wäre.

    Aus meiner Sicht funktioniert der Euro-Raum nicht, weil die politische Einigkeit fehlt. Das ist der erste Grund. Aber der Markt eben auch nicht mehr, weil es gelungen ist, Produkte zu entwickeln, mit denen die Verantwortung für das eigene Handwln verschleiert und verkauft wird. Es gibt keinen sinnvollen Grund dafür, dass ein Marktteilnehmer einen Jredit versichern kann, den er selbst nicht gibt, wie es bei CDS passiert. Es ist, als würde ich eine Feuerversicherung auf das Haus meines Nachbarn abschliessen. Was wäre danach meine Motivation? Feuer legen. Und in diesem Fall halten die, die solche Versicherungen haben, gleichzeitig den Feuerlöscher, weil sie es sind, die die Kredite anbieten und die Zinsen festlegen.

    Diese CDS werden gehandelt mit einem Volumen von 60 Billionen Euro. Das ist das BIP der gesamten Welt. Erzähl mir nicht, das wäre vernünftig. Aber es ist der real existierende Markt.

  6. Da steckt viel Wahres drin, aber dieser Weg wird sehr schwer gangbar sein, weil dann – und ja erst dann – gerade in Deutschland tatsächlich eine Menge Steuergeld aufgerufen würde. Denn deutsche Banken haben eine Menge griechischer Staatsanleihen in den Bücher (i.e. haben eine Menge Geld an Griechenland verdient), und das sind zum Teil Banken, die bereits vom Steuerzahler ausgelöst werden mussten, zum Beispiel die ehemalige Hypo Real Estate.

  7. @mikis: „Wenn man wie ich davon ausgeht, dass die Dunktion der Märkte ist, Geld für die Wirtschaft zu organisieren, dann haben sie versagt.“
    So einfach ist das aus meiner Sicht nicht. Erstens bezweifle ich, dass das Eingreifen der Politik so dringend nötig war, wie die Politik uns gerne weismachen möchte, zweitens haben schwachsinnige Anreize der Politik (Fanny Mae, Freddie Mac, irgendjemand?) die Krise maßgeblich mit herbeigeführt, drittens ist der Fall Griechenland für mich kein Beispiel von Marktversagen, sondern ein Beispiel von politisch unerwünschtem Marktfunktionieren.

  8. @7/Mikis: Um ein paar Bankenpleiten, gigantische Abschreibungen und Quasi-Teilenteignung von Gläubigern (also am Ende kleinen wie großen Anlegern) wird man über kurz oder lang sowieso nicht herumkommen. Mit den Bailouts wird das ganze Schneeballsystem nur noch immer weiter aufgebläht, zugunsten derer, die noch Geld ausleihen können. Es wäre von Anfang an besser gewesen, die Krise richtig krachen zu lassen und die Hilfsmilliarden (mittlerweile muß man ja schon Billionen sagen – man hat sich so sehr an große Zahlen gewöhnt!) lieber dafür zu verwenden, die Folgen des Crashs (der, das wird ja immer so gern unterschlagen, bislang ausgeblieben ist) zu lindern und eine Art wirtschaftsstrukturellen und finanztechnischen Wiederaufbau zu leisten. Zum Beispiel in Griechenland. Eigentum (und das ist ja meistens sogar Eigentum an reinem Buchgeld, das nur zu einem Bruchteil materiell existiert) wird wirklich total überbewertet, das ist ein echtes Problem in der so genannten Finanzkrise, seit Jahren. Und das sollte man auch vertreten können, wenn einem kommunistische Umtriebe fremd sind.

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