Wer feiern kann, kann auch Gala Men lesen

Prolog: Sie werden nachher gebeten werden, Ihren Penis auf ein Blatt Papier zu legen. Ich sag das nur vorweg, damit dann keine Klagen kommen.

Und ab dafür:

Diese Welt ist eine rätselhafte, und das ist insgesamt nur verstärkt worden dadurch, dass es seit heute Gala Men gibt – selbst wenn es, wie ich vermuten würde, bei diesem

einen Mal bleibt. Dabei ist Gala Men anders, als ich sie erwartet hatte: Niemand konnte ernsthaft davon ausgehen, dass dieses Heft tatsächlich so etwas wie ein Beitrag zum Kanon dessen hätte werden können, was Männer heute sind – das gibt zum einen die Marke gar nicht her (die einzige assoziative Verbindung zwischen einer Gala und einem Mann, die mir einfällt, ist eine Ausgehuniform) und zum anderen war schon nach den ersten Ankündigungen klar, dass hier der Versuch nicht einmal unternommen werden sollte.

So stand Anfang September bei Kress: „Zielgruppe sind gut betuchte Familienväter mit Interesse an Mode und Beauty, die gleichzeitig bodenständig und aufgeklärt sind. Statt nackter Frauen gibt es auf dem Cover die Crew vom Männer-Versteher-Film „Männerherzen“, der im Herbst anläuft. Nackte gibt es auch im Heft nur mit „Vogue“-Anspruch, so Lewandowski. Im Erstling ist das eine kunstvoll fotografierte Bilderstrecke mit der halbnackten Kate Moss.“ Und weil ich selbst vielleicht kein gut betuchter aber immerhin meistens ordentlich verdienender Familienvater mit so etwas wie einem verkümmernden Interesse an Mode (wenn doch die Kinderkotze nicht wäre…) bin – das Interesse an „Beauty“ lassen wir mal außen vor, das hat überhaupt kein Mann, das steht da nur für Anzeigenkunden – und außerdem bodenständig (wenn auch nicht ständig) und sowas von aufgeklärt, bin ich praktisch mitten in der Zielgruppe – vielleicht mehr als je zuvor bei irgendetwas in meinem Leben. Gala Men müsste perfekt für mich gemacht sein. Allerdings gebe ich auch zu, dass ich nicht auf ein perfekt auf mich zugeschnittenes Heft von Gala gewartet habe. Ich habe vorher eher gedacht, ich bräuchte das nicht. Und nun, wo ich eines besitze, bin ich einigermaßen verwirrt. Vielleicht liegt es an mir, aber ich habe das Gefühl, das ganze ist eine Art sehr komplizierter Scherz auf meine Kosten. Ich werde mal versuchen zu erklären, warum.

Auf den ersten Blick könnte Gala Men in jedem Monat der letzten 17 Jahre erschienen sein, denn natürlich ist entgegen der Ankündigung im Kress Brad Pitt auf dem Cover, und das ist folgerichtig, denn irgendwie ist der ja auch auf fast jeder Gala (zumindest gefühlt. Ich sehe die ehrlich gesagt nur manchmal mittags in der Souperia* in der Bartelsstraße liegen). Weil man bei Brad Pitt nicht genau sagen kann, wie alt er eigentlich aussieht und das Covermotiv auch keinerlei Hinweis auf eine Jahreszeit zulässt könnte dieses Heft auch genau so im Mai 1998 oder im Januar 2003 erschienen sein – was ich persönlich in Kombination mit der grandiosen Subline (Gala Men – Was wir heute brauchen) irre cool finde. Allerdings ist das Cover natürlich auch in einer epochalen Größenordnung langweilig. Wie gesagt: Auf den ersten Blick. Denn auf den zweiten Blick beginnt die zarte Entfaltung der gespaltenen Persönlichkeit dieses Heftes, die sich so lange weiter steigert, bis auf der letzten Heftseite von mir als Leser nur noch ein waberndes, wallendes „Hä?“ übrig ist. Aber der Reihe nach.

„Was wir heute brauchen“ wird exakt konterkariert durch die Titelzeile „ICH“, die neben Brad Pitt steht, allerdings nicht in Anführungen, insofern nehme ich streng genommen nur an, dass Pitt es sein soll, der das sagt. Alles andere ergibt (in Gala-Men-Sprech: macht) keinen Sinn, allerdings beißt es sich so, wie es da steht, mit der Unterzeile, die aus wieder einmal anderer Perspektive fragt: „Wer ist Brad Pitt wirklich?“ Wieder ohne Anführungen, also fragt sich nicht Pitt das selbst, was cool gewesen wäre (und was die US-Vanity Fair mit Ben Affleck mal gemacht hat), aber hier dient es nur dazu, Verwirrung zu stiften. Wir werden noch sehen, dass das ein stilbildendes Mittel bei Gala Men ist – wenn nicht der Zweck der Übung. Und bevor sich jemand zu viele Gedanken macht: Keine Angst, natürlich ist das im Heft drin dann doch nur ein ganz normales Brad-Pitt-Portrait und, ja, es steht auch tatsächlich „Der Pitt-Stopp“ als Headline drüber – schließlich sind wir hier in einer Art zeitlosem Paralleluniversum irgendwann zwischen 1992 und 2011 – abgesehen von der neuen Rechtschreibung.Was wir heute brauchen ist unter anderem offenbar, dass Hollywood-Schauspielerinnen uns erzählen, wie sie uns gerne hätten (im Ergebnis ist das eine dreiseitige Strecke mit teilweise unterirdischen Agenturbildern von 11 Schauspielerinnen und zusammengegoogelten Zitaten wie  „Ich stehe auf Bad Boys“ (Megan Fox)). Und eine Nacht mit Kate Moss (dazu kommen wir noch). Und „85 Looks im Reality-Check“. Auf dem Titel steht dabei irgendwie über allem außer dem Brad-Pitt-Portrait „exklusiv“, was tatsächlich unvorstellbar bizarr aussieht, wenn man nur eine Sekunde darüber nachdenkt: Gala Men hat Mando Diao exklusiv? Als was oder für was? Und Beyoncés Bodyguard? Das heißt ja (leider, wäre lustig) nicht, Beyoncé kommt an ihren Bodyguard nicht mehr heran und die Fans der Band Mando Diao nicht mehr an die Band, sondern dass beide irgendetwas nur in Gala Men tun – und alles andere eben woanders. Ich habe es überprüft: Wenn ich jetzt „Mando Diao“ bei Google eingebe, kommt eine Menge interessantes Zeug zum Vorschein, das Gala Men nicht exklusiv hat. Wenn man es also gleich zweimal groß aufs Cover schreibt, dann kann das heutzutage nicht mehr verkaufsfördernd sein. Also warum machen? Eben! Es ist erstens Teil der ausgefuchsten Gala-Men-Zeitschleife, in die wir uns gleich bewegen werden und zweitens einfach Ausdruck der gespaltenen Persönlichkeit, die dafür sorgt, dass die linke Hälfte des Covers nicht weiß, was auf der rechten steht, und das zur Folge hat, dass ich als Leser am Ende verwirrter bin als Jonathan Meese.

Denn jetzt geht es erst los:  Das Heft ist unterteilt in die Bereiche „Inspired“, „Lookbook“, „Powerbook“, „Bodycheck“ und „Notebook“. Und, weil ich ahne dass Sie darüber jetzt nachdenken: Der Penis kommt nicht unter „Bodycheck“, sondern unter „Powerbook“. Aber dazu kommen wir noch.Das „Was wir heute brauchen“-Babylon wird im Inhaltsverzeichnis eröffnet mit der Geschichte über die Hollywood-Frauen, die uns sagen, wie wir zu sein haben. Unter der Teaserzeile „Was ihr wollt“. Nur damit wir hier noch mehr sprachliche Absender eingebaut haben und gleichzeitig schon einmal klarstellen können: Was wir brauchen ist im Prinzip was ihr wollt. Außer bei Brad Pitt, dem ICH zu unserem WIR. Obwohl, ups, die ICH-Geschichte, die später zum Pitt-Stopp mutiert, heißt im Inhaltsverzeichnis noch „Ich bin dann mal Brad“. Und, seien wir ehrlich: Es ist eine Leistung, im Jahr 2009 für eine einzige Geschichte gleich drei Headlines zu erfinden, die vor zehn Jahren schon scheiße gewesen wären. Das kann nur Absicht sein. Glauben Sie nicht? Abwarten: Die selbstverständlich vorhandene In-und-Out-Rubrik heißt „Stylometer“! Doch! Obwohl: So heißt sie im Inhaltsverzeichnis. In freier Wildbahn heißt sie dann – fast noch geiler – „Style-O-Meter“! Dochdochdoch!“

Ohne mich so früh zu sehr festzubeißen habe ich ein paar persönliche Highlights: Das Fotoshooting mit Kate Moss, bei dem auf mehreren Bildern mal ein Nippel zu sehen ist, ist natürlich wie? Genau: „Intim wie nie“.
Expertensagen mir, welche Beautyprodukte für den Mann wirklich Sinn machen und ein Experte spricht über Sinn und Unsinn von Penisverlängerungen, Männer, die über Parfüm sprechen sind was? Genau: Dufte Typen und direkt danach sind die besten neuen Düfte im Herbst natürlich …? Exakt: Dufte Flaschen. Es ist ein Massaker.

Bis hier ist natürlich noch nicht klar, was das alles soll und warum man diese Art verstörend lieblos gemachte Zeitschrift lesen sollte (Frage: Was finde ich auf Seite 124 wenn die Zeilen sind „Cooles Werkzeug – Neue Produkte für den letzten Schliff am Körper“?). Aber dann kommt der Chef rein, Peter Lewandowski, und erklärt es in seinem Editorial: Gala Men ist für Männer wie uns. Also, sagen wir es noch besser: Das Heft ist aus dem gefühlten Auftrag entstanden, ein Heft für Männer wie uns zu machen. Kurz: Einfach nochmal genau so ein Männerheft, wie es schon hundertmal nicht funktioniert hat. Für alle. Und da ist er drauf gekommen, weil seine Frau ihn davon abgehalten hat, billige Schuhe zu kaufen, die er schon hatte. Er soll doch lieber die teuren nehmen, die er noch nicht hat. Doch, echt, das steht da.

Ich bin verwirrt.

Neben dem Editorial sind Bilder von prominenten Männern, die normale Dinge tun. Sacha Baron Cohen (Brüno) und Pete Wentz (?) unternehmen etwas mit ihren Kindern, Guy Ritchie und Adrien Brody fahren Fahrrad, Ewan McGregor wäscht sein Auto. Solches Zeug. Was uns das sagen soll, fragen Sie? Warum fragen Sie so etwas? Können Sie nicht ein Mal etwas einfach hinnehmen?

Ich bin noch mehr verwirrt.

Dann kommen die „Was wollt ihr von uns“-Frauen (wieder ändert sich die Aussage der Head) und der Stylomat-Style-O-Mat (Alder!), ein Mädchen mit Zigarette, die offenbar entweder singt oder modelt und deren schmückender Beitext mit dem Satz endet „Wer war noch gleich Agyness Deyn?“ und ein paar Interviews, eins davon heißt „Auf ein Bier mit … Eva Green“ und tatsächlich sitzt da Eva Green und trinkt Rotwein. Aber immerhin trinkt der Interviewer Bier. Aber ich komm nicht davon los: Wer war noch gleich Agyness Deyn? Jedenfalls macht die Neue, Lissy Trullie, sie echt vergessen mit ihrem singen und modeln. Ich erinnere mich schon kaum noch an Dings, hier, Deyn. Wer war das noch?

Dann kommt Pitt. Normal halt. Dann der Bodyguard von Beyoncé (Rubrik: „Abenteuer Alltag!“), der erzählt, dass das alles nicht so ist wie in dem Film Bodyguard und dann die Hauptdarsteller und der Regisseur des Films Männerherzen, die gemeinsam „exklusiv“ im Gespräch jedes, aber auch wirklich jedes Klischee über Männer zu bestätigen versuchen – außer Christian Ulmen, der grandiose Momente hat, weil er halt ist wie er ist.

Das brauchen wir also heute?

Im „Lookbook“, dem Modeteil, klärt es sich langsam. Nachdem so lange alles egal ist, wird nun endlich der erste von vielen Vorhängen aufgezogen, der sich zwischen mich und das „was ich brauche“ und das „wie wir [sind]“ geschoben hat. Gleich auf der Aufmacherseite wird die angemessen aufgeregte Frage gestellt: „Warum kostet dieser [abgebildete] Schuh 5600 Euro?“ Dann blättert man um, und da steht die Antwort: Weil er auf Maß handgemacht ist und aus Krokodilleder.

Und da schlägt die Verwirrung um in erste schizoide Züge. Ich versuche, das zu sortieren: Was ich heute brauche ist einerseits, dass ich als bodenständiger Familienvater wie ein Hollywoodstar mit meinen Kindern im Park spiele und mein Auto wasche, dass ich ganz normal Bier mit den Jungs trinke und selbst als Brad Pitt noch normal bleibe, trotzdem laut „Ich“ sage, währenddessen aber die Murmeln wenigstens so weit beisammen behalte, dass ich bei Schuhen noch nachfrage, warum die eigentlich 5600 Euro kosten – dann aber diese Antwort akzeptiere? Okay. Verstanden. Aber ist das, was wir brauchen? Und was ist das: Irgendwie alles?

In der langen Mode-Rubrik gibt es eine Vorher-Nachher-Geschichte mit einem Mann von Nebenan. Kate Moss, die wahrscheinlich außerhalb des Pornobusiness am häufigsten nackt fotografierte Frau der Welt, zeigt in einer Fotostrecke „intim wie nie“ zweimal ihre rechte und einmal die linke Brust. Und dann kommt eine Geschichte über Penisverlängerungen, bei der ich, falls ich gerade kein Lineal zur Hand habe, meinen erigierten Penis auf ein abgedrucktes Maßband legen soll, um zu sehen, ob er über- oder unterdurchschnittlich lang ist. Zitat: „Einfach Penis auf die Skala links am Heftrand legen und den Abstand vom Schaft am Hodensack bis zur Eichelspitze ablesen, je nach Krümmungsgrad dürfen Sie ein paar Millimeter hinzuaddieren.“

Vielleicht ist das ein Geheimnis, das einem durchs Leben hilft? Vielleicht sollte man einfach viel öfter mal ein paar Millimeter hinzuaddieren?

Ich bin verwirrt.

Von Seite 110 bis Seite 131 kommt nur Kosmetik. Und dann kommt eine Geschichte darüber, dass man auch im Zeitalter von Google noch ein paar Dinge selbst wissen muss.

Ich konnte das nicht so richtig glauben, und vielleicht ist es Ihnen gerade gar nicht so doll aufgefallen, deshalb sage ich es noch einmal:

Eine Geschichte darüber, dass man auch im Zeitalter von Google noch ein paar Dinge selbst wissen muss.

Sollten Sie also gedacht haben, dass Sie nichts mehr wissen müssten, weil Sie im Falle eines Falles (in der Geschichte: Abendessen mit einem für Sie wichtigen Bildungsbürger) einfach das iPhone unter dem Tisch festhalten und auf Wikipedia nachgucken können, dann haben Sie sich geschnitten. Denn nicht alles auf Wikipedia ist immer richtig, und außerdem ist das unpraktisch. Der Vorspann geht so: „Was müssen wir heute noch wissen? Immer noch nicht weniger als früher. Denn mit dem iPhone lässt sich zwar alles jederzeit im Internet nachschauen. Aber ohne grundlegende Bildung kann man auch dann noch dumm dastehen“.

Und da fragt man sich endgültig, für wen dieses Heft gemacht sein soll. „Männer wie wir“? Ey, du, Mann wie ich, wenn du grundlegend ungebildet bist und das hier liest, dann merke dir: anders wäre besser! Für dich. Du kannst echt dumm dastehen so. Ich sag das nur. Aber, anderes Thema jetzt: Leg doch mal deinen erigierten Penis hier auf das Maßband …

Habe ich erwähnt, wie viele Klamotten zwischendurch gezeigt werden? Ist klar, oder? Ich bin mir nicht sicher, ob 85 Looks reichen. Auch nicht, was der Reality-Check ist, wahrscheinlich eine Art Maßband für Mode, das ich übersehen habe (legen Sie doch mal bitte Ihre Krawatte hier links auf diese Zeitschrift!). Aber, Wissenstest, was ist eigentlich die Hauptstadt von Hessen? Muss man wissen. Doch! Ha! Ich hab’s gewusst, nur nebenbei.

Was wir heute brauchen.

Ich weiß gar nicht, warum es in Männermagazinen immer um die Mehrzahl von Männern geht (bei Frauen heißt es singulär Woman, bei uns pluralig Men), aber vielleicht ist es sonst zu intim: Was ich heute brauche … Und ICH ist ja schon der Brad, der aber im weitesten Sinne auch zu WIR gehört, und von wollen vielleicht „Hollywoods Traumfrauen“ (unter anderen Eva Padberg) tatsächlich etwas.  Ich weiß es nicht.

Natürlich geht es in Gala Men nicht um das, was wir heute brauchen. Es geht nicht einmal um das, was wir irgendwann brauchen, und es ist von der ersten bis zur letzten Seite mit Ausnahme von einigen vom Ulmen kein wahrer Satz drin. Es sind ein paar gut fotografierte Strecken, die dann abenteuerlich lieblos zusammengeklebt wurden. Und wo wir bei der letzten Seite waren: Wie würde man wohl aussteigen aus einem Heft, in dem gerade erklärt wurde, dass es nicht okay ist, gar nichts m
ehr zu wissen und einfach nur bei Wikipedia nachzuschlagen? Dass als einen echten Bildungsauftrag hat, und sehr viel Schmerzen auf sich zu nehmen bereit ist, den zu erfüllen?

So: Die Rubrik heißt entweder „Schlussstrich“ oder „Schluss-Strich“, je nachdem, ob man im Inhaltsverzeichnis guckt oder auf der Seite, und sie soll IMMER (es gibt in diesem One-Shot auch schon den Start einer SERIE) ein prominenter Mann gestalten wie er will. Hier ist es Jonathan Meese, der auf ein hässliches altes Foto von sich mit Filzstift so etwas wie eine KZ-Insassenzahl auf seinen Arm malt, ein Eisernes Kreuz an seine nackte Brust und lange Wimpern an ein Auge – „Die Arbeit für Gala Men ist die Neuinterpretation einer privaten Aufnahme aus dem Jahr 1995 in der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg, wo Meese …“ blablabla. In diesem Moment ist etwas in mir zerbrochen: Neuinterpretation einer privaten Aufnahme?

Ich glaube, ich habe verstanden, worum es eigentlich geht: Wenn man es alles gleichzeitig tun würde – seine privaten Bilder neuinterpretieren, während man seinen erigierten Penis beim Autowaschen einem Reality-Check unterzieht (einen Schal ordentlich um den Hals gewickelt, auf Seite 66 sind Zeichnungen, wie das geht) und dabei immer wieder „Wiesbaden, Wiesbaden“ ruft, während die Kumpels mit einem Bier dabei stehen und auf die Kinder aufpassen … – wird dann alles gut? Wäre das nicht eine Gala für uns, für Männer wie wir es sind, das Fest aller Feste?

Ich habe lange darüber nachgedacht. Ich glaube, ich brauche das doch nicht. Vielleicht bin ich dann doch nicht so wie alle anderen.

Ich werde versuchen, ein paar Millimeter hinzuzuaddieren. Aber ich bin nicht sehr hoffnungsvoll, dass das reicht.

* Die Souperia in der Bartelsstr. 21 in Hamburg hat immer leckere Suppen. Echt ein Tipp.

11 Antworten auf „Wer feiern kann, kann auch Gala Men lesen“

  1. Mein Mann (ein Brite) ist wütend, weil bei der Penis-Vermessungs-Seite steht, dass Engländer am Glied kürzer geraten sind als deutsche Männer. Und dass die Franzosen längere Penisse haben sollen, halte ich definitiv für ein Gerücht. Bestimmt sind die Franzosen Anzeigenkunden und darum kriegen die mehr Centimeter ab.

    Mein Mann hat sich etwa 6 Minuten mit dem Heft befasst, ich hab eine halbe Stunde drin gelesen (Badewanne). Er sagt, dass Heft ist wie so eine Lenkradhülle aus Fell: Sieht albern aus und ist überflüssig. Ich weiß, dass diese Felllenkrad-Überzüge auch gefährlich sind. Die Dinger können verrutschen, dann verliert man die Kontrolle übers Steuer.

    Und Gala Men finde ich auch gefährlich: Es schürt nicht nur den Penisneid zwischen den Nationen. Es ermuntert Männer auch dazu, sich mit Hyaloron(?) das Geschlechtsteil dicker zu spritzen. Für 2000 Euro! Himmel hilf!

  2. Falls es zur zweiten Ausgabe kommt, könntest du in einem großen „Sex in der EU“-Special was zur Bedeutung des Griechischen in der Sexualität schreiben.

  3. Ich hatte mal eine Kollegin, 1999, die hat beim allerersten mal, als sie überhaupt im Internet war, voller Vorfreude auf den Urlaub nach einem griechisch-Kurs gegoogelt (wahrscheinlich eher altavistat). Sie ist erst sehr weiß geworden und dann sehr rot.

  4. Sehr sehr schöner Text. Musste an zwei Stellen laut lachen. Ich nehme an, mein Freund wird weiterhin eher den „Kicker“ lesen wollen….

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