Jetzt doch: Kostenlos-Kultur im Netz – die deutsche Huffington Post

16. Oktober 2013

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mich nicht provozieren zu lassen von der deutschen Huffington Post, die ich in praktisch jeder Hinsicht für unsäglichen Müll halte, aber wie das so ist: Nachdem nun die wenigen an sich normalen unter den Menschen, die für die deutsche „HuffPo“ schreiben, anfangen sich zu rechtfertigen (z.B. Nico Lumma hier und Karsten Lohmeyer hat gleich seinen bisher einzigen HuffPo-Beitrag zum Thema „Rechtfertigung für seinen bisher einzigen HuffPo-Beitrag“ geschrieben), fühle ich mich genötigt, ein paar Logikprobleme anzusprechen.

Kurz die Ausgangslage: Die deutsche Huffington Post will eine neue Form Journalismus bieten, an der vor allem neu ist, dass es für die Beiträge kein Honorar gibt. Stattdessen könnten Autoren die Reichweite der Plattform nutzen, auf sich Aufmerksam zu machen. Die Rechte an dem Text gehen dabei an die HuffPo (der Autor braucht eine Genehmigung, wenn er ihn z.B. auf seinem eigenen Blog auch nochmal veröffentlichen will), Kosten eventueller Rechtsstreitigkeiten bleiben am Autoren hängen.

Nico Lumma findet das irgendwie normal und nicht viel anders, als wenn er einen Gastbeitrag für die FAZ schreibt und wenn ich ihn richtig verstehe nicht einmal viel anders, als wenn er in seinen eigenen Blog schreibt. Karsten Lohmeyer findet das eine neue Art von Journalismus und zumindest das Experiment wert und „bettelt“ (das schreibt er) am Ende des Artikels um bezahlte Aufträge oder zumindest darum, ihm auf Twitter zu folgen.

Ich finde, beide haben Unrecht und die Huffington Post ist in jeder Hinsicht eine Zumutung.

Und das hat ein paar sehr einfache Gründe: Die US-amerikanische Mutter der deutschen HuffPo (bei der Arianna Huffington die Herausgeberin ist und nicht Cherno Jobatey) war eine Antwort auf die durchgedrehte rechte Blogszene der Staaten. Sie bündelte politisch liberale Stimmen als Gegengewicht. Weil sie dabei immer erfolgreicher wurde, entwickelte sich daraus das Geschäftsmodell mit der unbezahlten Arbeit. Die deutsche HuffPo beginnt gleich mit dem Geschäftsmodell und lässt die Politik weg. Nico Lumma sieht in der Gründung dann auch den Versuch, eine Meinungsplattform zu etablieren. Ich kann das nicht erkennen. Ich sehe den Versuch, ein billig produziertes Anzeigenumfeld zu basteln. Das ist ein fundamentaler Unterschied, weil der Unternehmung die innere Zielsetzung fehlt. Sie ist ausschließlich funktional interessiert. Ich möchte das mal an einem Bild durchdeklinieren.

Nehmen wir an, ich wäre ein Journalist und würde für die HuffPo schreiben dürfen. Eine Bezahlung bekomme ich nicht, mein Honorar ist nur die Aufmerksamkeit, die ich generiere. Diese Aufmerksamkeit kann ich dann möglicherweise woanders zu Geld machen. Dadurch passieren zwei Dinge: Erstens mal muss ich versuchen, so viel Aufmerksamkeit wie möglich zu generieren. Ich werde also jedes Mittel wählen, meine Geschichte so dramatisch wie möglich zu erzählen. Als Beispiel bietet sich wieder Lohmeyer an, dessen Überschrift ist „Steinigt mich, ich schreibe für die Huffington Post“. Und was für die einzelnen Geschichten gilt, gilt auch für die ganze Seite, die auf eine noch hässlichere Art aufgeregt ist als Rainer Brüderle am Veggie-Day. Bei näherer Betrachtung ist auch klar, warum das gar nicht anders sein kann: Wenn die deutsche HuffPo keine Agenda hat sondern nur ein Unternehmen ist, aber die meisten Autoren nicht in Geld bezahlt werden, sondern in Werbefläche für sich oder ihre Sache, dann besteht das Medium letztlich aus nichts als aneinandergeklatschten Anzeigen. Das ist nicht „Journalismus 3.0″, wie Lohmeyer es nennt, es ist haargenau das Gegenteil: Journalismus definiert sich ziemlich genau dadurch, dass er eben nicht den Inhalt des Berichts davon abhängig macht, was die Folge des Berichtes ist. Wenn ich einen Text schreibe, um damit eine bestimmte Handlung zu bewirken, ist es Werbung. Wenn ich einen Text schreibe, damit mich jemand anders bucht, für ihn einen Text zu schreiben oder einen Vortrag zu halten, dann ist es Werbung und nicht Journalismus, auch nicht Punkt null (ich möchte übrigens nie wieder hören, irgendwas wäre irgendeine Zahl Punkt null. Ich finde das affig).

Dabei ist dann auch klar, warum es sich hierbei eben nicht um ein System handelt, indem der klassische Gastbeitrag zur Regel erhoben wird. Ein Gastbeitrag setzt eine Struktur voraus, in der der Gast die Ausnahme ist – die unabhängige Stimme. Nico Lumma zum Beispiel ist eine solche unabhängige Stimme, und er erhebt sie regelmäßig zum Beispiel auf seinem Blog. Er schreibt dort und für die HuffPo, weil er bestimmte Vorstellungen davon hat, wie die Welt sein sollte, und dafür hat er natürlich lieber viel Publikum als wenig. Das ist alles gut. Aber kein Journalismus, sondern politische PR. Da habe ich überhaupt nichts gegen, ich bin sogar sehr oft seiner Meinung (Disclosure: Ich war ein paar Jahre lang gemeinsam mit ihm in der SPD), aber es ist Werbung für eine (wenn auch gute) Sache. Das kann nicht die Zukunft des Journalismus sein, weil es eben kein Journalismus ist. Wenn diese Art Beiträge aber das Herz der HuffPo sind (garniert von ein paar aufgebohrten Agenturmeldungen. In dem Moment, wo ich das hier schreibe, ist der Aufmacher unter einer Überschrift von der Größe eines Scheunentores eine eher schmierige dpa-Geschichte über die Quadratmeterzahl der Dienstwohnungen deutscher Bischöfe), dann ist das Herz der HuffPo PR und nicht Journalismus.

Und der nächste Schritt ist dann der allerwitzigste: Wenn die HuffPo-Macher Journalisten auffordern, das Schreiben für die HuffPo als Werbung für sich selbst zu betrachten, dann müssen sie nach der unternehmerischen Logik davon ausgehen, dass diese Autoren die Arbeitszeit als Werbekosten verstehen. Und Werbekosten müssen von irgendwem bezahlt werden, denn Kosten bleiben sie ja. Das Geschäftsmodell der HuffPo ist also, dass andere, klassische im Sinne von: bezahlende Medien indirekt (Lohmeyer schreibt „über Bande“) für den „Journalismus 3.0″ der HuffPo bezahlen. Uncooler geht es gar nicht, schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass die deutsche HuffPo dafür mit dem Burda-Verlag kooperiert, der so die Zerstörung seines eigenen Geschäftsmodells querfinanziert.

Das also bleibt: Die HuffPo will sich inhaltlich bestückt sehen von Leuten, die eine Werbebotschaft haben für ein – irgendein – Ziel, im Zweifel für die eigene Dienstleistung. Dabei müssen sie auch noch die Rechte an ihren Werken aufgeben. Dabei gehen die Macher explizit davon aus, dass ihre Autoren von anderen bezahlt werden. Dass ein solcher Autor per Definition eigentlich nie die innere Unabhängigkeit haben kann, die einmal die mentale Voraussetzung für Journalismus war, ist offensichtlich. Und dann führt es auch noch dazu, dass die Geschichten in ihrem Kampf um Aufmerksamkeit schreiend, blinkend und aufgetakelt daherkommen wie Olivia Jones nach zehn Herrengedecken.

Nein, ich bin nicht dafür. Ich halte das für ein obskures Unterfangen, das im US-Kontext möglicherweise sinnhaft begonnen hatte (inzwischen ist das auch nur noch eine hässliche Sammlung völlig übergeigter Überschriften und mäßig relevanter Youtube-Videos) aber hier selbst im besten Fall überwiegend, eigentlich möchte ich sagen: praktisch ausschließlich destruktive Wirkung entfalten kann und wird. Für keinen einzigen Journalisten wird es sich lohnen, kostenlos für die HuffPo zu schreiben, stattdessen wird es höchstens eine Abwurfstelle für professionelle, anderweitig bezahlte Meinung-Haber und -Äußerer sein.

HuffPo, mach es dir doch einfach selbst.

 

PS. Um das ganze noch ein bisschen meta zu machen freue ich mich, dass die Kollegen von Carta diesen Beitrag crossposten. Das ist nämlich der Unterschied: Ich kann hier machen, was ich will – und es gehört mir auch hinterher noch. Die Redaktion von Carta kann kuratieren, was zu ihrer Linie passt, und ich kriege ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für mein Weltbild. So wird ein Schuh draus. Allerdings natürlich auch kein Geschäft.

44 Kommentare

Lieber Michalis,

zunächst einmal: Schön, dass Du zumindest kurz aus dem Olivenöl-Exil zurückgekommen bist, um Deine Gedanken mit uns zu teilen – und dann muss ich natürlich gleich antworten, da Du mir ja einiges um die Ohren haust.

Ich möchte da jetzt gar nicht ins Detail gehen, aber eines festhalten: Ich trenne sowohl bei der Huffington Post als auch allen weiteren Angeboten, über die „man“ aktuell so spricht, zwischen Inhalt und Technologie.

Damit meine ich: Es ist unglaublich faszinierend, was mit der heutigen Internet- und Gadget-Technologie heute alles für uns Journalisten möglich ist. Deshalb kommt es ja gerade so sehr darauf an, was wir Journalisten daraus machen – ein liberales Gegengewicht zu einer durchgedrehten rechten Bloggerszene zum Beispiel. Oder auch eine journalistische Melkkuh, die auf billigen Content und noch billigere, weil kostenlose, Beiträge setzt.

Die Chance, mit dieser Technologie etwas Neues zu schaffen, eigene journalistische Projekte zu wagen und auch mal unterschiedliche „Monetarisierungsansätze“ zu fahren – das ist für mich der Journalismus 3.0. Nicht die Huffington Post Deutschland in ihrer aktuellen Ausprägung.

Für mich ist allein eine Frage entscheidend: Wie sieht ein modernes, aktuelles, zeitgemäßes Produkt aus, dessen Herz tatsächlich aus Journalismus besteht?

by Karsten Lohmeyer on 16. Oktober 2013 at 21:35. #

P.S. Ich versuche mir jetzt das „Punkt.Null“ abzugewöhnen – und auch die vielen Anführungszeichen

by Karsten Lohmeyer on 16. Oktober 2013 at 21:41. #

Knihihihi. Danke!

by mikis on 16. Oktober 2013 at 21:41. #

[…] Jetzt doch: Kostenlos-Kultur im Netz – die deut­sche Huf­fing­ton Post « Micha­lis Pan­t… — Micha­lis Pan­telou­ris zum »Pro­blem« Huff­ting Post: Das ist alles gut. Aber kein Jour­na­lis­mus, son­dern poli­ti­sche PR. […] Das kann nicht die Zukunft des Jour­na­lis­mus sein, weil es eben kein Jour­na­lis­mus ist. […]

by Ins Netz gegangen (16.10.) | "Nächstens mehr." on 16. Oktober 2013 at 22:17. #

Ich halte vor allem das Versprechen von der „Promotion“ für eine Farce.

Auch beim Focus sind die Leitartikel namentlich gekennzeichnet und schön mit einer Autorenpage verlinkt.

Eine kurze Umfrage in einem Freundeskreis, welche Focus-Autoren man so kenne: Schweigen.

by Sebastian on 16. Oktober 2013 at 23:14. #

[…] wie dort kein für mich relevanter Inhalt auftaucht. Bisher kam ich ganz gut damit zurecht, das zu lesen, was andere ÜBER die Huffington Post schreiben. Dank Pierre Omidyar schreibe ich jetzt aber auch über die […]

by Die Zukunft der Medien | Digitale Notizen on 16. Oktober 2013 at 23:33. #

Moin,

ich glaube, dass (zumindest für Deutschland) die Zielgruppe für Bekanntheitsgrad der Autoren nicht der Otto-Normal-Freundeskreis-Leser ist. Es geht vielen meiner Meinung nach darum, innerhalb einer journalistischen „Gemeinde“ bekannt zu werden, um so vielleicht doch irgendwann mal vom Schreiben leben zu können. Es ist eine Art Meta-Bekanntheit, die angestrebt wird.

Ich muss sagen, dass ich die Analyse zur HuffPo sehr gelungen fand. Und ich in Worten artikuliert fand, was mich an dem ganzen Konstrukt so stört.

Allerdings glaube ich, dass der sogenannte Journalismus in unserer Gesellschaft schon so „funktional kaputt“ ist, wie eine Telekom-DSL-Leitung nach der Drossel. Ich finde in Deutschland kein großes Medium, dem ich einen tatsächlichen Journalismus aus einer inneren Unabhängigkeit heraus zutraue, geschweige denn, bei dem ich diesen erkennen könnte.

Ich sehe Agenden. Ich sehe politische PR in eigener Sache und ich sehe Kriecherei vor den eigentlichen Kunden, den Werbekunden.

Ja, ich bin, was das betrifft, sehr negativ eingestellt. Ich lasse mich auch gerne immer mal wieder von einzelnen, gelungenen (dann meist Gast-)Beiträgen überraschen. Doch strukturell ist die Journalie gescheitert und hat ihre Relevanz (für mich) verloren. In meinen Augen feiern wir schon lange am Totenbett des Journalismus und genießen den Leichenschmaus. Dass nun schon die Geier kommen (HuffPo) ist nur konsequent. Wer für die HUffPo schreibt verliert in meinen Augen jeden letzten Rest von Glaubwürdigkeit und derjenige wird für mich zu einem PR-Megaphon.

Viele Grüße aus Hamburg – genießt die kommende Olivenölernte und das dann frische Öl.

by Sven on 17. Oktober 2013 at 05:29. #

@Karsten Lohmeyer: Die Huffington Post ist aber keine »Internet- und Gadget-Technologie« für Journalisten, sondern eine »Internet- und Gadget-Technologie« zum Erregen von möglichst viel Aufmerksamkeit, zum Verbreiten von möglichst viel PR und zum Verbreiten von Werbung.

Schon in den ersten Tagen wurde dort PR verbreitet, ohne das eine Trennung vom redaktionellen Teil erkennbar gewesen wäre. PR für Produkte, PR für Unternehmen, PR von Politikern. Dieser »Monetarisierungsansatz« ist kein journalistischer Ansatz, sondern ein PR-Ansatz.

Man findet diesen Ansatz auch in der gedruckten Presse. Und wer dabei auf den Burda-Verlag zeigt, sollte den Verlag Gruner + Jahr nicht vergessen: Haben Sie schon mal eine Frauenzeitschrift wie »Brigitte« vollständig durchgelesen? Kosmetik-PR, Mode-PR, Reise-PR …

Welchem Zweck dienen wohl diese Pseudo-Wettbewerbe und Preisverleihungen für lokale Unternehmen in den Lokalzeitungen? Wo soll es den Zeitungsjournalismus hinführen, wenn Journalisten gleichzeitig für die Zeitung und für PR-getriebene Verlagsbeilagen tätig sind? Was wird wohl besser bezahlt?

by stefanolix on 17. Oktober 2013 at 05:35. #

Meine Meinung zur Huffington Post De: Die Art der Autorenausbeutung hat ein neues nie gekanntes Maß erreicht.

http://www.lerg.de/2013/10/13/die-huffington-post-kommt-und-data-becker-geht/

Gruß
Andreas

by Andreas on 17. Oktober 2013 at 07:27. #

Die Huffington Post braucht kein Mensch. Journalisten ohne nennenswertes Einkommen versuchen gelegentlich sich die Sache schönzudenken oder -schreiben. Es ist und bleibt belanglos wie die 47. Marke mit Dosenbohnen im Supermarktregal. Eine von denen mit der eher hässlichen Aufmachung.

by Michael on 17. Oktober 2013 at 08:08. #

@Michael
Braucht kein Mensch ist ein Aussage, zu der wir Journalisten gerne neigen. Laut Spiegel 1983 zum Beispiel gab es gar keine sinnvolle Anwendungen für Heimcomputer. Nunja. Weitere Beispiele gibt es seitdem zuhauf. Man denke nur an Twitter.

Am Ende entscheiden eben viele Menschen, und nicht nur die Journalisten, was gebraucht wird – und was nicht.

Ansonsten stimme ich durchaus überein mit weiten Teilen des Artikels. Die Rechteeinholung ist unter aller Kanone, das wussten wir vorher nicht, hätten es aber ahnen können. Die Aufmachung ist widerlich, die erste Auswahl der Autoren (die Blogger ausgenommen) unausgewogen (CDU, CSU, FDP … Moment, FDP?!?) und der Umgang mit dem sorgfältig erstellten Material lieblos (dazu hier eine lesenswerte Geschichte blickgewinkelt.blogspot.de/2013/10/warum-ich-nicht-mehr-fuer-die-huffington-post-schreibe.html).

Mich stimmt es aber auch traurig, dass in all der Zeit eben keine „deutsche Lösung“ aus der Mitte der Journalisten erwachsen ist. Wir warten nur auf die Lösung, eigene Innovationen … vielleicht sehe ich sie nicht?

by Stephan Goldmann on 17. Oktober 2013 at 08:57. #

Sehr schöne, unaufgeregte und treffende Analyse. Vielen Dank dafür.

by Jörg on 17. Oktober 2013 at 09:12. #

Also diese HAFtPOcreme muss ja echt ne tolle wirkung haben. Hält allerdings nicht den geistigen Dünnschiss einiger Menschen da wo er hingehört.

by Schaf on 17. Oktober 2013 at 09:43. #

„Die US-amerikanische Mutter der deutschen HuffPo (bei der Arianna Huffington die Herausgeberin ist und nicht Cherno Jobatey) war eine Antwort auf die durchgedrehte rechte Blogszene der Staaten. Sie bündelte politisch liberale Stimmen als Gegengewicht. Weil sie dabei immer erfolgreicher wurde, entwickelte sich daraus das Geschäftsmodell mit der unbezahlten Arbeit. Die deutsche HuffPo beginnt gleich mit dem Geschäftsmodell und lässt die Politik weg.“

Der Klassiker: ein erfolgreiches US-Modell wird von findigen Marktstrategen nach Deutschland „übersetzt“, ohne dass das Modell überhaupt richtig verstanden wurde.
Das Ergebnis kann man wohl nur noch als ein großes Mißverständnis bezeichnen.
Das kriegt aber fast niemand mit, da man dazu ja das funktionierende „Original“ kennen müsste. Die Mißverständnisse werden als ernstzunehmende Produkte wahrgenommen. Ein Trauerspiel.

by Mokoko on 17. Oktober 2013 at 09:46. #

> Es ist eine Art Meta-Bekanntheit, die angestrebt wird

Wem es darum geht, der ist da vielleicht richtig. Aber mehrere Blogger haben mir gesagt, dass sie das machen, um ihren Blog bekannter zu machen dafür mehr Reichweite zu bekommen.

Und das wird imho nicht funktionieren.

by Sebastian on 17. Oktober 2013 at 09:51. #

Danke, Herr Pantelouris, für die treffende Einschätzung.

Burda ist ein erfolgreicher Verlag. Wenn man dort ein Projekt anschiebt, daß ohne Autorenhonorare funktionieren soll, heißt das zweierlei:

1. In Offenburg ist man schäbigkeitstechnisch noch ein bißchen weiter als in der Hamburger Burchardstraße, bei Springer oder der Funke-Gruppe.

2. Wer nix zahlt, kriegt auch nur entsprechendes Material, sprich: PR und Schwurbel von Leuten, die glauben, eine Botschaft zu haben.

Viel Glück damit.

by Kurt Mueller on 17. Oktober 2013 at 10:21. #

[…] coole Eldorado für die Journalisten von morgen, brachten das Fass zum überlaufen. Nun ist mir Michalis Pantelouris zuvor gekommen – aber so was von zuvor. Besser als der von mir sehr geschätzte Kollege […]

by Hurra, die deutsche Huffington Post ist da! | wort 0221 on 17. Oktober 2013 at 10:52. #

Due Huffington Post ist nichts weiter als eine etwas bessere Artikelschmiede. Davon gab es in der Vergangenheit schon ein paar und wird es wohl auch immer wieder geben.

Solange es der Huffington Post nicht gelingt, wirklich gute Artikel zu publizieren, bietet sie den Autoren auch kein Umfeld, in dem sie sich wirklich profilieren können. Und solange ist sie lediglich für die Suchmaschinenoptimierung interessant, nämlich mit einem einzigen fetten Link für die Domainpopularität.

by Oli on 17. Oktober 2013 at 11:24. #

Es wurde schon angesprochen, ist aber ein Punkt, der neben der rechtlichen und wirtschaftlichen Seite ein wenig untergeht.
Wie kann ich als Leser Journalisten ernst nehmen die in diesem Umfeld aus zusammengeklaubten Agenturmeldungen, Boulevard und marktschreierischen Artikeln veröffentlichen.
Die Blogger aus der zweiten Reihe: Lumma oder Pallenberg die vor allem PR in eigener Sache tätigen, haben mit Journalismus doch nichts zu tun?
Das sollte ernsthaften Journalisten doch viel mehr abschrecken, die Argumentation, dass nur bestimmte Zielgruppen für die jeweiligen Autoren relevant sind, greift doch viel zu kurz. Diese haben doch jetzt schon ihre Leserschaft, dem vermeintlichen Zugewinn an Lesern folgt die Abwanderung in selber Größenordnung.
Dennoch wird die HuffPo natürlich ein Erfolg. In Zeiten in den Webseiten bzw. Blogs keine eigenen Inhalte mehr veröffentlichen, sondern copy/paste + zwei Zeilen dazu, erheblichen Erfolg haben (siehe Nerdcore, Kraftfuttermischwerk und sonstiger Schrott) geben sich die Leser auch mit einem Substitut eines journalistischen Angebots zufrieden.

by JMK on 17. Oktober 2013 at 11:54. #

[…] den neuen Medien tendenziell positiv gegenübersteht. Er hält die Huffongton Post schlicht für „unsäglichen Müll“. Seine Argumentation: Wer nur um der Reichweite willen schreibt, schreibt nicht objektiv. Er (oder […]

by Die Huffington Post Deutschland ist eine Woche online - crowdmedia - Digital Content Marketing on 17. Oktober 2013 at 12:38. #

Danke für den Artikel und den „x.0″-Kommentar! 😀

Ich kann euch Journalisten nur raten: arbeitet nicht umsonst (es sei denn es ist für eine karitative Sache mit wenig Budget)!
Wer einmal anfängt, für umme zu arbeiten endet später darin sich dafür zu rechtfertigen, warum er denn plötzlich für seine Arbeit Geld haben will.

by Ky on 17. Oktober 2013 at 13:06. #

Wirklich grundsätzlich interessant finde ich ja, was hier (meiner Meinung nach) zu knapp behandelt wird: Den Bekanntheits- und Aufmerksamkeitsgewinn, den jemand duch das Schreiben bei solchen Plattformen gewinnt, muss und soll also jemand Anderes an anderer Stelle bezahlen. Ökonomisch betrachtet ist das eigentlich nur begrenzt sinnvoll und, so meine These, es wird nur in den seltensten Fällen auf Dauer funktionieren – bei einigen wenigen vielleicht, bei vielen eher nicht. Denn das Ganze bleibt ja ökonomisch nur sinnvoll, wenn es gelingen kann/sollte, den zusätzlichen nötigen Umastz oder gar Gewinn durch erhebliche Aufschläge (wegen Prominenz) an der anderen Stelle wieder hereinzubekommen. Wem das egal ist, das ist im Beitrag treffend analysiert, macht Eigen-PR, Agitation etc. Ich glaube kaum,dass sich das Modell für „normale“ Journalisten, die einem Beruf mit einem erheblichen Anspruch (siehe Grundgesetz) nachgehen, auf Dauer durchhalten lässt. Vielmehr wird es eine Abwärtsspirale bei den Honoraren etablieren.

by M Schneider on 17. Oktober 2013 at 14:24. #

„Ich war ein paar Jahre lang gemeinsam mit ihm in der SPD“? Oh Gott, das heißt ja dann, Du warst auch gemeinsam mit Thilo Sarrazin in der SPD!

by Trollinger on 17. Oktober 2013 at 15:06. #

Aber das mit dem Querfinanzieren der neuen Medien durch die alten ist ja noch an vielen Stellen so. Bei Springer etwa haben sie ja seit Anfang des Jahres gemerkt – und dann im Sommer gehandelt – dass die teils darbenden, teils aber auch gut laufenden „alten“ Print-Objekte die „neuen“ Web-Projekte alle noch finanzieren, und sich daran auch nichts ändern wird, weil man im Internet mit Informationen (ich sage bewusst nicht „Journalismus“) kaum was verdienen kann. Pikanterweise kostet das vom Print teuer finanzierte Produkt im Internet ja nichts und verdient wenig – denn mit (ausblendbarer) Werbung lässt sich kaum eine Mark machen. Und so läuft es also auch auf der individuellen Ebene weiter, dass die neuen Medien (2.0., 3.0 usw.) wie etwa die HuffPo kurioser Weise Querfinanzierung brauchen, weil die Werbung eben die Rechnung nicht zahlt. Und weil es kein anderes Geschäftsmodell gibt, das funktioniert. Und wenn man denn Querfinanzierung braucht, dann braucht man eben Finanzierer, die damit ein Interesse verknüpfen. Womit wir wieder bei der PR der Autoren für sich selbst wären. Die Krux ist offensichtlich, dass egal wie man es dreht oder wendet das, fehlende funktionierende Geschäftsmodell „Journalismus im Internet“ das dominierende Thema der Zeit ist. Und zu allen Zeiten hat es Selbstausbeuter gegeben, die sich etwas davon erhofft haben, ihre Arbeitskraft zu verschleudern. Geklappt hat das glaube ich selten, aber es gibt ja auch viele, die Lotto spielen.

by Kai Lewendoski on 17. Oktober 2013 at 15:16. #

Noch immer nicht wissen, dass es DAS Blog ist, aber für (ausgerechnet:) Burda umsonst schreiben, weil es „den“ eigenen Blog bekannter machen soll.
Hackt’s noch?

by Klaus on 17. Oktober 2013 at 17:13. #

😉 Ich sag auch DER Blog …

by mikis on 17. Oktober 2013 at 17:14. #

Der Kern scheint mir dieser zutreffende Hinweis auf die amerikanischen Verhältnisse, gerade was das Entstehen der HuffPo betrifft. Dort irgendwie links(liberal) zu sein ist hier bestenfalls mittig bis rechts.

Die Amerikaner haben hierzulande wohl keinen „besseren“ Partner finden können und das Missverständnis der Kostenlos-Autoren bestand dann darin, dieses mittig-rechte hierzulande mit der FAZ zu verwechseln. Sie, die im Grunde, nach eigenem Selbstverständnis wohl „Qualitätsjournalisten“ müssen nun fürchterlich rudern, um aus diesem Focus/Bild-Kamauck wieder raus zu kommen; werden das natürlich erst einmal wortreich entschuldigend vorbereiten.

Neben den hier exemplarisch Genannten habe ich beim sporadischen Reinschauen weitere Namen gelesen, deren Blogs mir bislang immer mal einen Besuch wert waren, deren Gedanken ich anregend fand. Ok, das zumindest unterschwellige „book me“ war meinerseits nicht zu bedienen; aber dafür gibt es ja jetzt die HuffPo – viel Glück!

by ebertus on 17. Oktober 2013 at 17:22. #

Ich sach mal so und mal so… 😉

by Karsten Lohmeyer on 17. Oktober 2013 at 17:22. #

Selbstreferentielle Wannabee-scheiße.

by Matt on 17. Oktober 2013 at 17:26. #

Ein treffender Artikel. Jeder mag aus anderen Gründen schreiben. Manche um des Geldes willen, andere um der Aufmerksamkeit. Manches Mal lässt sich das sogar vereinbaren.
Aber wie im Artikel richtig geschrieben, lässt die deutsche HuffPo die politische Meinungsmache und Bündelung außen vor. Sie hatte für einen Start hierzulande auch einen anderen Anreiz.
Gut geschriebene Artikel werden immer gehen.Tretmühlenartig wiederholte PR-Texte werden genauso schnell aus dem Hirn des Lesers verschwinden, wenn sie denn den Weg dahin überhaupt gefunden haben.

Eine neue Art des Journalismus sehe ich bei der deutschen HuffPo nicht. Artikel und gesammelte PR gab es auch schon beim Start von news.de – also nichts Großartiges und Tiefes jetzt.

by Sven on 17. Oktober 2013 at 18:19. #

[…] Crosspost von Michalis Pantelouris […]

by Jetzt doch: Kostenlos-Kultur im Netz – die deutsche Huffington Post | Carta on 18. Oktober 2013 at 12:38. #

Guter Post. Ich finde Du hast recht. Ich denke eher, jetzt sollte man überlegen, wie man als Unternehmen und Marke versucht sich unbeobachtet zu positionieren und auf HuffPo Werbung zu machen. Journalismus ist was anderes. HuffPo ist ein Sprachrohr.

by Carsten on 18. Oktober 2013 at 12:52. #

Dass eine Genehmigung erforderlich wäre um die eigenen Inhalte erneut an anderer Stelle zu veröffentlichen halte ich für nicht richtig. Wie auch der DJV festgestellt hat enthalten die Nutzungsbedingungen das Wort „exklusiv“ nicht und eine solche Auslegung wäre somit mindestens überraschend (und folglich nichtig). Die Aussage dass die Inhalte der HuffPo nicht kopiert oder veröffentlicht werden dürfen sagt nichts über das auf dem lokalen Computer vorhandene Original des Artikels aus, für den bestimmte Rechte an die HuffPo eingeräumt wurden, aber eben nicht das exklusive Recht der Veröffentlichung oder des Verkaufs usw. Ich bin jedoch kein Anwalt, sondern Schreiber.

by Armin on 18. Oktober 2013 at 20:01. #

Danke, dass endlich mal jemand ausspricht, was ich schon lange denke: Blogger sind keine Journalisten und egal, wie oft ich was in einen Blog schreibe, ich werde nicht automatisch zu einem. Diesem Irrglauben sitzen, denke ich, sehr viele Blogger in maßloser Hybris schon sehr lange auf.

Zur Huffpo ist aus meiner Sicht zu sagen, dass mich inhaltlich wenig interessiert, was da passiert. Dennoch gefällt mir an der Idee, dass es ein Versuch ist, Dinge zu ändern. Viel zu viel wird mir bei uns nur gelabert und vor allem aus dem Lesesessel heraus kritisiert. Fragt man nach einer besseren Alternative zur alten Medienlandschaft kehrt Stille ein. Deshalb gebe ich neuen Dingen gerne mal die Chance, sich zu entwickeln, anstatt sie von Beginn an in Grund und Boden zu kritisieren. Können wir in Deutschland aber leider nicht gut. Wir sind gern Fingerzeiger und Besserwisser. Und deshalb geht auch wenig voran.

Danke für die Aufmerksamkeit. :)

by Tom on 19. Oktober 2013 at 10:36. #

[…] Herr Pantelouris regt sich über die HuffPo auf. – Recht hat er. […]

by links vom 19. Oktober 2013 | robertkrueger.de on 19. Oktober 2013 at 20:01. #

[…] Und nun noch ein Sicherheitshinweis. Zur Huffington Post siehe aber auch hier. […]

by Woanders – diesmal mit Eventisierung, Flohmärkten, Blogrolls und anderem | Herzdamengeschichten on 20. Oktober 2013 at 06:37. #

[…] Jetzt doch: Kostenlos-Kultur im Netz – die deutsche Huffington Post […]

by Link(s) vom 20. Oktober 2013 - e13.de on 20. Oktober 2013 at 07:54. #

[…] Jetzt doch : Kostenlos-Kultur im Netz – die deutsche Huffington Post […]

by Linkgebliebenes31 « kult|prok on 20. Oktober 2013 at 17:02. #

[…] Ebenfalls lesenswert, was Michael Pantelouris über den System- und Logikfehler der deutschen Huffington Post schreibt. […]

by Ach, und übrigens … (19): Huffington Post, Gravity, Star Wars | Christian Buggischs Blog on 21. Oktober 2013 at 06:46. #

[…] Jetzt doch: Kostenlos-Kultur im Netz – die deutsche Huffington Post « Michalis Pantelouris Michalis Pantelouris analysiert das Geschäftsmodell der Huffington Post und seine Auswirkungen auf den Journalismus. […]

by Link-O-Rama vom 16.10.2013 bis 22.10.2013 | BielinskiBlog on 22. Oktober 2013 at 10:24. #

A propos Aufmerksamkeit. Mit großem AU.

by vera on 23. Oktober 2013 at 11:31. #

Danke, Danke und nochmals Danke.

Das mit der eigentlichen Entstehungsgeschichte der HuffPo und den Hintergründen war mir bis jetzt noch nicht bekannt. Aber mit diesem Wissen im Hinterkopf wird das Ansinnen der Huffington noch absurder. Da wird wirklich ein sehr einfältiges Geschäftsmodell nachträglich zu einem konzeptionellen Popanz aufgeblasen (neue Ufer blabla, Journalismus 3.0 blabla …). Viel einfacher wäre es, man ließe diesen Legetimationsversuch einfach weg und sagt, wir wollen einfach schweinereich werden und das ist gut so.
Freue mich, diesen Beitrag auch in meiner kleinen Abhandlung über die HuffPo zu verlinken.

http://www.lars-mielke.de/4215/huffington-post-deutschland-ein-weiteres-blog-das-keiner-braucht/

by Lars Mielke on 24. Oktober 2013 at 16:36. #

[…] blicken die Redakteure von Zapp auf das Geschäftsmodell. Sehr eindeutig bezieht der Journalist Michalis Pantelouris Stellung. Lesenswert, weil gut […]

by Huffington Post Deutschland – ein weiteres Blog das keiner braucht? | Marketing | Webdesign und Kartographie on 24. Oktober 2013 at 16:39. #

[…] auf ihre Person kund zu tun wünschen. Es ginge ihnen ja nur um Aufmerksamkeit, heißt es, aber die, die solchermaßen Geringschätzung äußern, begehren nicht wirklich mit Aufmerksamkeit bedacht zu […]

by #Aufmerksamkeit – diesen Text bitte nicht lesen! #huffpo | Differentia on 1. November 2013 at 11:14. #

Leave your comment

Required.

Required. Not published.

If you have one.



%d Bloggern gefällt das: