Logik für alle!

Pech beim Denken entsteht zumindest meiner Beobachtung nach gar nicht unbedingt durch Fehler, sondern dadurch, dass man zu früh damit aufhört. Der „Starinvestor“ George Soros legt im SPIEGEL sehr sachlich dar, was die Optionen für Europa sind: nämlich deutlich mehr oder deutlich weniger gemeinsame Finanzpolitik, letztlich entweder eine Auflösung in kleinere Einheiten (bis hin zurück zu Nationalstaaten) oder eine echte Währungsgemeinschaft inklusive gemeinsamer Schulden. Und er legt dar, warum es sinnvoller ist, dass Deutschland den Euro verlässt und nicht ein (oder alle) so genannten Krisenstaaten.

Es ist wahnsinnig lustig, die Kommentare der Leser darunter zu lesen, die ziemlich exakt die Diskussionen widerspiegeln, die ich regelmäßig habe: Nach Ansicht vieler Deutscher sollte Deutschland auf keinen Fall den Euro verlassen, weil die nächste Währung (nennen wir sie D-Mark) sofort aufwerten würde, und Leben mit einer zu starken Währung bedeutet weniger Exporte, also weniger Arbeitsplätze und dadurch sinkende Einkommen, eine kontraktierende Wirtschaft, letztlich viel, viel Elend. Wir wollen nicht mit einer zu starken Währung leben.

Wenn wir aber exakt dasselbe, nämlich eine zu starke Währung, südeuropäischen Ländern aufdrücken, dann sind diese selber Schuld.

Man bräuchte nur auf alle Fälle dieselbe Logik anwenden, dann wäre man in der Analyse kongruent und könnte endlich anfangen, die echten Probleme nachhaltig zu lösen.

24 Antworten auf „Logik für alle!“

  1. Das ist eine Möglichkeit: keine Währungsunion mehr. Aber natürlich ginge es auch innerhalb einer Währungsunion, wie zum Beispiel die Bundesrepublik Deutschland zeigt. Sie bräuchte nur einen (auch gerne aus mehreren Teilen bestehenden) Mechanismus, die Produktivitätsunterschiede auszugleichen, die es in jeder Währungsunion gibt.

  2. „Nur“ ist natürlich Quatsch. Sie bräuchte unter anderem so einen Mechanismus. Allerdings auch nachhaltige Haushaltskonsolidierungen in den Ländern (und nachhaltig heißt eben nicht nur Sparen), gemeinsame Schulden, eine Bankenunion usw. usf.

  3. Ich bin ja versucht zu sagen, wenn man erst einmal in einer Situation ist, in der man Produktivitätsunterschiede ausgleichen muss, hat man schon was gravierend falsch gemacht.
    Aber das ist wahrscheinlich zu aphoristisch, um richtig zu sein.

  4. Das ist, korrekt beobachtet, falsch. Nähmen wir an, Deutschland würde den Euro verlassen. Dann würde die Währung aufwerten und Deutschland wäre weniger produktiv, weil die Lohnstückkosten steigen würden – ohne, dass jemand bei Daimler oder VW etwas falsch gemacht hätte.

    Und das ist jetzt nur das eine Beispiel.

  5. Ich halte meine Bemerkung zwar auch für zu pauschal, aber was du nun schreibst, ist in meinen Augen kein Beleg dafür. (Und dass wir mit unserem jetzigen Währungssystem, gleich ob Euro oder Re-Mark, etwas gravierend falsch machen, ist doch mutmaßlich sogar Konsens zwischen uns, obwohl wir uns wahrscheinlich nicht drauf einigen könnten, wie es richtiger wäre.)

  6. Wie gesagt, nimm ruhig die Bundesrepublik als Maßstab: Es gibt Regionen, die zeitweise oder sogar langfristig nicht „konkurrenzfähig“ sind, und das aus den verschiedensten Gründen (als Beispiele: eine Kohleregion, wenn die Kohle alle oder nicht mehr gefragt ist). Wenn sie Teil der Währungsunion bleiben sollen, muss man einen Teil der anderswo erwirtschafteten Gewinne hier anlegen – und das kann sinnvoll regelmäßig nur der Staat. Das heißt nicht, dass in der Region etwas falsch gemacht wurde, aber sie braucht einen Wandel, den sie aus eigener Kraft wahrscheinlich nicht schafft. Wie Spanien nach der Immobilienblase.

  7. Ich streite mich total gerne weiter mit dir und werde auch ausfallend, wenn du möchtest, aber dafür müsstest du was schreiben, dem ich widersprechen will.
    Na gut, das ist jetzt tautologisch formuliert, aber mir fällt gerade nichts Besseres ein.

  8. Ja, das auch.
    Und innerhalb der Staatslogik zu argumentieren, fehlt mir auch zunehmend das Interesse, weil ich die komplexen Zusammenhänge, die man dafür braucht, genausowenig verstehe wie du oder irgendein anderer Mensch. Na gut, vielleicht noch ein bisschen weniger.

  9. Aber ist „eine zu starke Währung, südeuropäischen Ländern aufdrücken“ nich ein bisschen übertrieben? Ich meine jeder kommt doch freiwillig in die Währungsunion, oder nicht?

  10. Endlich einer wie G.Soros der in die Öffendlichkeit
    erstmals die Missratene Wirt.Politik des F.Min.in
    frage stellt.Es gibt noch mehr den Man entgegenstellen kann.
    Propaganda-Machinery gegen Eine Europa durch Medien,
    Shows gehen weiter .Man beachte die Personen, dass sagt
    schon alles.
    Mike ich bin fast Stolz auf Dich

  11. Griechenland hat seine Bilanzen gefälscht, um der Währungsunion anzugehören. Tatsache, oder?
    Es war also für Griechenland attraktiv, einer Starkwährungszone anzugehöhren, da niedrige Zinsen und stabile Preise in Aussicht waren. Deutschland hat Griechenland nicht zum Beitritt gezwungen.
    Die Konsequenzen, nämlich Lohnzurückhaltung und solide Finanzen wollten die griechischen Politiker ihren Wählern dann aber nicht zumuten.
    Und so kam die Krise.
    Der Euro wurde eingeführt, um Frankreich, Spanien, Griechenland etc. von der Stabilität der D-Mark profitieren zu lassen. Diese Länder hätten ihre Politik des lockeren Geldes einstellen müssen, genauer, des Konsums ohne Erwirtschaftung desselben , dann wäre es nie zu diesen Verwerfungen gekommen.
    „No bail-out“ war vereinbart und jetzt zahlen die deutschen Steuerzahler ohne Aussicht auf Kompensation.
    Nun, wieso sollte also Deutschland den Euro verlassen? Südeuropa hat die Währung bekommen, die vereinbart wurde, nicht die erhoffte Weichwährung.
    „If you can’t stand the heat, get out of the kitchen“ und „Pacta sunt servanda“.

  12. Wir gesagt: Logik würde der Diskussion gut tun. Aber ich mag dieses Pfeifen von Luftpumpen auch irgendwie.

  13. Die Beleidigung war nicht subtil genug.

    „Wir gesagt“, wo fängt die Logik denn an?

    Der Euro wird (auf Drängen Frankreichs) eingeführt, viele wollen mitmachen, ohne dafür qualifiziert zu sein.
    Ist Deutschland schuld?

    Nun ist der Euro da, Deutschland reformiert sich (Hartz!) und der Süden Europas tut nichts.
    Ist Deutschland schuld?

    „Wenn wir aber exakt dasselbe, nämlich eine zu starke Währung, südeuropäischen Ländern aufdrücken, dann sind diese selber Schuld.“
    Wem wurde denn der Euro aufgedrückt? Eher wohl Deutschland und nicht den PIIGS.
    Hart ist der Euro, weil Deutschland darauf bestand. Warum wollten diese Länder trotzdem beitreten?
    Klar, um von den Vorteilen einer harten Währung zu profitieren.
    Jetzt soll der Verfechter der harten Währung aus dieser Währung aussteigen oder sein Geld auf dem Altar der Gemeinschaft opfern. Wo ist da die Logik? Ich sehe bestenfalls eine sozialdemokratische!

  14. Observer,
    bislang hat D sein Geld nirgendwo geopfert – im Gegenteil, D profitiert wegen der unterschiedlichen Zinshöhe massiv von der Eurokrise. So viel Ehrlichkeit muss schon sein. Ihr beide, du und mikis, diskutiert mir zu dogmatisch. Beide sehen allein einen Verursacher, allein einen Grund (wobei ihr nicht ganz so scheuklappenmäßig unterwegs seid wie Jose, aber der ist eh unerreichbar).
    Eure Positionen würden es aber beide zulassen, die Fixierung auf Banken-orientierte Politik zu beenden und die Geldhäuser stärker in die Verantwortung zu nehmen. Denn auch mit Schuldenbremse und Umstrukturierung der Volkswirtschaften wird es nicht gehen, solange dieses „too big to fail“ wie eine Art Naturgesetz der europäischen Finanz- und Wirtschaftspolitik die Luft abschnürt.

  15. @ Observer: Glaubst Du wirklich, was Du da schreibst? Deutschland hat eine VEreinbarung getroffen – Inflationsziel 2 % – und hat sie gleich nach Beginn der Währungsunion gebrochen: Es hat – durch verschiedene sozial- und tarifpolitische Maßnahmen – einen so großen Druck auf die Löhne erzeugt, dass die Realeinkommen bei den unteren 8 Dezielen der Lohn- und Gehaltsempfänger gesunken sind. Das konnte nur funktionieren, weil andere Länder in einer Währungsunion an Deutschland gekettet waren und der Euro so etwas wie einen gemeinsamen Goldstandard darstellte (Brüning lässt grüßen). Das hat die Lohnstückkosten, die hier die entscheidende Größe sind, sinken lassen. Wäre das nicht der Fall gewesen, wären die Einbrüche im deutschen Binnenmarkt nicht durch gesteigerte Exporte ausgeglichen worden. Die D-Mark hätte nämlich aufgewertet (oder vielmehr wäre sie aufgewertet worden.) Das sog. deutsche Jobwunder, das ohnehin sehr kritisch zu sehen ist, da es ein Billiglohn und Leiharbeitswunder ist, und außerdem bald vorbei, hätte es dann auch nicht gegeben. In den Staatskassen sähe es noch düsterer aus und der Binnenmarkt, der jetzt über die Einkünfte aus dem Export immerhin noch auf dem Niveau von 1994 gehalten werden konnte, wäre vollends zusammengebrochen. Schön, schön, aber so geht es nicht mehr weiter. Wenn wir alle Europäer zu Nettoexporteuren ohne Binnenmarkt machen wollen, muss jemand bereit sein, uns die Überschüsse mit eigenen Defiziten abzunehmen. Den gibts aber nicht.
    Schluss also mit der Legende, die anderen hätten die Fehler gemacht. Es war Deutschland, das mit einer UNVERANTWORTLICHEN beggar thy neighbour -Politik die Währungsunion – und den Wohlstand seiner Bürger – zerstört hat.
    Für eine wirtschaftswissenschaftlich fundierte Aufklärung über diese Zusammenhänge empfehle ich die Website Flassbeck Economics. Wer als Laie hier sein ökonomisches Denken schult, erkennt schnell, was von den „Argumenten“ der Austeritätsapostel und der neuen deutschen Überheblichkeit („am Deutschen Wesen soll die Welt genesen“) übrig bleibt: Nichts!

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