SPIEGEL-ONLINE stellt Griechen Katastrophen-Überschrift aus

17. Februar 2012

Die so genannte Troika scheint – als letzte, aber immerhin – zu bemerken, dass ihr Programm für Griechenland nicht funktioniert – also das festzustellen, was außer ihr längst alle wissen (als Beispiel ein Wirtschaftsweiser vor mehr als einem halben Jahr). Das steht nun auch im Bericht des IWF: Mit diesen Programmen sind die “Sparziele” nicht zu erreichen, weil sie zum Beispiel die Konjunktur völlig falsch prognostiziert haben (-5,5% statt real -12%).

Unter welcher Überschrift schreibt man das zusammen, wenn man möchte, dass die Schuld am Verfehlen der Sparziele als “mangelnder Sparwille” der irgendwie schülerhaft verantwortungslosen Griechen missverstanden wird, SPIEGEL ONLINE? Genau!

Troika stellt Griechen Katastrophen-Zeugnis aus

Dabei stellt die Troika dabei sich selbst ein Katastrophen-Zeugnis aus.

11 Kommentare

Zugegeben, SPON nervt immer mehr. Aber sind es die Ein- und Ausfälle der MM wert, sich dran aufzuhängen?
Und wenn ja – wo ist die Kritik an Nazi-Vergleichen und ähnlichen Schweinereien? Und die Troika und die Sparziele… soll man darüber ernsthaft reden? Und auf Besserwisser hinweisen?
These: Jeder halbwegs interessierte weiß und wußte von Anfang an, dass die Troika-Spar-Koordinaten jedenfalls keine ernstzunehmende Strategie für ihre eigenen proklamierten Ziele waren. Aber andere Alternativen hatte man nicht, um den Karren im Dreck am laufen zu halten.

by Florian on 17. Februar 2012 at 14:44. #

Schlimme Überschrift, klar.

Aber wie kann die Genesung aussehen – hast Du da eine Idee? Bei Anne Will hat mich Dirk Müller überzeugt, daß es wohl keinen anderen Weg gibt als den Austritt aus der Währungsgemeinschaft auch für andere Länder. Es scheint, als sei niemand bereit weiter zu denken als “irgendwie retten”, aber wie konkret auch über die nächsten Monate und Jahre realistisch hinausgedacht, das höre ich nirgendwo.

by Sanníe on 17. Februar 2012 at 20:12. #

Ich werde mich dem noch ausführlich widmen, aber ganz kurz: Die Risiken, wenn GR den Euro verlassen wurde, sind praktisch unüberschaubar und die Wirkung einigermassen ungewiss (mit einiger Regelmäßigkeit wurden in der Vergangenheit Abwertungen schnell durch Inflation aufgefressen). Es müsste gelingen, eine “Ansteckung” durch die dann bankrotten griechischen Finanzinstitute zu vermeiden, GR müsste entweder eine Umwandlung der Schulden in die neue Währung oder einen praktisch vollständigen Schuldenschnitt verhandeln (was möglicherweise Gefahren für die Kreditgeber birgt), damit die Schulden in der neuen Währung nicht automatisch um den abgewerteten Faktor wachsen, und natürlich weiter durch die Euro-Länder liquide gehalten werden, weil eine Rückkehr an den Markt auf absehbare Zeit unmöglich ist. Gleichzeitig müsste zumindest Portugal den Euro verlassen, weil die Produktivität dort noch schwächer ist und heute schon die Portugiesen mit Blick auf GR viel Geld ins Ausland schaffen, angesichts eines griechischen Austritts würde dort eine Bankflucht einsetzen und das System kollabieren. Und dann geht es erst los: Sollten GR und POR durch das verlassen des Euro und eine eigene Währung tatsächlich Erfolge erzielen, wird es z.B. in Spanien sehr schwierig zu vermitteln, warum die Jugend Arbeitslosigkeit ertragen soll, wenn es auch anders geht. Es wäre, kurz gesagt, das Ende des Euro und möglicherweise so etwas wie die Geburt eines Nordeuro. Rein ökonomisch hielte ich das für Dutschland für einen Nachteil (D profitiert ja auch heute mehr als alle anderen, allein durch die GR-Krise hat D 10 Milliarden Euro mehr). Politisch wäre es eine absolute Katastrophe – das Ende des europäischen Projektes, wie wir es kennen, ein Rückschritt um 50 Jahre und das alles tatsächlich nur, weil Banken offensichtlich nicht verantwortungsvoll mit Geld umgehen können. Es ist auch nicht billiger als eine Rettung des Euro, mit der man ja endlich mal anfangen müsste.

Unumgänglich ist in beiden Fällen ein Investitionsprogramm in GR anstelle dieses sinnlosen so genannten Sparens. Entgegen der gängigen veröffentlichten Meinung gibt es in GR ja sowohl funktionierende Wirtschaftszweige als auch riesiges Potenzial, das entfesselt werden kann und muss. Und die Unetrschiede in der Produktivität lassen sich z.B. ein gutes Stück schon dadurch ausgleichen, durch das sie seit Jahren ausgeglichen wurden: ein griechischer Arbeitnehmer arbeitet im Jahr 30 Prozent mehr als ein deutscher.

by mikis on 17. Februar 2012 at 20:37. #

Hm.. welche funktionierenden Wirtschaftszweige? Mir fallen da nur Tourismus, Transport, Pharma und Landwirtschaft ein. Was könnte da (noch anderes?) entfesselt werden? Ist Förderung auf Grundlage der bestehenden Strukturen sinnvoll? Mein aktuelles persönliches Fazit bzw. meine träumerische Hoffnung ist, dass Griechenland eine Vision bekommt, einen riesigen inneren “Ruck”, einen radikalen und schlauen Drang zu sehr tiefgreifenden Veränderungen. Aber ich sehe niemanden in GR, der das wuppen könnte.
Was halten Sie (abgesehen davon, dass er Sie nervt) inhaltlich von Sinns http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/im-gespraech-oekonom-hans-werner-sinn-wir-sitzen-in-der-falle-11653095.html Thesen?

by Florian on 18. Februar 2012 at 10:23. #

Es ist so wie so schwachsinnig Länder wie Griechenland oder Portugal mit Deutschland zu vergleichen.

Was Ich damit meine?

Ein 10 Millionen-Völkchen kann doch industriell nicht mit einem 80 Millionen-Land konkurrieren.Allein schon finanziell machen grosse Länder kleine Länder platt.Schon deswegen weil sie eben nicht nur mehr Geld für Forschung und Innovation ausgeben sondern auch viel Massenware sehr viel billiger produzieren können.Deutschland ist doch das China Europas.Aber nicht mehr lange.Nur noch 5,2 Millionen Menschen arbeiten in der Industrie,und dies wird auch noch als Jubelnachricht verkauft.Nur zum Verständnis,5,2 Millionen sind gerade noch 12% aller Beschäftigten in Deutschland.Noch in den 90ern lag dieser Anteil bei knapp 30%.

Und noch was:

http://www.manager-magazin.de/fotostrecke/fotostrecke-74000.html

Die Griechen haben mit am wenigsten Schulden wenn man einmal alle Schulden eines Landes in Betracht zieht(wie es eigentlich auch geschehen müsste wenn es England,die USA,Frankreich und Deutschland zulassen würden,aber dann würden alle sehen wie bankrott alle entwickelten Industrie-Länder sind).

Die Griechen haben also wenig Privatschulden,dafür besitzt aber so gut wie jeder Grieche unheimlich viel Vermögen in Immobilien.Aber auch dieser Wert wird nicht in das “Volksvermögen” der OECD eingerechnet.Weil man dann nämlich sehen würde wie arm z.B. die Deutschen oder die Franzosen und wie reich eigentlich die Griechen und die Italiener sind.Merkwürdig auch das es gerade die beiden letztgenannten Nationen in den neoliberalen Medien so gebasht werden und genau die beiden Nationen sind die einen Banker als Ministerpräsidenten übergestülpt bekommen haben um “zu sparen”.

by Jose on 18. Februar 2012 at 23:21. #

“und das alles tatsächlich nur, weil Banken offensichtlich nicht verantwortungsvoll mit Geld umgehen können”

Ich weiß nicht, ob Klein-Fritzchens Art, die Welt zu sehen, immer die richtige ist. Diese Thesen, die immer hundertprozentig genau einen Schuldigen für ein Desaster ausmachen wollen, waren mir schon immer suspekt.

by theo on 19. Februar 2012 at 09:53. #

ich bin keine wirtschaftswissenschaftlerin, kann mit vielen fachbegriffen zur gr-krise zu wenig anfangen, hätte aber gerne verständliche zahlen. eine art summen- saldenlisten, wie sie bei allen unternehmen üblich ist. einnahmen vs. ausgaben über einen zeitraum von 3-5 jahren (2007/2009 bis 2011). ich bin sicher, es gibt fleissige journalisten, die sich nicht nur mittels mehr oder minder wichtiger worte ausdrückt, sondern sich tatsächlich die mühe gemacht haben, zahlen/fakten übersichtlich zusammenzustellen. wo kann ich mir die früchte einer solchen fleißarbeit reinziehen? helft mir – ich will verstehen

by despi on 19. Februar 2012 at 11:50. #

Liebe Despi,

dieses Problem haben leider fast alle.Das Thema ist hochkomplex aber die Medien bedienen nur neoliberale Propaganda.Fakt ist das eigentlich alle entwickelten Staaten von den USA über Europa bis hin zu Japan Schulden(öffentliche,unternehmerische und private) weit über 300-1000% ihres Bruttosozialproduktes haben.Die Griechen haben sogar prozentual ungefähr so viele (320-350%) Gesamtschulden wie die Deutschen und weit weniger als z.B. die hochgelobten Iren,Holländer oder die Belgier.Schon bald wird sich dieser Fakt klar herausstellen.Nämlich dann wenn die nächste multinationale,grosse Bank den Bach runtergeht und es für niemanden,also keinen Staat,keine Bank,kein Unternehmen mehr Kredite gibt weil keine Reserven mehr vorhanden sind wie nach dem Lehmann-Brothers Zusammenbruch als die Zentralbanken Billionen Euro und $ druckten um Konjunktur-Programme zu schnüren.Wenn es also bald so weit ist sind Länder mit niedrig privat verschuldeten Menschen die Ihr ganzes Kapital in Immobilien und Land angelegt haben noch am besten dran.Sprich:Italien und Griechenland.Wenn es dort auch noch sonnig und grösstenteils schön warm ist um so besser.

Am schlimmsten (wenn es dann zur Hyperinflation/Deflation kommt) wird es die Länder treffen in denen die Menschen privat hoch verschuldet und kaum abgezahlte Sicherheiten wie eben z.B. Immobilien besitzen.Sprich:Irland,England,Holland,Spanien.

Länder wie Deutschland oder Frankreich sind zwar privat nicht so hoch verschuldet aber der Staat wird auch hier nicht genug Mittel aufbringen können um allen Menschen den bisherigen Lebensstandard bieten zu können.Eine Orientierung was dann passiert bietet die Krise von 1929.Von den 75ReichsMark Arbeitslosenhilfe mussten die Menschen damals allein schon 50RM für die Miete aufbringen.

Aber die Essenz der Geschichte ist:Alle sind bankrott.Weil das System insgesamt bankrott ist.Wir haben eine Bankenkrise,eine Derivaten-Krise,eine Immobilienkrise (USA,Irland,Spanien,China)eine Staatsschuldenkrise und schon bald kommen neue Krisen dazu wie etwa eine Nahrungsmittel-/und Energiekrise.

Die Nobelpreisträger der Ökonomie nennen es den Schwarzen Schwan.Heisst so weil man bis zu ihrer Entdeckung dachte es gäbe keine schwarzen Schwäne.

Und genau so dachte man das alle diese Blasen,Krisen niemals zur selben Zeit zusammentreffen könnten um den perfekten Sturm zu kreieren.Aber genau dies passiert gerade.

by Jose on 19. Februar 2012 at 21:10. #

Hallo Herr Pantelouris. “Dabei stellt die Troika dabei sich selbst ein Katastrophen-Zeugnis aus” – diesen Satz hab ich lustigerweise in meinem Artikel auch so ähnlich stehen. http://gnosis4you.wordpress.com/
Die griechische Wirtschaft wird von der eigenen Regierung und der EU abgewürgt. Ziel des ganzen Spielchens ist die griechische Infrastruktur sowie die Ausbeutung der griechischen Rohstoffe. Die griechischen Politikdarsteller dienen der Hochfinanz und solange kein echter Volksvertreter hervorsticht wird auch dazu kommen. Den Menschen werden auf brutalste Weise ihre demokratischen Rechte entzogen. Der Satz “Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht” ist auch in der griechischen Verfassung verankert. Auch friedliche Demonstrationen sind mittlerweile fast unmöglich ohne das Tränengas in die Menge geschossen wird. Übrigens super Blog.

by Gnosis4You on 22. Februar 2012 at 17:39. #

Nur zwei kurze Worte: Monetärer Souverän, siehe hier: http://nhaehnle.blogspot.com/2011/10/def-souveran-monetarer.html

Griechenland, Frankreich, Portugal, alle Euroländer sind nicht monetär souverän. USA, Japan, Australien, etc. hingegen schon. Und Länder, die monetär souverän sind, haben ganz andere Möglichkeiten als die, die es nicht sind. Zum Einen brauchen sie nämlich keine “internationen Kapitalmärkte”, die diese Staaten finanzieren ;) Und damit auch keine Troika.

Das ist jetzt natürlich stark vereinfacht, aber vielleicht hilft ein Blick zurück ins Archiv in Bezug auf Japan. Was da schon alles geschrieben wurde. Und dann die Realität: Steigende Staatsschuldenquote (weit über den angeblich schlimmen 120% von Griechenland), keine Hyperinflation, sehr niedrige Zinsen (werden eh von der Zentralbank gesetzt).

Und da die Transferunion nicht kommt, bzw. nur dann wenn die Volkswirtschaften sich vorher ruinieren, wäre die eigene Währung dann doch nicht ganz verkehrt. Dann kann man sich wieder den realen Problem zuwenden.. Geld wächst nämlich nicht auf Bäumen oder muss mühsam ausgegraben werden: es wird per Tastendruck erzeugt.

by Christian on 24. Februar 2012 at 01:59. #

Griechenland ist ein Fass ohne Boden, dass weiß man jetzt und das wußte man auch vorher. Ich sehe im Übrigen nicht das Griechenland sich so recht bemüht, dass sie das Geld vernünftig anlegen und es am Ende nicht einfach nur wieder verpulvern.

by Ute on 24. Februar 2012 at 09:16. #

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