Ronzheimer

Man muss aufpassen, dass man nicht anfängt, sich sinnlos über Dinge aufzuregen, die es nicht wert sind. Paul Ronzheimer ist es aus meiner Sicht erstens nicht wert, und zweitens kann ich zu dem Nachwuchs-Reporter der Bild ohnehin wenig beitragen, das Lukas Heinser nicht längst treffender geschrieben hat.

Aber amüsieren darf man sich: Heute schreibt Ronzheimer über den Zuspruch, den er – also Bild – erhalten hat, nachdem er in einer griechischen Talkshow aufgetreten ist.

Natürlich basiert das auf einem Trick. In der Talk-Show hat Ronzheimer getan, was er sonst nicht tut: Er hat unterschieden zwischen der griechischen Bevölkerung und der griechischen Politik – und dass es in Griechenland Applaus für Kritik an der Regierung gibt dürfte nicht überraschen. Die Dreistigkeit Ronzheimers und der Bild, das als grundsätzliche Zustimmung der „Pleite-Griechen“ zur Bild-Berichterstattung zu erklären, überrascht allerdings auch nicht.

Michael Spreng, ehemaliger Chefredakteur der BamS, benannte die Bild-Kampagne gegen Griechenland schon früh als an der Grenze zur Volksverhetzung. Ich stimme dem zu, bin mir allerdings nicht sicher, auf welcher Seite der Grenze dort agiert wurde.

Dass Ronzheimer sich ins griechische Fernsehen setzt und (das ist sogar in dem Video-Beitrag bei bild.de zu sehen und zu hören) behauptet, die Wahrnehmung von Griechen durch Deutsche hätte sich durch die Bild-Berichterstattung nicht geändert, zeigt nicht nur, dass er ein für einen Journalisten disqualifizierendes Desinteresse an der Realität hat. Es zeigt auch, dass er der Bild nicht zutraut, mit den von ihm selbst verfassten Artikeln (nehmen wir einfach mal dieses Beispiel, es gäbe unzählige) irgendeinen Einfluss zu haben. Und es zeigt, dass er selbst Bild nicht liest, denn die Leser reagieren recht offensiv auf die Hetze.

Vielleicht ist das das einzig Gute, was man über ihn sagen kann: Wenigstens liest er die Bild nicht. Aber viel ist auch das nicht.

39 Antworten auf „Ronzheimer“

  1. Sie erwähnen zwei Nachwuchs-Journalisten: Lukas Heinser und Paul Ronzheimer. Den einen positiv, den anderen negativ. Wenn die Welt doch so einfach wäre?
    Was hat denn der Herr Heinser schon großartiges als Journalist geleistet? Kam er denn schon in der Welt herum, außer als Begleiter des Herrn N. in Oslo beim großen Euro-Schnulzen-Wettbewerb? Ansonsten liest er in seinem Kämmerchen die Bildzeitung und mosert über sie.
    Der Herr Ronzheimer dagegen war schon mehrfach in Athen in der Höhle des griechischen Löwen. Das ist noch ein echter Reporter.

  2. @tamara:

    Leider macht all das rumreisen in der Welt einen nicht zum „echten Journalisten“ wenn dabei nur reisserischer, meinungsmachender Mist dabei rauskommt. Dafür kann man eigentlich auch zu hause bleiben und sich die Sachen dort ausdenken.

  3. Ihre Firma arbeitet für

    Audi AG
    Axel Springer AG
    BAXMANN
    b&d Verlag
    BOGNER
    Condé Nast
    F&O München
    Gruner + Jahr
    Heinrich Bauer Verlag KG
    Hinz&Kunzt
    Hubert Burda Media
    Kempertrautmann
    La Biosthétique
    Loved GmbH
    Ringier AG
    Serviceplan
    Spox.com
    Verlagsgruppe Milchstrasse

    Klingt eher nach PR als nach Journalismus.

  4. @ Tamara Schaller:

    Seit wann ist denn die Qualität und die Wahrhaftigkeit der Berichterstattung von der Reputation des Journalisten abhängig? Sollten Sie sich nicht lieber inhaltlich mit dem Gesagten auseinandersetzen, als auf das Etikett zu schielen? Außerdem vergessen Sie bei den wertvollen Daten in Heinsers Lebenslauf seine langjährige Mitarbeit im BILDblog. Wer sich so tendenziös (bzw. gar nicht)mit dem Thema auseinandersetzt wie Sie, darf ruhig weiter Bild lesen, der Schaden ist bereits angerichtet.

  5. nochmal @ Tamara Schaller:

    Die Bedeutung ihres zweiten Kommentars erschließt sich mir nun überhaupt nicht mehr.

  6. @Tamara: Und die Liste ist nicht einmal vollständig!

    Aber unabhängig von der Tatsache, dass mir nicht klar ist, was Sie damit sagen wollen: Der Punkt ist, dass Journalismus drin sein muss, wo Journalismus draufsteht. Wenn ein Journalist aufs Klo geht ist das deswegen auch kein Journalismus. Das muss es auch nicht. Aber wenn er etwas in die Zeitung schreibt, sollte es das sein.

  7. Bild ist eine Zeitung in deutscher Sprache, ebenso wie FAZ, SZ , Hamburger Morgenpost oder die Rhein-Zeitung aus Koblenz. Die Leute, die dort schreiben, nennt man Journalisten.
    Die Unterteilung in „Journalisten“ und „Nichtjournalisten“ ist genauso menschenfeindlich wie die Unterteilung in „Gläubige“ und „Ungläubige“.
    Natürlich kann man einzelne Artikel oder ganze Zeitungen gut oder schlecht finden. Gemacht werden sie aber alle von Journalisten.

  8. @Tamara: Ist die Unterscheidung in gute und schlechte Journalisten dann auch menschenfeindlich? Und die Unterscheidung in gute und schlechte Zeitungen – ähm – papierverachtend?

    Ich war schonmal in China und bin auch sonst viel rumgekommen, ich muss ein super Journalist sein!

  9. Erstens:
    Hat die Otto-Brenner-Stiftung nicht eine Studie zur BILD gemacht?
    http://www.bild-studie.de/reaktionen-zur-studie/

    Und kam sie nicht zum Schluß, dass diese Zeitung keine Zeitung ist, sondern ein -neudeutsch: Kampagnen-Medium – altdeutsch:Propaganda-Organ ist?

    Das ist ja in diesem Blog schon besprochen worden. Also, was kann man schon von einem Propaganda-Organ erwarten? Seriösen Journalismus etwa?

    Zweitens:
    Wissen die Menschen im Ausland, dass die auflagenstärkste „Zeitung“ Europas nur ein Propaganda-Organ ist?

    Das glaube ich nicht, denn sonst hätte man die BILD Schmierfinken nicht ins griechische Fernsehen geladen. Es hätte gereicht, wenn sie Karl Dall (sorry Karl), irgendeinen Seifenopern-Darsteller, oder besser noch einen deutschen Kneipenbesitzer aus Kreta eingeladen hätten Mit Vorliebe werden ja hierzulande die griechischen Pendant eingeladen. NEIN, Miki DU bist nicht gemeint!

    Drittens:
    Könnt Ihr Euch an den Geschichts-Unterricht in der Schule erinnern? Könnt Ihr Euch an die Flut des Propaganda-Materials erinnern, das wir analysieren mußten? (Ich mußte das zu meiner Zeit – weiß aber nicht, wie es ab den späten 80ern gemacht wird)

    Könnt Ihr Euch vorstellen, dass JETZT Geschichte geschrieben wird? Und könnt Ihr Euch vorstellen, dass Artikel der auflagenstärksten „Zeitungen“ eines Landes als Beweismaterial für das Denken der breiten Bevölkerungsschicht auf den Tisch kommt? (Natürlich auch die auflagenstärksten Bücher, die ja auch „irgendwie“ propagiert wurden).

    Wenn man das im Hinterkopf hat, weiß ich nicht mehr so genau, ob es ratsam ist, ein Medium wie die BILD zu ignorieren, darüber die Nase zu rümpfen, zu lachen oder abzuwinken.

  10. @Tamara: Rechtlich gesehen haben sie Recht, da der Begriff Journalist nicht geschützt ist, wenngleich er es sollte. Es kann sich also jeder so nennen. Ich mach das jetzt einfach auch mal. Ich bin Journalist. So.
    Das sagt natürlich nichts aus. Es liegt daher im Interesse der Gemeinschaft, ihre Erwartung in Form von Kriterien zu verdeutlichen. Eine Erwartung, die an jeden Journalisten gestellt wird, ist ehrliche Berichterstattung. Paul Ronzheimer tut dies aber nicht. Größtenteils erstattet er nicht einmal Bericht, sondern allenfalls seine Meinung. Es ist natürlich legitim wenn er seine Meinung verbreitet, doch dann muss sie auch als solche gekennzeichnet sein und er ist deswegen auch angreifbar. Ronzheimer kennzeichnet sein Meinung selten, vielmehr versucht er durch Täuschungen und Lügen den Tenor seiner Artikel zu bestätigen. Täuschen und Lügen – genau das ist schlechter Journalismus. Sie schreiben, er sei ein echter Reporter, weil er sich in die Höhle des griechischen Löwen begeben habe? Welcher griechische Löwe? Einen echten Reporter würde ich in den Kollegen sehen, die sich unter in den afghanischen, libyschen oder syrischen Kugelhagel begeben. Aber nicht jemanden, der erst gegen die einen hetzt und, wenn er bei ihnen ist, dann gegen andere. So jemand begibt sich nicht in die Höhle des Löwen, er meidet die Konfrontation ja gerade. Das ist eher feige.
    So, jetzt bin ich auch lieber wieder Jurist, übrigens auch nicht geschützt.

    @Mikis: Haben sie das Interview mit Ronzheimer in der Zeit Campus kürzlich gelesen. Ich bin mir bei ihm im Grunde nicht mehr sicher, ob er a) einfach tatsächlich so böse ist, b) sich selbst belügt indem er sich einredet, was er tut sei nicht schlimm oder c) die Leser täuscht, indem er a) vorgibt. Will er vielleicht tatsächlich der nächste Diekmann werden und was wird dann erst aus der Bild? Noch mehr Hetze, noch mehr Rücksichtslosigkeit, noch mehr Böses?

  11. Ich habe doch tatsächlich auf den Link zur BILD angeklickt……

    Und ich glaube, dass es Zeit wird, ein griechisches Blog zu schreiben. Ein Aufklärungsblog. Denn die meisten, Griechen, die ich kenne, glauben tatsächlich es gibt KEINE Korruption und Steuerhinterziehung in Deutschland!

    Sie können nichts mit Begriffen wie „Geschmäckle“, „Klientenpolitik“, „Lobbyismus“, „Drehtürenkarriere“ anfangen. Sie neigen nämlich stark dazu, die Dinge beim echten Namen zu nennen. Obige Begriffe fallen alle unter einen Begriff: Korruption

    Auch neigen sie dazu, Verfahren abzukürzen anstatt sie komplizieren und somit elegant zu verschleiern.

    Ein Beispiel:
    Ein griechischer Politiker wird von der Hotelbranche angesprochen, doch bitte, bitte ein Gesetz in seinem Sinne zu ändern. Sagen wir einmal…..den Mehrwertsteuersatz zu senken. Wie überzeugt er ihn? Er schiebt ein „fakelaki“ überm Tisch. Sache geritzt.

    Folge dieses Deals:
    Geben die Hotels diese Steuerersparnis an den den Kunden weiter? NEIN. Der Geschäftsmann zum Beispiel, muß jetzt zwar den gleichen Preis bezahlen, ABER die Mehrwertsteuer, die er nun zurückverlangen kann, fällt viel magerer aus.
    Klartext: Er zahlt MEHR als vorher. Er wird wütend, tut er sich mit Anderen zusammen und schreit vor dem Ministerium:“Korrupte )“§$%/ und DIEBE“.

    In Deutschland läuft das anders ab:
    Ein Politiker muss angeben, was er „sonst noch so verdient“. ABER er muß nur angeben, dass es MEHR als 7.500 Euro waren. Die genaue Summe muß er gar nicht öffentlich machen. Alles, was darunter ist auch nicht. Er hält sich an diese Regel.

    Jetzt wird er von einem Hotelier mit der gleichen Bitte angesprochen. Dann wird er eingeladen, um vor dem Hotel-Verband eine Rede zu halten. Dafür wird er bezahlt. Mit natürlich „mehr als 7.500 Euro“ – der Mann ist ja kostbar, ein Leistungsträger, hat seine Zeit nicht gestohlen, die Summe ist legitim…..Und zum Ausruhen vom vielen Redenhalten braucht er eine adäquate 1,9 Mio Euro Villa auf Malle. (Dafür muss er natürlich viele, viele Vorträge halten oder so)

    Dann liest man in den Zeitungen, dass das Ganze eventuell „Geschmäckle“ hat.
    Manche Freiberufler beschwerden sich in einschlägigen Freiberufler-Foren, dass „ihnen das Geld aus der Tasche gezogen wird.“ Punkt.

    Dieser Blog könnte sehr, sehr lang werden.
    Ich fange beim Bauamt meiner Stadt an und höre bei Zumwinkel auf. Natürlich vergesse ich nicht, die Möglichkeiten zu erwähnen, die private Stiftungen haben und den Maschmayer und den Riester und den Flick und und und….Ach ja….hatte ich Familie Springer und ihre Verwicklungen mit Ackermann gegen Kirch erwähnt? Und hatte ich auch die Stiftungen der Familie Springer erwähnt? Sind die nicht auch DICK im Krankenhausgeschäft? Werden demnächst einige griechische Krankenhäuser „privatisiert“ und von Roland Berger zum „Verkauf“ angeboten? Hatte ich das? Nein, das sollte ich. Und da wir schon bei Privatisierungen sind, sollte ich über die Treuhand sprechen:

    „Aufgabe der Treuhandanstalt war es, die volkseigenen Betriebe der DDR zu privatisieren oder stillzulegen. Auf 600 Milliarden D-Mark (ca. 307 Milliarden Euro) schätzte Treuhandpräsident Detlev Karsten Rohwedder das von der Anstalt verwaltete Vermögen zu Beginn ihrer Tätigkeit 1990. Vier Jahre später beendete die Treuhand ihre Tätigkeit mit 256 Milliarden D-Mark Schulden.“
    http://www.attac.de/aktuell/neuigkeiten/detailansicht/datum/2011/05/25/privatisierungen-griechenland-zur-pluenderung-freigegeben/

    (Hatte sich Rohwedder etwa derart verrechnet?Und wurde er tatsächlich von Terroristenerschossen? Keine Ahnung. Hat aber auch irgendwie „Geschmäckle“.)

    Da werden die korrupten Pleite-Griechen ganz schön Augen machen. Wetten?!

  12. Dieses immer gleiche, primitive „Bild“-Bashing ist kein Beweis eigener Schlauheit. Griechenland ist pleite und daran sind die Griechen schuld und weder die Deutschen noch die Türken.
    Was Paul Ronzheimer in der Bildzeitung dazu schreibt, ändert nichts am Zustand Griechenlands.
    Und auch Michalis Pantelouris hat keinen Einfluss auf das Geschehen.

  13. Knihihi. Das ist tatsächlich noch eindimensionaler als die Bild-Berichterstattung. Danke, Tamara, damit ist Ronzheimer widerlegt. I rest my case.

  14. @Xaerdys: „Es liegt daher im Interesse der Gemeinschaft, ihre Erwartung in Form von Kriterien zu verdeutlichen. Eine Erwartung, die an jeden Journalisten gestellt wird, ist ehrliche Berichterstattung. Paul Ronzheimer tut dies aber nicht.“
    Wer ist diese „Gemeinschaft“? Was sind das für Menschen? Solche wie Sie? Gehöre ich auch dazu? Darf ich auch Kriterien nennen? Wer legt fest, welche Kriterien relevant sind? Sie oder ich?
    Wer bestimmt, ob Paul Ronzheimer ein Journalist ist? Sie oder ich? Oder Michalis Pantelouris?
    Dürfen nur Journalisten bestimmen, ob andere Journalisten „richtige“ Journalisten sind? Oder auch Leser, Zuhörer und Zuschauer?

  15. @Christian Benduhn: Die aktuelle Regierung Griechenlands wurde nicht frei gewählt, sie wurde von aussen aufoktroiert. Konnte man bei der Regierung Papandreou noch davon sprechen, dass eine hauchdünne, demokratische Legitimierung übrig geblieben war, so ist es damit nun ganz vorbei.

    Die neue Regierung widerspricht der griechischen Verfassung. Der Ministerpräsident müsste nämlich laut Verfassung in der aktuellen Situation aus den Reihen der gewählten Parlamentarier kommen, der Termin für Neuwahlen müsste ebenfalls laut Verfassung schon fest vorgegeben worden sein.

    Die Regierung Papademos ist ein Staatsstreich der Banken und der EU-Kolonialherren.

  16. Lina, in der Wortreihe “Geschmäckle”, “Klientenpolitik”, “Lobbyismus”, “Drehtürenkarriere” fehlt noch das wichtigste Wort: „Parteispenden“. In Deutschland redet man nicht von der Bestechung von Politikern, in Deutschland redet man von Parteispenden-Affären.

    Wer kann sich noch daran errinnern, dass Helmut Kohl mit einem Koffer voll Geld an der Schweizer Grenze erwischt wurde?

  17. @Sascha Welter: Diese neueste Regierung ist aber das Ergebnis der Politik der bisherigen frei gewählten Regierungen Griechenlands.

  18. Ich weiss ja mal gar nicht, warum sich @Tamara so für die Blödzeitung in die Bräsche schmeisst. Wäre ja fast so, als würde sie dort arbeiten und den Kalamitäten dort nacheifern.
    Ist auch egal.
    Sicher hat die Bild nicht die Krise in Griechenland verschuldet. So viel Einfluss haben die Gott lob nicht (und das soll auch so bleiben). Jedoch haben die immerhin knapp 11 Millionen Griechen das auch nicht zu verantworten, sondern die griechischen Politiker. Also eine verhältnismäßig kleine Gruppe von machtgeilen und korrupten Menschen.
    Nur die Ar t und Weise der Verallgemeinerung durch denn Schreiber ist verachtend und tendenziös. Diese Berichterstattung löst bei Leuten die am häufigsten die Bild lesen, Aggression ode rmidestens Antipatie gegen alle Griechen aus.
    Darauf sollte ein Journalist achten, dass seine Berichterstattung nicht reisserisch sondern erklärend ist. Nur macht man auch hierzulande mehr Auflage mit Polemik als mit sachlicher Schilderung.

    Ich denke das sollte doch für alle hier als Erklärung reichen, ohne sich jetzt wieder gegenseitig zu defamieren.

  19. @max_hh:

    Nein. Er würde alles noch einmal so schreiben, außer mehr unterscheiden zwischen Privaten und Beamten, und Boulevardmedien müssen eben zuspitzen und emotionalisieren.

    Der ist so.

  20. habs mal durch google translation gejagt. aber wirkt ja nicht so als wuerden die griechischen medien ihn irgendwie besonders hart angehen oder so, oder?

  21. In diesem Fall nicht, und in der Talkshow, in der er war, auch nicht, weil er in Griechenland nie von „den Griechen“ spricht (oder gar den „Pleite-Griechen“), sondern zwischen Regierung und Bevölkerung trennt – und Kritik an der Regierung ist in Griechenland, nun ja … üblich.

    Aber natürlich gibt es viele griechische Medien, die durchaus hart und auch polemisch über die Berichterstattung in Deutschland berichten. Aber genau wie hier auch stellt sich die BILD ja keiner echten Diskussion, sondern sie machen nur die Veranstaltungen mit, in denen sie nicht mit echten Argumenten konfrontiert werden (und Nikolaus Blome sagt immer Phrasen wie „natürlich kann man diskutieren, ob das der richtige Ton war …“, diskutiert es aber natürlich nicht).

  22. @mikis: dann diskutier du doch mal mit blome oder ronzheimer oder bild. ein echt kritisches interview das wäres doch. die mal gefragt?!

  23. @max_hh: Sogar das Netzwerk Recherche hat auf seiner Jahrestagung versucht, so eine Runde zusammen zu bekommen und ist daran gescheitert. Und man kann das in der eigenen Bild-Logik sogar verstehen, denn was könnten sie dabei gewinnen? Im Prinzip bräuchte man ihnen ja nur die Reihe der Bildblog-Einträge vorhalten, die eindrücklich belegen, was für unfassbar falsches Zeug sie regelmäßig verbreiten, dann hätten sie ja schon verloren. Das wissen sie ja auch. Die Bild funktioniert nur in ihrem eigenen Kosmos, deshalb bewegen sie sich nicht aus ihm heraus. Ronzheimer zum Beispiel hat im griechischen Fernsehen gesagt, er glaube nicht, dass die Bild-Berichterstattung das, was Deutsche über Griechen denken, beeinflusst hat. Und Blome sagt bei einer Preisverleihung, die Bild habe ja nicht den Ärger der Deutschen über die Griechen ausgelöst, den habe es schon gegeben – was von der Logik her bedeutet, wenn es weit verbreiteten Rassismus gäbe, dann müsse man ihn auch weiter befeuern dürfen. Das ist keine Gedankenwelt, der man mit Argumenten beikommen kann. Man kann mit Argumenten höchstens solche Menschen vor der Bild-Logik retten, die sonst nur die Bild-„Argumente“ und „-Informationen“ zur Verfügung hätten – aber nicht diejenigen, die Bild machen. Die wissen und wollen das, was sie tun.

  24. das war jetzt aber keine antwort auf die frage ob dus versucht hast. ich finde man sollte das immer probieren irgendwie und egal was die menschen gemacht oder geschrieben haben, sie selber dazu mal hören. ich habe von ronzheimer ein interview bei zeit campus gelesen und beim googeln in mehreren griechischen zeitungen was gelesen. also scheint es ja so, das er dazu bereit ist darüber zu reden oder nicht? und blome sieht man ja immer im fernsehen reden oder?

  25. Entschuldige, ich dachte, das wäre klar: Es war die Begründung dafür, warum ich es nicht versuchen werde. Wie du richtig sagst, erklären sie das ja andauernd. Ich werde nicht noch einen Kanal für diesen Unsinn öffnen. Was sie tun, kann man ja nachlesen. Warum es falsch ist auch, aber eben woanders. Ich werde meine Energie nicht dafür verschwenden, Diskussionen mit Leuten zu führen, die gegen ihr eigenes besseres Wissen diese Art von Hetze verbreiten, denn das würde voraussetzen, dass ich irgendeine Hoffnung hätte, sie wüssten nicht genau, was sie da tun und würden es ändern, wenn sie es endlich wüssten. Diese Hoffnung habe ich aber nicht.

  26. Man lese doch heute mal in der Bildzeitung auf Seite 2, was Paul Ronzheimer neues aus Griechenland berichtet.
    Er kommt ganz ohne das Wort „Pleite-Griechen“ aus.

  27. [max_hh, ich habe die Länge des Zitats editiert und füge den Link ein. Ich hoffe, das ist okay für dich. Das war doch sehr viel Zitat. mp]

    Aus ZEIT Campus

    ZEIT CAMPUS: Sie haben in Athen Drachmen an die demonstrierenden Griechen verteilt. Das fanden viele auch ziemlich böse.

    Ronzheimer: Ja, das war eine sehr umstrittene Geschichte. Ich bekam über Xing und Facebook später auch endlose Beschimpfungen, »Drecksack«, »Hurensohn«, ich wurde auch von Kollegen angefeindet. Kann ich nicht nachvollziehen.

    ZEIT CAMPUS: Wirklich nicht? Man fragt sich ja schon ein wenig, ist das Journalismus oder Satire?

    Ronzheimer: Ich habe viel darüber nachgedacht, und es war sicherlich Boulevard an der Grenze. Meine Idee war: Griechen auf der Straße zu fragen, was sie über eine Rückkehr zur Drachme denken. Dazu kam das Foto mit mir und den Scheinen in der Hand. Ja, das hat polarisiert. Die Entwicklung ein Jahr später gibt uns aber in der kritischen Haltung zu den Hilfsmaßnahmen recht.

    […]

  28. @max_hh: Am besten finde ich die Argumentation, dass „Boulevard an der Grenze“, also in der Form unanständiger, trotzdem nachträglich gerechtfertigt sein kann, wenn er sich inhaltlich als richtig herausstellt (was hier Quatsch ist, aber „for arguments sake“).

    Schöner wäre Journalismus möglicherweise, wenn er in der Form nicht entwürdigend und schon zum Zeitpunkt seiner Ausführung als richtig erkannt wäre … und das sage ich völlig absehend davon, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Ich frage mich, ob er solche Sätze tatsächlich glaubt. Und ob das mehr für mangelnde Logikfähigkeit spräche oder doch für einen eher charakterlichen Zug.

  29. @miks: habe gerade erst durch bildblog vom tv-auftritt von ronzheimer gelesen und mir das in der mediathek mal angeschaut. Natürlich ist die aussage, man habe nichts beigetragen zur stimmung, schwachsinn. aber davon abgesehen fand ich seinen auftritt nicht so schlecht, insbesondere in der runde war er belebend. wie fanden Sie es denn?

  30. @max_hh: Wenn sich Ronzheimer (und genauso Blome) auf die Talkshow-Auftritte beschränken würden unde wenn das, was sie vorgeben zu tun auch das wäre, was sie tatsächlich tun, könnte man damit leben. Aber, um mal den Bild-Duktus zu übernehmen, Fakt ist: Ronzheimer ist aus meiner Sicht einer der ganz großen Hetzer. Die Bild, und auch er, haben mit Halbwahrheiten, selektiver Wahrnehmung und mit tatsächlich falscher Berichterstattung nicht nur ein Klima geschaffen, sondern einen vollkommen falschen Eindruck erzeugt. Nur als Beispiel: Ich habe in der gesamten, extensiven Berichterstattung über die griechischen „Luxus-Rentner“ in der Bild niemals gelesen, was denn tatsächlich eine normale Durchschnittsrente in GR vor der Krise war (etwa 600 Euro). Das Wort „Luxus-Rente“ oder „-Rentner“ in Variationen hingegen sehr oft. Das ist einfach falsch. Ich habe Ronzheimer auch schon im griechischen Fernsehen gesehen, und er argumentiert da anders als hier (er würde zum Beispiel in Zukunft besser trennen zwischen „die Griechen“ und der griechischen Politik). Ich zitiere das nochmal, weil es so wahr ist: Selbst der ehemalige BamS-Chefredakteur nannte die Berichterstattung der Bild zu GR „an der Grenze zur Volksverhetzung“. Ronzheimer ist ein wichtiger Teil davon, und er nutzt hier wieder das Forum, um so zu tun, als wäre das normaler oder gar engagierter Journalismus. Ich kann das nicht belebend finden. Ich finde es eklig.

  31. @mikis: ich würde gerne mal ein streitgespräch zwischen Ihnen beiden live im tv sehen. das fänd ich spannend. zu ronzheimer nochwas: sicherlich hat er zur stimmung beigetragen, aber die drachmen-geschichte finde ich – ander als Sie – nicht soooo schlimm. da fallen mir andere artikel und kommentare eher ins auge, und die waren zumindest teilweise auch von anderen kommentatoren.
    bei ronzheiemr habe ich tatsaechlich das gefuehk eine entwicklung zu sehn auch bei den geschichten. denn das, was er so reportiert hat (kinderheime, leandros etc) war ja nicht per se antigriechisch

  32. Das was er macht, ist nicht antigriechisch, sondern einfach nur die schlimmste Form von Boulevard. Ihm ist Griechenland genauso egal wie jedes andere Thema, er reduziert es eben „zugespitzt“ auf die für ihn spannenden Teile. Das aber ohne Rücksicht auf Kleinigkeiten wie ein Gesamtbild, Fairness oder gar die Realität. Wenn eine Million Menschen demonstrieren und einer verbrennt eine deutsche Flagge, dann berichtet er nur über die Flagge. So ist das Blatt, und so ist er. Er setzt dann noch die abwertenden Spielchen wie die Drachmen-Geschichte drauf, aber seine Arbeit ist schon in ihrem Kern nicht darauf ausgelegt, ein irgendwie wahres oder gar faires Gesamtbild zu erzeugen. Die Berichterstattung ist vergleichbar mit den Frauen auf Seite 1: Wenn man regelmäßig die Bild liest, hat man sehr viele ziemlich nackte Frauen gesehen. Man sollte sich aber hüten zu glauben, man wüsste deshalb etwas über Frauen. Wenn man diese Art journalistischen Versagens mit dem Ton der Zeitung kombiniert hat man die Mischung, die dazu geführt hat, dass eine ganze bis dato eher beliebte Nation in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung als korrupt, faul und unehrlich gilt. Man kann das direkt auch auf die Arbeit von Paul Ronzheimer zurückführen. Man muss das sogar. Da an seine Arbeit aber subjektiv und objektiv Schicksale geknüpft sind, da er zur Verletzung noch die Demütigung hinzufügt, kann ich seine Qualitäten als belebendes Element in einer Diskussion in diesem Fall nicht so richtig zu seinen Gunsten werten, selbst wenn sie vorhanden sein mögen. Das wäre ein bisschen so als hätte der Typ, der mein Fahrrad klaut, wenigstens einen lustigen Hut auf.

  33. ich sag ja ein fernsehduell muss her zwischen Ihnen beiden! ich seh das ein bisschen anders denn ich habe auch einige berichte von ihm ueber schlimme zustaende in griechenland gelesen und ueber imigranten die ich gut fand. dazu auch zum beispiel die serie zum euro-beitrit. aber egal ich glaube da ist auf vieken seiten verhaertet, wichtig ist doch jetzt das sich das ganze zwischen den voelkern nicht nodhvmehr zuspitzt. und da hoffe ich das sich die deutschen medien da auch etwas zurueck halten

  34. Zur Anfrage von max_hh: Da haben wir‘ s doch! Sie meinen also, daß die Auseinandersetzung mit den Hauptakteuren der Bild-Zeitung einen Effekt hätte. Ein Trugschluß. Zurückzuführen auf zu viel Nachdenken über solche unsäglichen, schlecht recherchierten und unverschämten Veröffentlichungen. Das setzte voraus: Sie wissen nicht, was sie tun. Wie unser host in diesem Blog für uns alle jedoch herausarbeitete, ist das Berechnung. Daher kann ich Michalis nur zustimmen, wenn er sagt: ‚Nein. Warum mit denen dikutieren? Es bringt nichts.‘ Diejenigen, die nicht reflektieren können, werden wir mit so etwas nicht erreichen. Im Gegenteil, ich hielte es für einen Fehler, sich mit denen zu unterhalten.

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