Bild gewinnt. Gegen den Journalismus

Am Freitagmorgen erschien Deutschlands größte Tageszeitung mit dem selbstbeweihräuchernden Artikel „Bild behielt recht“, zu dem ich mich bereits ausführlich geäußert habe. Am Nachmittag fuhr ich zur Promotionsfeier einer Cousine, der offenbar ersten Griechin, die für eine Arbeit über deutsche archäologische Funde den Doktorgrad verliehen bekam (normalerweise ist es anders herum). Ihre Mutter und ihre Schwester waren aus Griechenland gekommen. Die Schwester mit ihrem kleinen Kind. Und es war ein schöner Nachmittag und Abend, auch weil wir es schafften, die drückenden Themen in die Raucherpausen vor das Restaurant am Meer zu verlegen, in dem wir feierten: Meine kleine Cousine mit dem kleinen Kind ist zu Ende Juli gekündigt worden. Ihrem Mann hatte man gerade gesagt, dass er nur noch vier Tage die Woche zur Arbeit kommen kann, weil die Konjunkturlage mehr nicht hergibt. Die Familie steht jetzt mit weniger als der Hälfte des Einkommens da, das sie noch vor einem Jahr hatte, und selbst da hatte es aufgrund der Preissteigerungen kaum gereicht. In Griechenland kostet ein Pfund Butter inzwischen fünf Euro. Und meine Tante hat einen großen Teil ihrer ohnehin knappen Rente an das Sparpaket verloren. Wie wird es weitergehen? „Niemand weiß, was morgen ist. Oder ob morgen noch ist.“

Paul Ronzheimer ist der so genannte Journalist, der nach Griechenland gefahren ist und sich auf dem Athener Syntagma-Platz fotografieren ließ, wie er vor demonstrierenden Menschen, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Familien ernähren sollen, mit Drachmen-Scheinen wedelte wie mit Bananen vor Affen im Zoo. Nikolaus Blome ist der Mann, der jede verfügbare Zahl aus dem Zusammenhang gerissen hat, um zu belegen, dass diese Menschen faul und zu korrupt sind und deshalb nichts Besseres verdienen. Wenige Stunden, nachdem sie ihren gemeinsam verfassten Artikel darüber, dass sie immer recht hatten, veröffentlichten, lief klein und kaum beachtet die Nachricht über den Ticker, dass das griechische Konsulat in Berlin in der Nacht von Vermummten mit Steinen und Farbbeuteln angegriffen worden war. Der Mob hatte sich ein Ventil gesucht für den Volkszorn auf die faulen, korrupten Griechen, die sie aus der Bild-Zeitung und aus den Ausführungen der Bundeskanzlerin kennen.

Heute läuft die Nachricht über den Ticker, dass Ronzheimer und Blome für ihre Griechenland-Berichterstattung den Herbert-Quandt-Preis für Wirtschaftsberichterstattung erhalten, dotiert mit 10000 Euro – mehr Geld, als es viele normale, arbeitende Familien in Griechenland im Jahr zur Verfügung haben, obwohl die Lebenshaltungskosten in Athen längst höher sind als in Berlin.

Ich kann nicht einmal sagen, dass es vor allem Verachtung ist, die ich empfinde. Natürlich empfinde ich die auch, aber was soll das bei Menschen, die offensichtlich keine Scham empfinden können. Für mich bedeutet die Auszeichnung der Werke dieser beiden auch eine weitere und vielleicht entscheidende Niederlage des Journalismus, wie ich ihn verstehe. Eine Branche, in der das, was diese beiden tun, preiswürdig ist, ist verloren.

PS. Heute Mittag hat mir Dr. Jörg Appelhans geschrieben, Vorstand der Johanna-Quandt-Stiftung, wofür ich mich bedanke. Mit seiner Zustimmung veröffentliche ich hier seine Mail an mich.

Sehr geehrter Herr Pantelouris,

in Ihrem Blog üben Sie Kritik an der Vergabe des diesjährigen Herbert Quandt Medien-Preises. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie gern auf folgendes hinweisen:

Wir haben nicht die Berichterstattung der „BILD“ zu den sogenannten „Pleite-Griechen“ ausgezeichnet, sondern eine sehr faktenstarke und an wirtschaftspolitischen Hintergrundinformationen reiche Reportageserie aus dem Herbst 2010 über das Zustandekommen des EU-Beitritts Griechenlands. Wenn Sie es wünschen, können wir Ihnen diese Serie zur weiteren Meinungsbildung zukommen lassen.

Im übrigen ist die Würdigung und Auszeichnung von journalistischen Leistungen immer auch geprägt von subjektiver Betrachtung. Wir sind aber der Überzeugung, dass wir aufgrund des in der Jury zum Herbert Quandt Medien-Preis versammelten journalistischen Sachverstands auch in diesem Jahr wieder eine gute und richtige Wahl getroffen haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jörg Appelhans
Vorstand

Der versammelte journalistische Sachverstand, der hier angesprochen wird, sind der HR-Intendant Dr. Helmut Reitze und die Chefredakteure Stephan-Andreas Casdorff (Tagesspiegel) und Roland Tichy (Wirtschaftswoche), die neben Johanna und Stefan Quandt in der Jury sitzen.

Ich persönlich halte schon die Argumentation, dass eine fünfteilige Serie innerhalb einer inzwischen mehr als hundertteiligen Hetz-Kampagne preiswürdig sein kann für völlig unhaltbar – abgesehen davon, dass auch die Serie selbst im gleichen Stil verfährt –, aber ich danke hier ganz ausdrücklich für die Bereitschaft zur Diskussion.

70 Antworten auf „Bild gewinnt. Gegen den Journalismus“

  1. Ich hab in meinem Beruf mal einen Preis bekommen. Fand ich toll. Die Urkunde hängt über meinem Schreibtisch (in der Öffentlichkeit würde ich aus Coolness natürlich sagen, dass sie auf dem Klo hängt). Einerseits fand ich es schön bestätigt zu werden. Andererseits habe ich mich gefragt, warum ich einen Preis für etwas bekomme, für das ich doch schon bezahlt werde.
    Anderes Beispiel: Warum klatschen die Leute im Ferienflieger nach der Landung? „Großartig, wie der Pilot uns heute nicht umgebracht hat!“
    Vielleicht wäre es mal gut, Preise nur noch für ehrenamtliche Tätigkeiten, Zivilcourage usw. zu verleihen.
    Der Journalismus scheint da eine Vorreiterrolle einzunehmen, indem er zwei Preise in kürzester Zeit nachhaltig schrottet.
    (Mal ganz ehrlich: Die beiden ****er gehören angezeigt, nicht ausgezeichnet.)

  2. „wir, einige anarchisten, haben in den frühen morgenstunden des 27 mai das griechischen konsulat und ein assoziiertes reisebüro am wittenbergplatz in berlin mit farbe und steinen angegriffen. wir wollen mit dieser symbolischen aktion ein konkretes zeichen der solidarität setzen. solidarität mit all denjenigen , die in den letzten tagen den mörderischen attacken des staates und ihrer faschistischen arme ausgesetzt waren, in athen und darüber hinaus . wir wollen auch an diejenigen erinnern, die sich im kampf dagegen stellen. sie sind nicht alleine, wir kämpfen an ihrer seite.

    an dieser stelle unserer geschichte, ist es schwierig für das kapital, sich selbst zu reproduzieren. um sich abzusichern, muss es eine „krise“ herbeizaubern, die sich automatisch durch das blut jedes sozialen bereiches nährt. das kapital, in seiner zerstörerischen weise, reicht in alle unsere lebensbereiche. diese historisch vorhersehbare „krise“ verstärkt diesen prozess lediglich.
    in dieser sich zuspitzenden situation treten faschistische kräfte auf, ermorden einen migranten aus bangladesch, verprügeln dutzende weitere migranten und greifen besetzte häuser im zentrum athens an. dies geschieht mit der tolerrierung und auch teilweise kooperation der athener polizei. während des generalstreiks am 11. mai, der sich ebenfalls in diesen tagen abspielte, greifen die repressiven organe des staates wiederum demonstranten lebensgefährlich an und schlagen einen von ihnen mit starken kopfverletzungen ins koma.
    es wird uns klar, dass die zusammenarbeit zwischen staat und faschisten eng im sozialen gefüge verankert ist und diese reproduziert. mit anderen worten, die herauf beschworene „krise“ bringt faschistische progrome hervor, und profitiert gleichzeitig von ihnen.
    eine fortschreitende entfremdung des lebens im kapitalismus schafft ein klima des terrors, das wiederum gleichzeitig jeden widerstand gegen herrschende verhältnisse unterdrückt. gegen angst und resignation setzen wir auf soziale gegenangriffe gegen die kapitalistische verwertungslogik und ihre materiellen manifestierungen. autonome organisierung, gegenseitige unterstützung und solidarität ist eine machbare gegenoffensive.
    was an berichten aus griechenland, das chaos auf den strassen, wie auch das chaos der wirtschaft betreffend zu uns herüber dringt, ist näher als wir denken. auch hier wie vor zwei wochen, geschehen angriffe von neo-nazis auf migranten und linke projekte. auch hier schaut die polizei zu und kooperiert möglicherweise, das bleibt noch etwas im dunkeln.
    hier wie dort zeigen das kapital und die repressiven organe des staates ihre fiese fratze. unsere einzige chance heisst widerstand. in diesem sinne richtet sich unser widerstand gegen den griechischen statt, sowie allen staaten und gegen jegliche form von faschismus weltweit. „

  3. Der „deutsche Volkszorn“ hat doch stets seine hässliche Fratze ungeniert in der Öffentlichkeit gezeigt – ob damals in Rostock-Lichtenhagen oder heute mit Leserbriefen in der BILD.

    Wer da jetzt in Berlin die griechische Botschaft vermummt angegriffen hat, waren wohl eher lokale Anarchisten, die Solidarität MIT den Protesten gegen das Sparpaket in Griechenland üben wollten. Da gibt es doch bestimmt auch ein Bekennerschreiben?

  4. scheiss blog. der ganze text ist weg, wenn man kommentiert, nur weil man keine scheiss email eingetragen hat. vollpfeife.

  5. Zwar ist die Griechenland Berichterstattung der Bild-Zeitung kritikwürdig. Jedoch bezweifle ich, daß der Anschlag auf das Griechische Konsulat in Berlin eine Aktion aufgebrachter Bild-Zeitungs Leser war. Diese Aktion trägt die klare Handschrift die man von Griechischen, aber auch von Berliner Autonomen kennt.

  6. Gilt der Quandt-Preis denn unter tatsächlichen Journalisten überhaupt als besonders erstrebenswert? Von der honorigen Johanna Quandt Stiftung… M.E. passt die Verleihung an Bild-Schreiber wie der Arsch auf den sprichwörtlichen Eimer.

  7. Ein kleiner Vergleich ist angebracht, und ich kann jeden, der mit Sorge auf die Entwicklung in Europa schaut, nur dringend, dringend, dringend empfehlen, sich mit dem Thema genauer auseinanderzusetzen:

    Wenn ich einigermaßen richtig rechne, dann betrug die Pro-Kopf-Verschuldung in Griechenland um die 28.000 Euro in 2010. In den USA lag dieser Wert 2010 bei 30.000 Euro.

    Seit ein paar Tagen hat Amerika das selbst gesetzte Schuldenlimit von 14.300.000.000.000 USD erreicht. Wer in Mathematik schwachbrüstig oder beim Zählen von Nullen eine Null ist: Das sind 14,3 Billionen. Also vierzehntausenddreihundert Milliarden. Oder rund vierzehn Millionen Millionen. Das würde knapp reichen, um sämtliche Rentner in Deutschland zu Millionären zu machen.

    Amerika macht derzeit in zwei Jahren so viele Schulden wie Deutschland in den letzten 60 Jahren. Oder rund vier mal so viel wie Griechenland überhaupt Schulden hat.

    Ich denke, das Bild vom „faulen, korrupten“ Griechen wird wohl erst dann wieder etwas gerade gerückt, wenn die enorme Schuldenlast der Staaten auch hierzulande äußerst schmerzlich deutlich werden lässt, auf was die Fiat-Währungen der Welt gestützt sind – nämlich auf nichts weiterem als heiße Luft (dummerweise hat nicht mal ein Bruchteil der Bevölkerung Ahnung von unserem Währungssystem – inklusive der meisten Wirtschaftsjournalisten).

    Und deshalb wird Inflation auf (etwas längere Sicht) das einzige Mittel sein, mit dem sich Staaten entschulden – auf dem Rücken der Mittelschicht, deren Ersparnisse sich in Luft auflösen werden, sofern es sich nicht um Sachwerte handelt.

    Michalis: Das Bild vom faulen, korrupten Griechen wird bald dem vom faulen, korrupten Portugiesen, dann dem vom faulen, korrupten Spanier, dann dem vom faulen, korrupten Italiener und letztlich dem vom faulen und korrupten Deutschen weichen.

    Und irgendwann werden auch die letzten kapieren, das sie alle betrogen wurden.

    Von faulen, korrupten Bankern.

  8. „Für mich bedeutet die Auszeichnung der Werke dieser beiden auch eine weitere und vielleicht entscheidende Niederlage des Journalismus, wie ich ihn verstehe. Eine Branche, in der das, was diese beiden tun, preiswürdig ist, ist verloren. “

    Auch ich finde das erschreckend und besorgniserregend, aber so einen Preis kann im Prinzip jeder vergeben.
    Von daher muss man das nicht als Sargnagel darstellen, sondern eher als symptomatisch im Kampf gegen Windmühlen.

    „dotiert mit 10000 Euro – mehr Geld, als es viele normale, arbeitende Familien in Griechenland im Jahr zur Verfügung haben, obwohl die Lebenshaltungskosten in Athen längst höher sind als in Berlin.“

    Solche Vergleich finde ich nicht dienlich für eine sachliche Auseinandersetzung.

  9. Die Jury des Quandt-Preises hätte sich lieber mal mit der BILD-Studie befasst bevor sie den Preis an Ronzheimer/ Blome vergeben. Man kann ja mal auf die Begründung der Jury gespannt sein….

  10. @haha
    Ein sachlich kritischer und überaus erfrischender Beitrag. Darüber hinaus ein orthographisches Highlight. Wenn man noch ein paar Bindestiche hinzufügen würde, könnte man den Beitrag glatt in BILD drucken.

    @Autor
    Die größte Schande ist, dass BILD trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihrer lügnerischen und erbärmlichen Berichterstattung solch einen Einfluss auf die Menschen in diesem Land hat. Keiner liest angeblich BILD, aber sogar unsere „seriösen“ Medien zitieren sie ständig. Und natürlich auf die Politik, was vielleicht noch beängstigender ist.
    Aber warum die Schuld allein bei BILD suchen? Schließlich befriedigen sie nur die Nachfrage unserer Mitbürger. Solange sich die Einstellung der Menschen nicht ändert, helfen leider auch keine aufklärenden Artikel. Die erreichen sowieso nur die Menschen, die schon Bescheid wissen.
    Konsequenz? Tja, gute Frage!

  11. Wer nachlesen will, dass BILD gar keinen richtigen Journalismus praktiziert, findet jetzt neue Argumente in der aktuellen Studie der Otto Brenner Stiftung. Man kann ja mal auf die Begründung der Jury zu dieser Entscheidung gespannt sein.
    Hätte die Jury lieber einmal vor der Vergabe des Preises an Ronzheimer/ Blome die Studie zur Kenntnis genommen…..kann sie ja jetzt nachholen: Exemplare der Studie sind schon auf dem Weg an die Quandt-Jury.

  12. hallo namensvetter,

    angesichts dessen, wo herbert quandt sowie die meisten anderen aus der sippe (günthers erste frau nicht zu vergessen) verortet sind, finde ich die zuerkennung dieses preises zumindest ideologisch völlig korrekt.

    dass mediale hetze in deutschland, gegen ausländer (vorzugsweise „aus dem süden“) aber auch gegen schwächere mit deutschem pass vollkommen salonfähig ist – und seit einiger zeit nicht einmal mehr pseudowissenschaftlicher verbrämung bedarf, ist ja leider auch nichts neues und hat nach sarrazin noch einen gewaltigen anschub bekommen. ich würde sagen, die kampfzone ist schlichtweg ausgeweitet worden; divide et impera wird nun eben europaweit umgesetzt, nicht mehr nur in deutschland.

    die stimmung in der brd ist, wie ich finde, mittlerweile beängstigend aufgeheizt, die verteilungsängste und -kämpfe aus der mittelschicht schlagen langsam voll durch. und in politik und oberen etagen ist man sicherlich froh, das ganze auf externe sündenböcke umleiten zu können, um von der eigentlich maßgeblichen differenz (arm-reich) abzulenken. in spanien funktioniert das nicht mehr und in griechenland – schon aus reiner not – auch nicht, bzw. nicht völlig, denn m.w. erstarkt dort im moment auch gerade die äußerste rechte (wie eigentlich fast überall in europa).

    niemand berichtet darüber, dass rentner in griechenland oft nur durch die verbliebene familie halbwegs anständig leben können. dass durch die euro-einführung lebensmittel massivst verteuert worden sind, während die löhne bei normalverdienern nicht mal im ansatz vergleichbar gestiegen sind. dass heute z.b. anwärter auf eine lehrerstelle über ein halbes jahr kostenlos arbeiten um „punkte zu sammeln“ und damit in späterer zeit die hoffnung auf eine echte, bezahlte anstellung zu erhöhen, universitätsdozenten „für lau“ lehren und sogar die fahrtkosten selbst zahlen müssen (das sind alles persönliche erfahrungen aus meinem umfeld).
    das griechische volk wird in deutschland kollektiv haftbar gemacht für die exzesse einer abgehobenen oberschicht, die in der tat durch korruption, nepotismus und andere ungesunde verbindungen schuld an den zuständen haben.

    ein interesse an differenzierter berichterstattung, gerade auch einmal von den zuständen beim griech. normalbürger besteht offenbar nicht einmal in den meisten renommierten publikationen, wobei ich bild nicht mal im ansatz dazu zählen würde. das bleibt das alte hetzblatt, das seine leser ebenso wie seine opfer verachtet (wallraffs erfahrungsbericht hat immer noch seine berechtigung).
    allerdings gab es kürzlich in der ftd einen schönen kommentar zur absurdheit der europäischen forderungen gegenüber griechenland.
    schlimm ist dabei aber v.a. auch, dass das springerblatt, nicht zuletzt durch schröder („zum regieren benötige ich nur bild, bams und glotze“) und die aktuellen häufigen dortigen beiträge der politiker geadelt, salonfähig geworden ist und dadurch einen völlig unberechtigten hauch von seriosität gewonnen hat.
    das ist nicht postmodern-ironisch, sondern irrational, aber es wirkt/würgt.

    was man heute in angeblich „seriösen“ foren von online-zeitungen an hetze lesen kann, hätte ich nicht für möglich gehalten. dazu fällt mir dann immer auch eine aussage von paul spiegel oder ignatz bubis ein, der einmal meinte, früher habe er antisemitische anonyme briefe erhalten, heute schrieben die leute mit ihrem echten vollen namen. ich finde die jetzigen zustände sehr gefährlich – und weiß nicht, was widerwärtiger zu finden ist: publikationen, die aus überzeugung hetzen, oder die, deren macher es für die verkaufszahlen tun. schlimmstenfalls stehen am ende wieder brände, von gebäuden oder menschen. und dann wird es wieder keiner gewesen sein.

    was helfen kann, bzw. könnte, ist m.e. v.a. reflektierter medienkonsum und expliziter boykott. gerade in einer – mental – aufgeheizten menge ist das aber sicher nicht leicht zu bewerkstelligen.

    ansonsten bin ich ratlos. was tun?

  13. „für eine Arbeit über deutsche archäologische Funde den Doktorgrad verliehen bekam (normalerweise ist es anders herum). “
    Wie geht denn hier „anders herum“? Etwa: Für ihre Doktorarbeit hat sie archäologische Funde verliehen bekommen?

  14. @Oberlehrer: Knihihi. Auch schön. Aber normalerweise kriegen deutsche Archäologen Doktorgrade für Arbeiten über griechische Scherben. Oder so. Ich habe, ehrlich gesagt, nicht einmal den etwa 29 Worte langen Titel der Arbeit verstanden.

  15. Eigentlich wollte ich hier einen relativ langen Kommentar zur ganzen Sache schreiben, aber außer Kopfschütteln kommt nichts zustande.

  16. nun weiß ich, warum ich in 20 jahren journalismus nicht einen einzigen preis bekommen habe. aber trotzdem, lieber Michalis Pantelouris, machen sie nicht den gleichen fehler, wie die von ihnen kritisierten „journalisten“, indem sie die ganze branche über einen kamm scheren. das tut uns auch weh.

  17. Zitat von Mick: „das griechische volk wird in deutschland kollektiv haftbar gemacht für die exzesse einer abgehobenen oberschicht, die in der tat durch korruption, nepotismus und andere ungesunde verbindungen schuld an den zuständen haben. “
    Wenn das so ist, sollte „das griechische Volk“ seine Oberschicht zur Kasse bitten und nicht die deutschen Steuerzahler.

  18. Helmut Reitze (der HR-Intendant) sitzt dort in der Jury? Das erklärt vieles.
    Seit Reitze den Hessischen Rundfunk leitet, ist dieser – vor allem in seinem 3. TV-Programm – eine journalistisch völlig profillose Abspielstation für Heile-Welt- Filmchen geworden. Kritischen Journalismus, gerade gegenüber den Regierungsparteien, gibt es kaum mal ansatzweise, stattdessen fast nur noch unsinnige Rankingshows („Die Lieblingsschlager der Hessen“) oder Loblieder auf das Hessenland („Hessens schönste Burgen“, „Hessens schönste Kirchen“, „Hessens schönste Klohäuschen“). Billig produzierte und beliebig oft wiederholbare Wohlfühlfilmchen. Ein solch biederes und sich anbiederndes Programm ist in den Dritten ARD-Programmen beispiellos.
    Vor einigen Jahren durfte/musste ich mir einmal einen Vortrag von Herrn Reitze anhören (anlässlich der Landwirtschaftlichen Woche in Gernsheim), in dem er den anwesenden Bauernvertretern stolz erzählte, wie relevant das journalistische Angebot des HR sei. Was er nicht erwähnte: In genau dieser Zeit (es war 2008 oder 2009) war sein Sender gerade dabei, das Angebot an TV-Nachrichtensendungen massiv zu streichen.
    Nein, ganz ehrlich, wenn der Herr Reitze in der Jury des Quandt-Preises sitzt, erklärt das vieles. Der Mann würde guten Journalismus vermutlich nicht mal erkennen, wenn auf diesem ein fettes Hinweisschild pappen würde.

  19. Es ist aber nun mal nicht „das griechische Volk“, welches des deutschen Steuerzahler zur Kasse bittet. Ich hätte damit gerechnet, dass genau das nach dem Lesen des Beitrages und der Kommentare klar wird…

  20. Der Quandt-Preis der Johanna-Quandt-Stiftung ist in der Tat eher peinlich und vor allem tendenziös. Eigentlich haben sich hier beide gegenseitig blamiert. Der Preis entehrt die Journalisten noch einmal (was sie selbst in den letzten Monaten ohnehin getan haben) und er zeigt, dass der Quandt-Preis eher eine Art Motivationspokal für Großmäuler im Dienst des Kapitals ist. Und war.

  21. „Christian Benduhn:Wenn das so ist, sollte “das griechische Volk” seine Oberschicht zur Kasse bitten und nicht die deutschen Steuerzahler“

    MEIN GOTT!!!! ICH HABE ES SATT!!! Wer hat euch gesagt dass die Griechen Geld von den Deutschen und den übrigen Europäern wollen????????? Welches Volk will dass es für sein Leben lang von den Deutschen erpresst wird??? Nein danke,wir hatten mal vor 60 Jahren die Deutschen am Hals mit Tauenden Ermordeten,wir wollen euch nicht wieder mit einem neuen Krieg!!! FINANZKRIEG!!! Nehmt euer Geld zurück und die dazugehörigen Erpressungen mit den Sparmassnahmen!
    Trotzdem bitte ich Sie Herr Christian Benduhn,dass Sie mir die Quelle geben von der Sie das erfahren haben! Wer GENAU hat Ihnen das gesagt?? Sagen Sie mir bitten den NAMEN DES GRIECHEN (natürlich nicht eines Politikers und vor allem nicht unseres amerikanischen Premierministers Papandreou der nicht einmal griechisch sprechen kann) der das gesagt hat und ich werde ihn gemeinsam mit den anderen Leuten aus dem Syntagma Platz ausfindig machen und ein paar Wörtchen mit ihm reden!!!
    Wenn Sie aber all den Mist aus der Bild Zeitung und der restlichen deutschen Propaganda-Medien glauben,dann tut es mir wahnsinnig leid für SIE…..Glauben Sie vielleicht auch noch dass der Grieche sparen muss??? Wissen Sie wieviel der Grieche verdient?? Klar,Sie werden jetzt DAS sagen was die Bild Zeitung schreibt: 3000-8000 euro im Monat und Rente mit 55 jahren,ge??? Also hören Sie mal gut zu: 540 netto ist der BASISLOHN (vor 2 Jahren war er noch bei 750,aber dann kam die liebe Frau Merkel und sagte wir mussten sparen). Jetzt müssen wir noch mal sparen!! Und passen Sie jetzt auf: da ich 18 Jahre in Muenchen gelebt hab,und seit 10 Jahren nun in Athen(wegen Studiums) und Kreta,da kann ich ihnen sagen dass ALLE PREISE HIER DOPPELT ODER DREIFACH HÖHER SIND ALS BEI EUCH!!!! Hab sogar augehört jeden Tag Milch zu trinken,weil ein Liter 2.30 euro kostet!! Jawohl!!! Und Auto fahre ich auch nich mehr so oft,denn der Benzin liegt auf 1.80 hier in Kreta!!! Und die Bücher,alles ab 20 euro!! Die Autos,die Elektrozeugs alles doppelt so hoch!!! Und in der nächsten Zeit wird die MwSt auf 23% erhöht!!!! Weil wir sparen müssen!!! Das hat die Frau Merkel gesagt!!! Und wir müssen auch nicht so FAUL sein (also von 8 Stunden am Tag müssen wir nun 10 oder 12 Stunden arbeiten,mit dem gleichen Lohn). Das hat auch die Frau Merkel gesagt!!!
    Liebe Frau Merkel!!! Behalten Sie bitte ihr(??) Geld für Sie!!!!!

  22. Tschuldigung..hab ein Fehler gemacht..meinte natuerlich 540 euto im Monat BRUTTO und nicht netto!!! (huhuuu!! netto wäre cool!!! aber leid nur ein Traum!!!)

  23. Wer ist noch mal Familie Quandt? Wie kam sie zu ihrem Vermögen? Wo steckt jetzt das Geld drin?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Familie_Quandt

    Wieviel spendet sie an wen?

    „Seit dem Jahr 2002 spendete die Familie Quandt etwa 2 Millionen Euro an deutsche Parteien. Der größte Anteil der Spendensumme ging dabei an die CDU. Die Schwesterpartei CSU und die FDP erhielten ebenfalls Spenden. Zuletzt am 27. November 2009 erhielt die CDU jeweils 150.000 Euro von Johanna Quandt, von Stefan Quandt sowie von Susanne Klatten.

    Betrachtet man heute die Parteispenden der Konzerne BMW (ca. 1,5 Mio. Euro) und Altana (ca. 1,1 Mio. Euro) ebenfalls als Spenden der Familie Quandt, so zählt die Familie zu den größten Einzelspendern deutscher Parteien.“
    (wikipedia)

    Aha.
    Es lebe die freie deutsche Presse.
    Und ein Toast auf alle, die daran glauben.

    P.S.:
    @Klaun
    Es ist weder peinlich, noch haben sie sich gegenseitig blamiert. Sie geben sich nur mittlerweile keinerlei Mühe mehr, Anstand vorzutäuschen.

    Sollen sie ruhig einem breiterem Publikum ihre Fratze zeigen. Vielleicht wacht der eine oder andere dann mal auf – bevor es zu spät ist.

  24. @Dr. Jörg Appelhans
    „Im übrigen ist die Würdigung und Auszeichnung von journalistischen Leistungen immer auch geprägt von subjektiver Betrachtung. Wir sind aber der Überzeugung, dass wir aufgrund des in der Jury zum Herbert Quandt Medien-Preis versammelten journalistischen Sachverstands auch in diesem Jahr wieder eine gute und richtige Wahl getroffen haben.“

    Beim Zeus, das haben Sie!

    Und nun werden SIE von uns gebührend gewürdigt. Rein subjektiv, natürlich!

  25. Glaube eher nicht, dass Jens das nötig hätte. Wenn man von der Verleihung des Quandt Preises hört, kann man mMn durchaus zu ähnlichen Ergebnissen kommen ohne abzukupfern.

  26. Dann wählt er zufällig ein paar sehr ähnliche Formulierungen, wie die „Affen im Zoo“? Glaube ich nicht, ist mir aber in Wahrheit auch egal. Verlinken wäre allerdings fairer gewesen.

  27. Da hast du recht, allerdings finde ich den Vergleich Affen im Zoo sehr naheliegend. Beim SF ist dein Artikel in den Kommentaren verlinkt. Deswegen habe ich hierher gefunden und ab jetzt ist print-wuergt in meinem Reader.

  28. Pingback: Anonymous
  29. Ja, es lohnt sich, „Print Würgt“ zu lesen, denn nicht jeder Beitrag passt in ein und dieselbe Schublade. Aber diesen Artikel finde ich ausgesprochen schlecht.

  30. Lieber „Mikis“,

    sorry, ich hatte gestern in der Eile den Link vergessen. Ich habe natürlich schnell einen kleinen Nachtrag geschrieben. Glückwunsch zu diesem Artikel!

  31. Wir leben in einer verkehrten Welt.
    Wenn die „internationale gemeinschaft“ und die 5 Norweger Obama ein Peace Prize geben- wo er gerade mal 2 Wochen im Amt war….was erwartest du sonst?
    Unser „moral compass“ ist kaputt! 2+2=5

  32. Dass dieser Preis mit wertvollem Journalismus soviel im Sinn hat wie die BILD, legt der Name Quandt allein schon nah, oder? Dass die Familie mit ihren vermutlich weit verzweigten Geschäftsverbindungen von dieser ganzen Aktion der Vermögensverteilung von unten nach oben direkt profitiert, ist anzunehmen. Klar findet die Familie die BILD-Kampagne toll. Verwunderlich nur, dass sie das so laut sagt. Wirft es doch bloß die Frage auf, in welcher Weise ihr Nazi-Vermögen durch das Ausweiden der Griechen gemehrt wird.

  33. Hab‘ auch mal einen Preis bekommen für ein Sachbuch – durch die Leserwahl einer Fachzeitschrift, die das Buch gebrandet hatte. Bestand aus einer Urkunde, einer Glasstele und der Erwähnung auf einer größeren europäischen Fachmesse. Kohle gab’s natürlich keine – geschweige denn, 10Kilooi..;-(

    Bin ich aber auch selbst schuld! Denn, mal abgesehen davon, dass ich zum o. a. Preis ja nun kam, wie die Jungfrau zum Kind, habe ich mich nie um irgendwelche Autoren- oder Journalistenpreise beworben oder irgendwo was eingereicht. Wozu auch? Eitelkeit befriedigen? Versuchen, Geld woanders zu holen als Ersatz für die Quellen, von denen es eigentlich angemessen hätte kommen müssen (Verlage, Sender…)?

    Inzwischen bin ich stolz auf meine (fast uneingeschränkte) ‚Preislosigkeit‘. Denn, der hier diskutierte ist doch nur einer unter vielen. Schaut Euch mal bei Branchenverbänden um! Ich finde, es hat inzwischen nachgerade unerträgliche Ausmaße angenommen mit diesen Selbstbeweihräucherungsritualen unserer ‚Teilgesellschaften’…kommt mir manchmal vor, als falle der Mainstream unserer ‚gesellschaftlichen Mitte‘ in präpubertäres Jungengehabe zurück – wer hat den Dicksten/Längsten…;-)

    Geht also wg. dieses Drecksblatts, gegen dass sich der früher mal gedruckte ‚Völkische Beobachter‘ mitunter ausnimmt, wie ein Kindergeburtstag, der Journalismus unter? Nö! Weswegen dann? Vielleicht, weil unsere Branche als Teilgesellschaft auch nur ein Abbild des Ganzen ist. Mediokrität, und bestehe sie nur in der Beschränkung auf Exzellenz in irgend einem Fachidiotentum, gepaart mit Falschheit und Unfairness feiert doch längst überall fröhliche Urständ, wird sozial teils sogar längst euphemisiert als ‚Durchsetzungskraft‘, ‚Führungsstärke‘ und ähnliches – in Wirtschaftskonzernen, Verbänden, auf dem Arbeitsmarkt, in der Verwaltung, selbst in Vereinen – siehe die höchst eloquenten Stellungnahmen zu den Folgen des Kachelmann-Freispruchs bei Opferverbänden. Und wie verhält sich ‚der Journalismus‘ längst unreflektiert gegenüber den Erkenntnissen über die Gewalt sprachlicher Deutungsmacht? Ich lese immer nur von ‚Entsorgungsparks‘ – statt wie noch vor vielleicht 25 Jahren schlicht von ‚Müllkippen‘. Wo die Klarheit in den Herzen abstumpft, muss man sich über deren Mangel in den Hirnen doch auch nicht mehr wundern…

  34. Oops, schade, keine Korrekturfunktion. Naja, erdal! Gute Site übrigens, Glückwunsch! Ob ich die mal für einen Preis vorschlage? (Neenee, so eine zynische Sau bin ich nun doch nicht – trotz allem…;-)

  35. Ist Jens Berger überhaupt ein Journalist?
    Welche Art Journalist ist Michalis Pantelouris?
    Warum ist Paul Ronzheimer nur ein so genannter Journalist?
    Was ist Nikolaus Blome für einer?

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