Hinweis an Spiegel-Online: Geht doch! Woanders.

Die New York Times zitiert heute aus einem Interview, das Bundeskanzlerin Merkel der Zeit gegeben hat:

Mrs. Merkel told the weekly newspaper Die Zeit, in an interview published Wednesday, that Mr. Draghi embodied German ideas about economic stability and that the government could support his candidacy to success Jean-Claude Trichet of France as head of the central bank.

Mrs. Merkel’s office confirmed the chancellor’s comments.

Boah! Das bedeutet, sie haben zitiert und trotzdem noch einmal im Büro der Kanzlerin nachgefragt, ob sie in der Zeit richtig zitiert wurde. Samt Angabe aller Quellen. Das ist die Höchstform von seriös.

Und ziemlich genau das Gegenteil davon, aberwitzige Gerüchte aus unbenannten Quellen veröffentlichen, nachfragen, es dementiert bekommen und dann das Dementi einfach verschweigen, weil es die schöne Geschichte kaputtmacht.

6 Antworten auf „Hinweis an Spiegel-Online: Geht doch! Woanders.“

  1. Ich wäre mit der Behauptung der „Falschmeldung“ zumindest inzwischen lieber etwas vorsichtig: Das Handelsblatt bestätigt heute, dass es (aus dem BMF) ein Vorbereitungspapier zu dem Treffen gab, in dem es um den – möglichen – Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ging.

    Eine Klarstellung hier (und im Ausgangsblog) wäre zumindest anständig.

    Oder scheint es dem Kritiker, wenn er über andere ehrenrührige Behauptungen verbreitet, Wurst zu sein, ob diese unwahr oder zumindest in Frage gestellt sind?

    (Falls ja, sollte er sich mal juristisch darüber beraten lassen, was in § 186 StGB unter Strafe steht.)

  2. Und noch einmal: Die Ursprungsinformation kam schon aus dem BMF. Wer das zitiert, und dann in Athen nachfragt, deren Dementi aber verschweigt und stattdessen als Tatsache behauptet, Griechenland erwäge den Austritt aus dem Euro, obwohl jeder, der sich zitieren lässt, das Gegenteil behauptet … und so weiter. Es ist journalistisch nicht sauber, wie auch immer Sie es drehen und wenden.

    Allerdings wäre ich überrascht vom Finanzministerium, wenn sie nicht Papiere zu jedem noch so abwegigen Szenario hätten. Selbstverständlich auch zu dem Szenario, das sie an den Spiegel durchstecken. Solche Papiere gibt es mit Sicherheit in Griechenland auch. Aber wenn Sie in dieser Situation dieses Szenario als einziges erwähnen, das erwägt wird, nur weil es selbstverständlich denkbar ist, und das dann mit einem Geheimtreffen in Verbindung bringen, dann schreiben Sie eine Geschichte mit einer sehr eindeutigen Botschaft.

    Aber wenn Griechenland am Wochenende aus dem Euro austritt, dann war tatsächlich SpOn das einzige Medium der Welt, das es vorher gewusst oder zumindest laut geahnt hat. Dann müsste ich tatsächlich meinen Hut ziehen und kleinlaut zugeben, dass ich mich getäuscht habe. Und das mache ich dann auch, versprochen.

    Falls Griechenland nicht aus dem Euro austritt, und dabei bleibt, es nie erwogen zu haben, meinen Sie, dass SpOn sich dann entschuldigt?

  3. @mikis

    Es mag da manches nicht korrekt gelaufen sein. O.k. Evtl. wurde ein Dementi nicht veröffentlicht. O.k.
    Was da wirklich auf dem Treffen thematisiert wurde, wissen aber weder Sie noch ich. Nur: Sie behaupten, SPIEGEL ONLINE habe eine „Falschmeldung“ verbreitet.
    Auch wenn man sich dort vermutlich um Ihre Unterstellung nicht groß schert – generell sollten Sie mit so etwas vorsichtiger sein: Wenn Sie diese Behauptung nicht beweisen können (und davon sind Sie nach dem aktuellen Sachstand, soweit ich das beurteilen kann, weit entfernt), stehen Sie da mit einem Bein in der Strafbarkeit wegen übler Nachrede.
    Was hätte es geschadet, wenn Sie geschrieben hätten: „Spiegel-Online-Style: Die Informationen sind zwar dementiert (wahlweise: ’schlecht‘ oder meinetwegen auch ’nicht belegt‘), aber exklusiv!“ O.k., das ist weniger knackig als „falsch“ – aber kann es sein, dass Sie genau den Style selbst praktizieren, den Sie kritisieren? Lieber mal eine geile Formulierung (oder These), statt sich an wirklich Belastbares zu halten?

  4. Wir diskutieren das inzwischen überall 😉 In jedem Fall beginne ich jetzt mal da, wo ich mich offenbar tatsächlich geirrt habe: Im Gegensatz zu meiner Theorie, dass die Informationen vom BMF zu SpOn durchgesteckt wurden, um die Kanzlerin unter Druck zu setzen, geht Zeit-Online davon aus, dass es passierte, um Schäuble zu schaden. Ich kann mir das immer noch schwer vorstellen, aber da spekuliere ich nur.

    Tatsächlich müsste Griechenland, damit die SpOn-Geschichte richtig wäre, vor dem Freitag ernsthaft erwägt haben, aus dem Euro auszusteigen. So ein Euro-Ausstieg ist keine kleine Sache: Griechenland müsste ja nicht nur juristisch einen bisher unbeschrittenen Weg gehen, es müsste auch Drachmen drucken, ein Gesetz vorbereiten und am Tag der Tage durchsetzen, dass nach argentinischem Vorbild die Möglichkeiten beschränkt, Geld abzuheben (um einen Rest an funktionierenden Banken zu erhalten) und so weiter. Nur als Gedankenspiel: Wie viele Experten braucht man, um das alles zu berechnen? Und das einzige Medium auf der Welt, das Wind davon bekommt, ist der Spiegel? Ich weiß, beim Spiegel findet man das sicher normal, aber besondere Vorsicht gebietet die Situation schon.
    Abgesehen davon hat ja inzwischen selbst Hans-Werner Sinn laut Welt festgestellt, dass ein Euro-Austritt Griechenlands, den er laut SpOn letzte Woche noch gefordert hatte, nur einer von drei möglichen Wegen ist und nicht unbedingt der Beste. Es gibt praktisch keine Wirtschafts-Wissenschaftler, die an diesem Punkt Griechenland zu einem Euro-Austritt raten, dabei berechnen Ökonomen den politischen Fall-Out ja noch gar nicht mit. Nein, ein Austritt Griechenlands aus dem Euro ist zu diesem Zeitpunkt vorsichtig gesagt sehr, sehr unwahrscheinlich. Aber SpOn berichtet nicht von Planspielen, sondern von Plänen. Und davon, dass das Geheimtreffen vom Freitag stattgefunden hat, um Griechenland von diesen Plänen abzubringen. Und bis heute weiß das außer dem Spiegel niemand? Ich bleibe dabei, sie sind einer gezielten Fehlinformation aus dem BMF aufgesessen.

  5. Mag alles sein. Aber Sie äußern Vermutungen, gestützt auf Indizien und Plausibilitäten.
    Dass die SPIEGEL-ONLINE-Meldung „falsch“ war, wissen Sie nicht. Sie behaupten es aber.
    Genauso wie SPON etwas behauptet hat, was man dort Ihrer Ansicht nach nicht wusste.
    Selbst wenn Sie also Recht hätten, bleibt Ihr Style und der, den Sie SPON unterstellen, derselbe. (Nur am Rande: SPON ist nicht „Der SPIEGEL“, und umgekehrt.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.