Hamburger Verklärung

In Ermangelung einer echten nächsten Runde versuchen versuchen die deutschen Verleger nun offenbar noch einmal, Google an das Bein, das man ihnen nicht stellen konnte, wenigstens zu pinkeln: Nach einem Bericht des Branchendienstes Horizont prüfen die Verleger eine Klage wegen Verstößen gegen das Kartellrecht. Viel versprechend wird die Prüfung nicht ausfallen: Dass Google in seinen Suchergebnissen eigene Seiten bevorzugt wird nicht zu beweisen sein, vor allem, weil es wahrscheinlich nicht so ist. Und an welcher Stelle Google sonst seine marktbeherrschende Stellung zum Schaden anderer ausnutzt, wird auch für bessere Juristen als mich schwer zu argumentieren sein, vor allem von den Verlagen, die einen großen Teil ihres Traffics von Google beziehen. Nach der Hamburger Erklärung ist es einfach noch ein Anlauf, es echt total unfair zu finden, wenn ein anderer gewinnt.

 

Der Gedanke ist immer der gleiche: Google verdient Geld mit den Produkten der Verleger. Und das Gegenargument ist immer noch richtig: Dann verdient der HSV auch Geld mit dem kugelrunden Produkt von Adidas (das er dem FC Bayern gerade wieder in vollem Umfang über die Torlinie gedrückt hat) und müsste Adidas deshalb an den Einnahmen beteiligen– es ist absurd. Man kann es ganz kurz halten: Google verdient Geld mit einem guten, beliebten Produkt – der Suche – und die Verleger verdienen im Moment nicht so viel Geld, weil sie kein auch nur annähernd so beliebtes oder gutes Produkt im Internet anbieten. Die meisten Verlage sind im Moment nicht einmal die Hertha BSC des Internets. Sie sind Kreisliga. Und Kreisligavereine haben leider kein Anrecht, so lange an den Erlösen der Großen beteiligt zu werden, bis sie selbst oben mitspielen können. Dahin müssen sie es schon selbst schaffen.

 

Das ist alles bekannt und einfach und einfach doof, und es könnte und sollte uns langsam egal sein, aber zwei Dinge nerven doch gewaltig genug, um noch ein bisschen über sie herzuziehen: Wie kann es denn eigentlich sein, dass in Verlagen gleichzeitig die Meinung offen zur Schau getragen wird, das Internet sei im Grunde kein journalistisches Medium oder zumindest den alten Medien ästhetisch weit unterlegen, andererseits aber arrogante Einigkeit darüber besteht, dass das journalistische Angebot im Netz so gut sei, dass man dafür bezahlt werden müsste? Nach meinem Verständnis ist das längst nicht nachgewiesen.

 

Es gibt einen simplen Fehler, der Verlage von Google unterscheidet: Während Google alles tut, um ständig und immer wieder das Produkt zu verbessern, das sie anbieten (für fast alle kostenlos), sind Verlage mit viel Energie damit beschäftigt, Erlösmodelle zu entwickeln – selbst wenn das bedeutet, das Produkt für den Nutzer schlechter zu machen (relevante Informationen möglichst viele Klicks entfernt in einer Galerie zu verstecken zum Beispiel). Um die Augen des Users möglichst lange im Anzeigenumfeld zu halten ist von einem einfachen Austausch („sehen Sie dieses tolle Video nach einer kurzen Werbung“) bis zu eindeutiger Verarschung alles drin („137 Gründe für Sex. Zum durchklicken!“). Wenn in dieser Situation jemand ein Schutzrecht verdient, dann ist es der Leser. Und tatsächlich: Er nimmt es sich.

 

Denn die Wahrheit heute ist ja immer noch eine andere als das, was die Verleger mit ihrem Gerede von „lousy pennies“ glauben machen wollen:  Nach wie vor verdienen gute journalistische Angebote durchaus Geld, nach wie vor kaufen Menschen sogar gerne auf Papier gedruckte Zeitschriften. Sie haben jetzt nur sehr viel mehr kostenlose Angebote, wenn sie sich mal Scheißdreck angucken wollen.

 

Für Geld allerdings wird ein Leser zurecht etwas erwarten, und nach meiner Erfahrung wissen Leser sehr schnell und recht genau, was sie von einer bestimmten Printmarke erwarten dürfen. Allerdings bin ich inzwischen der Meinung, dass man dieser Printmarke mehr schadet als nützt, wenn man sie online mit billig gemachtem Mist flankiert. Und egal wie viele Klicks diese SEO-optimierten Dünbrettbohrung am Ende einsammelt – Geld ist so nicht zu verdienen, und das ist auch gut so. Denn wer braucht zig billige, schlechte Spiegel-Online- und Bild.d-Klone oder die Mischungen aus beidem? Was soll das? Wieso kann ich kostenlos fünfzigmal die gleiche Agenturmeldung auf verschiedenen redaktionellen Seiten lesen aber sonst fast nichts? Dafür will jemand Geld? Halleluja, von mir kriegt er es jedenfalls nicht.

 

In der „Hamburger Erklärung“ der Verleger heißt es: „Der freie Zugang zu unseren Angeboten soll erhalten bleiben, zum Verschenken unseres Eigentums ohne vorherige Zustimmung möchten wir jedoch nicht gezwungen werden.“ (freier Zugang heißt, wie an anderer Stelle bemerkt wird, nicht unbedingt kostenlos). Das ist ein wohlklingender Satz, wer möchte schon zum Verschenken seines Eigentums gezwungen werden, aber natürlich ist das ein blödsinniger Satz, weil er das so genannte Geistige Eigentum mit jedem anderen Konsumgut gleichsetzt, und das stimmt so nicht – aber noch weniger lässt sich begründen, warum ausgerechnet Verleger das Gefühl haben, ihr angebliches Eigentum würde ihnen geraubt (was „zum Verschenken zwingen“ bedeutet), wenn Google darauf verlinkt. Zweiml falsch reicht in diesem Fall aber immer noch nicht, denn der Gedanke, den sich die Hamburger Erklärer meiner Meinung nach machen sollten, ist der: Was verkaufen sie eigentlich?

 

Natürlich gehören ihnen nicht die Nachrichten: Die Tatsache, dass etwas passiert, kann man nicht besitzen. Die bloße Nachricht besitzt einer so lange, bis er sie einem anderen erzählt. Der kann sie dann ja in eigenen Worten weiter erzählen. Die Verlage besitzen also im Prinzip nur die Teile einer Formulierung einer Nachricht, die nicht so nahe liegend ist, dass sie jeder so gewählt hätte. Kann das wirklich das Handelsgut sein, für das die Verleger Geld von Google wollen? Die besondere Art, eine Nachricht formuliert zu haben? Das wäre ein scheiß Geschäftsmodell.

 

Auf der anderen Seite wird immer wieder gesagt, die Verleger verkauften die Aufmerksameit von Lesern an Werbetreibende. Genau das tut Google auch. Die Schere klafft hier an einer anderen Stelle: Während Google Menschen, die sich für eine private Krankenversicherung interessieren, Werbung für private Krankenversicherungen anbietet, bieten die Verlage den Lesern die Werbung für private Krankenversicherungen neben Artikeln über den Krieg in Afghanistan. Das ist ein Nachteil, weil Werbekunden da entweder nicht hinwollen oder sehr viel weniger Aufmerksamkeit abkriegen als von Leuten, die bereits nach einer PKV gesucht haben. Journalismus hängt hier also mittelbar davon ab, dass wir Werbung in einem Umfeld, in dem die Leser davon nichts wissen wollen, an Werbetreibende verkaufen müssen, die in diesem Umfeld nicht werben wollen?

 

Auch das klingt nicht nach einer Bombenidee. Dass sie überhaupt jemals funktioniert hat wird in nicht allzu ferner Zukunft als bizarre Zwischenphase unserer Branche zu gelten haben.

 

Aber wir können uns erinnern, wie es dazu kommen konnte: Am Anfang war der Journalismus, der bald so viel Aufmerksamkeit hatte, dass Werbetreibende ankamen, um davon zu profitieren. Nicht umgekehrt (übrigens entspricht das bis heute den Gepflogenheiten zum Beispiel im Heinrich Bauer Verlag, wo ein Heft, das ohne Anzeigenerlöse nicht überleben könnte, wahrscheinlich gar nicht erst auf den Markt käme). Anzeigen waren eine Querfinanzierung – gern genommen, ein willkommenes Zubrot. In einem fatalen Schritt in die falsche Richting verlangen Verleger nun durch die Hamburger Erklärung (und viele Reden drum herum) nun nicht einmal, dass man sie durch Anzeigen querfinanziert, sie verlangen, dass sie durch Anzeigen querfinanziert werden, die nicht auf ihren eigenen Seiten stehen, sondern auf denen von Google. Staatliche Hilfe lehnen sie dagegen ab. Und wenn Google nicht mitmacht, dann schickt man ihnen die Kartellbehörde auf den Leib.

 

Das ist die Lage: Weil Paid Content angeblich nicht funktioniert (sie also kein Produkt haben, für das genügend Geld zu zahlen bereit sind) weil kein Angebot (außer Xing) so einzigartig ist, dass man es nicht woanders umsonst bekäme, und man leider nicht wie früher Menschen zwingen kann, Anzeigen zu beachten, die sie nicht wollen (oder auch nur sie zu zwingen, durch Anzeigenumfelderzu blättern, die sie nicht interessieren) – weil man also nicht genug Anzeigenplätze verkaufen kann – verlangt man, dass jemand mit einer besseren Idee für die Kosten aufkommt.

 

Kommt es nur mir so vor oder heißt das in Kurzform: Unser Produkt ist zu unbeliebt, um es selbst direkt oder indirekt zu vermarkten, deshalb muss es ein anderer tun?

 

Ich kann mir nicht helfen, aber möglicherweise … ähm … liegt es ja am Produkt? Könnte man da nicht … ?

 

Oh, ja, klar kann man! Machen wir auch: sparen! Dadurch wird der Mist zwar nicht besser, aber immerhin billiger! Also, billiger als jetzt, wo jeder Leser noch … ähm … also … Wart mal, irgendwas stimmt da nicht. Können wir nicht nochmal von ganz von vorn? Bitte?

17 Antworten auf „Hamburger Verklärung“

  1. Es ist das alte Lied der Mißgunst. Wenn das Obst in Nachbars Garten besser wächst, hat man das vor einigen Jahrhunderten nicht auf das eigene Fehlverhalten oder eben die bessere Pflege des anderen geschoben, sondern kam zu dem Schluß: Da ich ja nichts falsch mache und der nicht besser sein kann als ich, ist er mit dem Teufel im Bunde. Sowas endete dann meist inquisitorisch und mit viel Holz auf einem Haufen.

    Ist heute nicht anders. Die Printbranche hat, wie viele andere in der Wirtschaft, den Sprung auf den Internet-Express verpaßt. Sie dachten, daß sei nur eine Spielerei, die Zielgruppe wäre zu klein und „nerdig“, man wollte sich nicht mit dem Image von Pornos, Star Trek und Konsorten beflecken. Als der Zug lange abgefahren war, erkannte man seinen Fehler, löste eine Fahrkarte und nahm dann den Bummelzug in Richtung Zukunft. Nun war man also endlich im gelobten Internetland, aber die anderen, die schneller waren, hatten schon ihre Claims abgesteckt. Man war zu spät und mußte nun nehmen was übrig war. Oder man konnte versuchen, mit Qualität zu siegen. Den anderen wieder Marktabteile abtrotzen, sich hocharbeiten. Oder Kooperationen suchen, sich beteiligen und innerhalb der Kooperation eine Trennung vereinbaren. Alle wären glücklich, vor allem die Konsumenten, die von einem solchen Wettbewerb nur profitieren können.

    Aber Print wirkt nicht nur, Print ist auch faul. Man hockt auf seinen Pfründen, seinen alten Werten und will von ihnen – entgegen der Realität – nicht lassen. So haben sich die Kutscher gefühlt, als das Automobil aufkam. Und die Sensenmänner und Drescher, als der Mähdrescher ihren Job übernahm. Sie haben gezetert, sie haben aus dunklen Tiefen ihrer Seele schreckliche Prophezeihungen ausgestoßen…und irgendwann, als die Welt sie zurückgelassen hatte und weiter in die Zukunft gezogen war, mußten sie einsehen, daß sie mitgehen können oder einsam sterben.

    Die Medienwelt hat sich geändert. Regionale Monopole gibt es nicht mehr. Wenn ich wissen will, was jetzt gerade in der Welt passiert, also schlichte Nachrichten hören möchte, dann schaue ich ins Internet. Wenn ich gut recherchierte Berichte mit Hintergründen und viel Eigenleistung lesen will, dann wähle ich Print…oder das Internet, denn sowas gibt es auch dort. Aber für solche Leistungen bezahlt man gerne, für bloßes Wiederkäuen nicht. Darum wird Google auch nichts dafür fordern vom Endkunden. Google weiß, wie der User tickt. Die wissen, daß der nächste Anbieter nur einen Klick entfernt zu finden ist und dann war’s das mit dem Kunden. Um sie zu binden kann man nicht mehr die Konkurrenz ausschließen, sich ein Marktsegment sichern, eine Region für sich wählen, sondern muß bessere Leistung bringen.

    Das Wehklagen in der „Erklärung“ ist durchschaubar für jeden, der sich ein wenig auskennt. Buhuu! Böser Google klaut unser geistiges Eigentum. Komisch, ich habe über Google noch keine Printausgabe des Sterns bezogen? Ach, die Online-Sparte meinen Sie? Tja, die taugt leider nicht mehr als andere Nachrichtenportale, die Agenturmeldungen verwursten, danke schön, auf Wiedersehen.

    Niemand wird im Internet für simple Nachrichten zahlen. Das ist ein Fakt. Was ich nebenan umsonst bekomme, werde ich nicht teuer kaufen. Man muß sich also absetzen. Längere Artikel lesen die meisten Meschen lieber auf Papier. Die Online-Portale müssen daher Print nicht ersetzen, sondern sie müssen sich ergänzen. Auf einander aufbauen, verweisen. Schnelle Nachrichten online, recherchierte Berichte offline (und später dann online). Nutzt die Medien richtig und alles wird besser. Und freut Euch über Google. Google ist Euer Freund. Er führt die Menschen zu Euch, die Euch sonst nicht finden. Je besser, desto mehr Leute Eure Seiten besuchen und sie nützlich finden. Also bietet den Nutzern was, dann kommen sie auch wieder.

    Und Print…wirkt auch nur dann, wenn es gut ist. Hohe Qualität schätzt der Kunde und dafür zahlt er auch. Redaktionen zu verkleinern, Recherche fakultativ zu machen, ist der sichere Weg in den Abgrund. Auch der Printleser verzeiht sowas heutzutage weniger und wechselt…ggf. ins Internet.

    Norge

  2. In diesem Internet ist wirklich nichts mehr heilig: Ist es nicht irgendwie verboten, dass Kommentare besser sind als die Beiträge, die sie kommentieren?

    Danke!

  3. Okay, die Hamburger Erklärung ist Banane. Okay, die Idee von Google für die Verwendung von Snippets Geld zu verlangen, ist netzfremd.

    Aber: Die Überprüfung, ob man Google als marktbeherrschende Suchmaschine nicht darauf verpflichten sollte, transparent dazulegen, dass sie eigene Dienste nicht bevorzugt – ein Verdacht, der sich hundertfach in Techblogs findet -, ist nicht nur eine leidlich gute Idee, sondern eine entsprechende Prüfung wohl mehr als angeraten.

    Denn es ist ökonomisch und wettbewerbsrechtlich eben hochproblematisch, wenn eine marktbeherrschendes Unternehmen auf dies Positition gestützt immer weitere Felder erobert.

    Auch im Falle von Google könnten daher bald Dinge wie die Teilentflechtung Microsoft // Explorer // Media Player geboten sein.

  4. Ist es blöd jetzt zu fragen, warum es schlimm ist falls Google die eigenen Produkte bevorzugt? Sind die irgendwo verpflichtet, neutral zu sein? Ich meine, die sind doch ein Wirtschaftsunternehmen und tun alles für Synergieeffekte. Ist das nicht normal?

    Ist jetzt wirklich nicht polemisch oder so gemeint, irgendwie verstehe ich die Forderung einfach nicht.

  5. Wer eine marktbeherrschende Stellung zu seinem Vorteil ausnutzt tut das mit anderen Worten zum Nachteil der Kunden (sonst müsste er es ja nicht tun). Dagegen gibt es Regeln. Und ich denke, das zu recht.

  6. Quatsch!

    Google ist ein Wirtschaftsunternehmen mit etlichen Zweigen. Die einen suchen Kram im Netz, die anderen generieren Anzeigen, Karten, wasauchimmer.

    Und Google wäre ein ganz schlechtes Unternehmen, hielte es nicht seine eigenen Angebote für die besten. Oder mal polemisch für die Suchmaschine ausgedrückt: „Oh, es sucht jemand nach einem Routenplaner, wir haben einen, in unseren Augen den besten, geben wir ihm doch irgendeinen anderen, deutlich schlechteren als bestes Ergebnis aus!“

    Da würde ich mir als Suchender auch gepflegt verarscht vorkommen.

    Marktmacht nicht zum eigenen Vorteil ausnutzen, dann müsste ein BMW-Händler seinen Kunden auch Mercedes empfehlen, wenn der im ADAC-Test besser abgeschnitten hat, oder MediaMarkt seine Kundschaft zum Laden um die Ecke schicken, weil da der Service besser ist. Und wenn die Medien der Meinung sind, dass Ihre Produkte benachteiligt werden, dann dürfte sich auch nach „diesem“ System nichts ändern, da die miesen Angebote der Medien noch immer ganz am Ende der Liste kommen.

    Google will wie jeder andere auch verkaufen. Objektivität ist da fehl am Platz und das erkennen hoffentlich auch die Kartellwächter. Wenn dem Suchenden Google allerdings nicht objektiv genug ist, dann soll er halt auf Yahoo, MSNsearch oder sonstwas ausweichen!

  7. @Mikis:

    > In diesem Internet ist wirklich nichts mehr heilig: Ist es nicht irgendwie
    > verboten, dass Kommentare besser sind als die Beiträge, die sie
    > kommentieren?
    >
    > Danke!

    Bitte! ^^ Manche Themen trieben mich auf die Palme (Du kennst das Gefühl ja) und wenn dann nach dem x-ten Gegenbeweis immer noch auf falsche Annahmen bezug genommen wird, dann sprudelt es aus mir raus. Kurzfassen ist nicht so mein Ding, ähem..

    Ich werde mich in Zukunft etwas zurückhalten…oder auch eher nicht.

    Man liest sich,
    Norge

  8. Tut mir leid, aber ich kann der Argumentation bzgl der marktbeherrschenden Macht immer noch nicht folgen. Ich bin da argumentativ bei CM (auch wenn die Vergleiche etwas hinken). Zumindest sehe ich nicht, wie die Regeln gegen den Missbrauch der Marktstellung (die wohl eher einer Monopolbildung vorbeugen sollen) auf Google anwendbar sind. Wirtschaftsunternehmen sind nun mal nicht neutral gegenüber den eigenen Produkten und Google hat kein Monopol, auch wenns gern so dargestellt wird.

  9. @TorsenH: Ich bin zur Hälfte bei dir: Ich glaube nicht, dass man Google eine Monopolstellung zusprechen kann, ganz einfach deshalb, weil es so einfach ist für jeden Kunden, sich aus dem Monopol zu verabschieden und z.B. eine andere Suchmaschine zu benutzen.
    @ CM: Der Autovergleich ist richtig, aber eine marktbeherrschende Stellung, ein Kartell, ein Monopol oder wie auch immer gibt es da ja gerade nicht. Vergleichbar wäre es, wenn der ADAC Autos testen würde, gleichzeitig aber auch Hersteller wäre und dann am Ende nur die eigenen empf… empfähle? empfehlen würde eben. Da hätte der ADAC möglicherweise eine marktbeherrschende Stellung als Tester, die er dann ausnutzt. Die Verlage werfen Google im Prinzip vor, so marktbeherrschend zu sein, dass sich niemand wirtschaftlich sinnvoll aus ihrer Suche verabschieden kann. Man muss also quasi seine Inhalte zur Verfügung stellen, und Google verdient dann Geld daran. Ich halte das für Bullshit, denn die Contentproduzenten erhalten von Google erstens einen Service, und zweitens klickt man ja erst dann auf eine Werbung, wenn man den beworbenen Service will. Falls ich bestimmte neue Reifen kaufen will, finde ich wahrscheinlich Angebote in den Werbeangeboten, ob ich da tatsächlich erst eine Geschichte über Autoreifen lesen will, um dann erst danach auf die Werbung zu klicken – ich bezweifle es. Falls ich aber verschiedene Reifentypen im Test haben will, klicke ich sowieso auf das passende redaktionelle Angebot und das Verlagsargument zieht nicht. Insgesmt spricht für mich aus Erklärungen wie der Hamburger deshalb ein Unverständnis darüber, was Menschen im Internet tun und wollen. Und die Argumente gegen Google erwachsen eher daraus, dass Google so erfolgreich ist, dass es Verlagsmenschen vorkommt, als müsste da was faul sein – sonst könnten sie das doch auch. Und da liegt das Missverständnis.
    Also: Ich bin in der Stoßrichtung bei dir, aber grundsätzlich darf ein Unternehmen die Regeln des Marktes, das ihm seinen Erfolg ermöglicht hat, auch nicht verletzen. Nur: Google tut das in diesem Fall auch nicht. Sie sind nur sehr gut.

  10. @ Mikis: Das mit dem ADAC stimmt allerdings, hab mir ja meine Tirade auch nur zwischen zwei anderen Handlungen im Affekt auf den Fingern gesogen, aber wie gesagt: Google wäre dämlich, würde es die eigenen Angebote nicht bevorzugen.

    Aber Google wertet nicht. Google sagt mit keinem Wort seine Angebote wären besser als die der Konkurrenz, sie stehen einfach nur weiter oben in der Suchliste (schließlich wissen sie halt wie man auf die eigene Suchmascine optimiert) und die Einbindung von beispielsweise GoogleMaps in Suchergebnisse beteachte ich eher als praktischen Service denn als Krake des Kapitalismus.

    Dem Nachsatz nach war meine Tirade aber ja auch völlig umsonst, da wir ja eh (fast) einer Meinung sind: Google toll, Verlage doof.

  11. Voll deiner Meinung. Und merkwürdigerweise beweist Google dabei auch noch: Man kann sehr erfolgreich sein, wenn man einfach aufpasst, was Menschen wollen. Ich kriege nur mehr und mehr den Eindruck, der größte Unterschied überhaupt ist der zwischen „Menschen“ und „dem Markt“. Sie sehen aus wie eins, machen aber meistens das Gegenteil von dem, was der andere tut …

  12. Viel besser kann man das kaum zusammenfassen, Kompliment!

    Nur weil es derzeit noch kein funktionierendes Geschäftsmodell gibt, heißt ja nicht, dass es ausgeschlossen ist, mit Online-Journalismus Geld zu verdienen. Banner und klassisches Anzeigengeschäft sind offenbar für die Refinanzierung der Angebote untauglich, aber das muss ja nicht das Ende aller Überlegungen sein. Konkrete Anregungen, wie Verlage sich aufstellen können, liefert Dirk Beckmann, der mit seiner Agentur artundweise, schon einiges bewegt hat in Punkto Digitalsierung von Verlagsangeboten, in einem interessanten Gastbeitrag: http://bit.ly/4EfMOK

    Und noch ein Wort zu Google. Jeder Verleger hat selbst in der Hand, sich vom Google Such-Index finden zu lassen. Es erfodert Mut, das zu ändern. Langfristig sehe ich dazu für Online-Verlagsangebote keine andere Alternative. Die Prämisse heißt: Näher an den Nutzer rücken und nicht den Umweg über Google wählen…

  13. ein wenig Angst macht mit google aber schon und man kann nur hoffen, dass die ganzen Daten welche google sammelt nicht in die Falschen Hände kommen :o(

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.